Atlasprofilaxe
Der erste Wirbel, gleich am Kopf gefügt,
ist schon von Anfang an bei mir luxiert.
Ich weiß rein nichts von dieses Umstands Ding
und wundre mich, was so mit mir passiert.
Da schwindet manchmal das Gefühl, es krampft.
Die Glieder werden mir so lästig zittrig.
Den Kopf durchzuckt es wellenartig, wacklig.
Ein Abwärtstrend zeigt mir sich unerbittlich.
Da knirscht es rau im Wirbel-Halsgefüge.
Beim Aufstehn ist das Gleichgewicht gestört.
Die Knie schmerzen und die Hüft beim Wandern.
Das ist es, was mich immer mehr empört.
Zu guter letzt ist schmerzhaft ausgerenkt
des Halses Wirbel, was den Nerv entzündet,
der alles lenkt mir rechts im Armbereich,
ein Bote, der mir schlimme Zeiten kündet.
Drei Wochen quäl ich mich damit herum,
nichts tun für mich, als Schmerzen zu ertragen,
die gnadenlos wie wildes Sturmgewitter,
vor allem nachts beim Schlafenwollen plagen.
Da wird mir jene Kunde übermittelt,
der Atlas ist, luxiert, für uns der Grund,
dass orthopädisch viele schlimmen Mängel
nicht heilen können, werden nicht gesund.
Ich lasse mir den Atlas sanft einrichten
von ruhiger und befugter, kundig Hand.
Den Hals kann ich nun sofort drehend wenden,
wie dies mir lang schon nicht mehr war bekannt.
Jetzt steh ich auf und fühle mich gehoben.
Ich bin so frei, so leicht in meinem Sein.
In mir erwacht ein tiefes, sehnend Hoffen;
Bin ich ihn los, den lästig, schweren Stein?
In Folge wird mein Handeln eigenartig.
Beim Tanken nehme ich den falschen Sprit.
Dies muss nun auch erst korrigieret werden,
damit mein Auto weiter bleibet fit.
Zu Hause will mein Herz nur holprig schlagen.
Mir wird so heiß, mich schwindelt es beim Steh’n.
Nur liegend kann ich dieses Sein ertragen
im Wissen, dieses wird auch bald vergeh’n.
Gern möchte ich die Augen endlich schließen
zum tiefen, reinigenden Heilungsschlafen.
Doch eine unbekannte, starke Kraft
lässt mich nicht ein in diesen stillen Hafen.
So lieg ich einfach, suchend diese Stille,
die in mir wirkt, aus der Natürlichkeit.
Ich spiele nunmehr keine künstlich Rolle,
ein feiner Umstand, der mein Herz macht weit.
Und in der Nacht erhoff ich tiefen Schlaf.
Doch ist mein Traum von eigenartig Handeln.
So Unbekanntes spielt in mir sich ab,
und ich erleb in mir ein sanftes Wandeln.
Da sind so freundlich, rege, fleißig Wesen,
beschäftigt mit so winzig kleinen Teilen.
Sie ordnen sie erneut in ein System,
so unermüdlich, ohne zu verweilen.
Ich bin erstaunt, kann dieses Tun nicht fassen.
Wer lenkt so dieser Wesen ordnend Sinn?
Doch als ich dann des Morgens Früh erwache,
erleb ich bald in mir den Neubeginn.
Ich stehe auf ohn alles früh’re Wanken,
sofort im Gleichgewicht des äuß’ren Seins.
Und auch die Zittrigkeit, des Kopfes Last,
weicht schon zurück und das fast von allein.
So hoffe ich auf stetig guten Fortgang
der Heilung aus den Kräften der Natur,
die durch den eingepasst, fixierten Atlas
sich mir erschließt wie eine Wunderkur.
Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007