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Gedichte von Wolfram Göhler

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  • Empfindung

    Ein Morgen erwacht nach der schlaftrunken Nacht,
    erglüht steigt im Osten die Sonne empor,
    entfaltet ihr Licht in strahlender Pracht,
    verdrängt alle Schatten, den finsteren Chor.

    Zwar war diese Nacht von Sternen erhellt, die funkelnd ihr Licht der Dunkelheit schenkten,
    verstärkt von des Mondes zunehmender Kraft die Macht der Finsternis versenkten.

    Und Kälte legte sich bald breit, ein leichter Frost die Feuchte band,
    kristallig rein, ein schwaches Funkeln, in Flur und Hain das Licht sich fand.

    Jetzt strahlet die Sonne für alles herauf, ein silbriges Glitzern gesänfteter Kraft.
    Die Wärme erregt den froststarren Halm, erweckend in ihm neu des Lebens Saft.

    So ist das wohl auch mit dem Dasein der Menschen. Wir irren umher in der finstersten Nacht,
    sind glücklich, wenn bald mal ein Stern es uns funkelt, was Sehnsucht nach Liebe in uns schon vollbracht.

    Und Frost ist auch nötig, als Reinigungsquelle,
    dann brausend der Sturm durchs Dickicht sich bricht.
    Wir lernen zwar schwer, doch lohnend die Welle,
    die aus der Erkenntnis uns hebet ans Licht!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Dankeschön

    Ich dank Euch für Geburtstagsgrüße, verspätet zwar, doch verslich heiter.
    Ich dank Euch für mein Neues Jahr in diesem Leben und so weiter.

    Noch ein Jahr ist die Arbeitszeit, dann ist der Ruhestand bereit
    auch mich in seinen Arm zu nehmen. Ist das der Sinn in meinem Leben?

    Ich denke weiter, komm ins Sinnen. Was werde ich wohl dann beginnen?
    Die Hobbys sind zu aktivieren. Da sollt ich keine Zeit verlieren.

    Doch vorerst bin ich ganz aktiv. Gesundheit steht im Vordergrund,
    denn wenn ich bald in Rente geh, natürlich bin ich da gesund!

    Die Frau verprügeln, Enkel quälen! Dazu brauch ich viel Körperkraft.
    Ich freu mich herzlich auf die Freiheit, verströmen frischen Lebenssaft.

    Nochmals viel Dank für Eure Grüße.
    Sie sind für mich die rechte Süße.
    Und wird es einst um mich dann stille,
    dann war's bestimmt auch Gottes Wille.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Erkennen

    Wir sitzen gern in trautem Kreise, wenn langsam es uns Abend wird.
    Wir schaun zurück auf unsre Weise, der Sonne letzten Glut entrückt.

    Wir sinnen in Vergangenem: Warum sind wir auf Erden hier?
    Warum ist Dulden unser Los? Die Demut unsre höchste Zier?

    Verwirrt ersuchen wir den Rat in unsres Herzens tiefstem Grund,
    denn dort ist alles für uns da, vergraben uns ein golden Fund.

    Und endlich dämmert es herauf aus diesem Urgrund reinster Liebe.
    Es öffnet sich erkenntnisreich ein Tor der schaffend Liebestriebe.

    Erfüllt von diesem hellen Glanz versinken wir in Demutsfreuden.
    So ohne Zwang geliebt zu werden, ein wunderschönes Festtagsläuten.

    Und so erwacht aus tiefem Sinnen wird uns an Herzens Quelle klar,
    wir sind auf dieser Erde hier das Lieben lernen. Das ist wahr!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    In Erwartung des Schweigens

    Wie sehn ich mich nach tiefer Stille.
    Wie sehn ich mich nach innig Sein.
    Wie sehn ich mich nach Liebes-Sonne.
    Wie sehn ich mich nach ihrem Schein.

    Ich finde dies im tiefen Schweigen,
    wenn nur die Stille wohnt im Raum,
    wenn nur die Kraft aus purer Liebe
    das Sein erfüllt, mein Lebenstraum.

    Ich werde mich dem Strom hingeben,
    der erst zum Fließen kann gelangen,
    wenn aller Welten-Treibens Macht
    durch innere Stille wird gefangen.

    Wie gern bin ich in Seinem Sein,
    in diesem Raum voll sanfter Stille,
    dem heil'gen Ort der inn'ren Welt,
    wo ganz allein wirkt Gottes Wille.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Abfolge

    Ein Mensch, einst androgyn in sich begründet, herabgestürzt durch Trennung in die Pole
    erkennt das Spiel der Kräfte in sich selbst und dies gereicht ihm keinesfalls zum Wohle.

    In ihm verwirklicht sich der Schöpfung Sein, begründet im erst Geben und dann Nehmen.
    Ein Nähern wird vom Trennen stets begleitet und doch soll dieses Tun sich selber zähmen.

    Der Sinn der so geschöpften Gottesordnung liegt in der Gegensätze Wechselspiel.
    Gerecht die Ordnung, rein ihr schaffend Wesen verfehlt sie nimmer das erdachte Ziel.

    So frei im Willen kann der Mensch sich prägen, erkennen sich im Wechselspiel der Kraft.
    Er lernt durch Handeln sich so frei bewegen. Doch wie bewusst ist ihm der Kräfte Macht?

    Im Anbeginn kommt es gewollt zum Straucheln. Der Schlange wird die Tat gern zugedacht.
    Erfahrungslos, doch seiner sich bewusst sein führt schnell zum Sturz, in eine dunkle Nacht.

    So ist der Mensch ein Schatten seiner selbst. Er sehnt sich nach dem so verlor’nen Glück;
    Vereint, wie vor der Trennung in die Pole! Dahin wünscht er sich liebend gern zurück.

    Und meistens ist dies Sehnen ein Gefühl, ein unbewußtes suchend In-sich-Tasten.
    Es irrt der Mensch, solang er wirr nur strebt. Er stürzt, steht auf, wird immer weiter hasten.

    Doch eines bringt ihn ab und an zur Ruhe, führt ihn zum Ursprung seines tiefsten Fühlens,
    bereitet ihm auch Zeiten seligst’ Glücks in dieser Welt voll Gier des Habsuchtwühlens.

    Es ist die Liebe, die dies Wunder schafft, die Liebe aus des Schöpfers Ordnungsplan,
    die Liebe, die aus Lieb die Herzen weitet, befreit den Menschen so von seinem Wahn.

    Und wenn der Mensch den andern finden kann der wollend, liebevoll sich ihm vereinigt
    in Sehnsucht nach dem androgynen Sein, dann ist für kurz der Trennung Schmerz bereinigt.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Fragen

    Ich träum so gern in mich hinein an hellen, lichten Tagen.
    Ich lös’ so gern im Sonnenschein die tiefsten innig Fragen.

    Was ist der wahre Sinn des Seins, des Lebens hier auf Erden?
    Ist es, dass alles werde mein, und mein sein muss und werden?

    Dass alles in den Schoß mir fällt, des Lebens süßes Walten?
    Mit all dem wohlig-sattig Sein, müsst sich mein Wohl entfalten?

    Dass mir die Liebe ist Genuss, die Königin der Sinne,
    gelebt in Vielfalt, ohn’ Verdruss und was ich sonst beginne?

    Dass mir die Menschen huldvoll sind, mit ehrendem Verhalten,
    dass sie in mir den Retter sehn und ich kann mich entfalten?

    Die Richtung dieses Denkens macht mir immer mehr Verdruss.
    Ich fühle mich beengt und klein und das ist kein Genuss.

    Ich will den Nächsten würdig sehn, ihn schätzen, achten ehren.
    Ich will ihm gerne Bruder sein und mich ihm nicht verwehren.

    Sucht er, wie ich, nach geist’gem Gut, so bin ich für ihn Feuer
    und mach aus mir heraus ihm Mut. Das ist mir nicht zu teuer.

    Ich tu das doch aus Eigennutz, zum Nächstenliebe-Lernen.
    Drum bin ich nicht mehr auf der Flucht, such nicht mehr in den Sternen.

    So komm ich nun zur inn’ren Ruh, zum Frieden meiner Triebe.
    Ein neues Sehnen wächst in mir, die Sehnsucht nach der Liebe.

    Die Liebe aus dem reinen Sein, des Schöpfers ewig Walten,
    sei dir und mir ein sich’rer Schrein, beim Leben-neu-Gestalten.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Blockade

    Ein Mensch fühlt sich so arg blockiert
    und das seit frühen Kindheitstagen.
    Man schaut sich’s unbeteiligt an.
    Der Mensch soll das doch selber tragen.

    Er wird unmündiglich behandelt,
    ein Warenwert im Weltgetriebe
    zum Wohl der Selbstsucht ausgebeutet,
    ein Wertobjekt für viele Diebe.

    Ist man auch seinem Streben hilfreich,
    nach Heilung, die er dringend sucht
    und ist erfolgreich dann das Wandeln,
    ein Arzt es gern für sich verbucht.

    Der Mensch bleibt wiederum zurück,
    zurück in anderer Blockade.
    Und immer wieder muss er sehn,
    wie gleich ist doch die neu’ Tirade.

    Doch wird der Mensch jetzt endlich wach.
    Er wird das Wechselspiel erkennen
    und wird Kraft analytisch’ Denkens
    den Ursach’-Wirkung-Kreis benennen.

    Er wird jetzt klar in der Erkenntnis,
    dass Heilung in ihm selber ruht,
    aus Gottes Funken, dessen Liebe.
    Nun wend’ es an, hab Mut, nur Mut!

    Zwar wird er niemanden verachten,
    des’ Werkzeug er doch früher war.
    Vielmehr will er durch Integrieren
    entlasten das Extremenpaar.

    So wird sein Licht nun endlich klar,
    kann fließen hemmungsfrei, gerade.
    Sein Herz, gestärkt durch Gottes Lieb,
    entfaltet frei sich von Blockade.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Befreiung

    Ist das denn wahr, was ich nunmehr erkenne,
    das Leben sei ein graues Wechselspiel,
    in dem der Mensch als Geistesmarionette
    gezüchtet wird als fettes Nahrungsziel?

    Es ist doch wahr, was selber wir so tun,
    vor allem mit dem lieben, duldsam Vieh.
    Wir züchten es durch würdeloses Halten
    für unsre Nahrungsmittelindustrie.

    Man sagt, der Mensch hat seinen freien Willen.
    Er sei das höchste Wesen der Natur.
    Das gilt doch aber kaum im geist’gen Sinne.
    Da stehen andre Wesen weit davor.

    Sie brauchen auch für sich stets eine Nahrung
    und schöpfen sie aus unsrer Menschen Kraft,
    die angstvoll wird aus uns durch Angst entbunden;
    Für sie Genuss! Doch wir? Wir werden schwach.

    Wie viele Orte sind auf unsrer Erde,
    wo Menschen fleh'n aus tiefster Herzensnot,
    getrieben von der Angst ums Sein, um Liebe
    und Sehnsucht nach Befreiung bis zum Tod.

    Und freier Wille? Was soll damit sein,
    wenn dies für uns ein Drittel etwa ist
    von alledem, was wir zu tun vermögen?
    Der Rest ist stets Programm, Programmespflicht.

    Doch dieses Drittel wird massiv beansprucht
    durch niedre Geistesmanipulation,
    versteckt in diesem scheinbar saubren Mantel
    der falschen Meinungsmachereligion.

    Und Diener sind globale Massenmedien,
    die Angst und Furcht und Leid an uns verbreiten,
    anstatt durch Lieb und Freud und Harmonie
    ein wärmend Licht für jedes Herz erstreiten.

    So seien wir doch frei von allen Ängsten,
    von Sklaverei und Manipulation
    und streben in die Liebe dieses Herzens
    aus unserm Gott, für uns der höchste Thron.


    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Schicksal

    Was ist das mit des Schicksals mächtig Walten?
    Sollt ich dem Schicksal treulich mich ergeben?
    Was ist das mit – das Leben frei gestalten?
    Wie passt das zu manch sehnsuchtsvollem Streben?

    Und dann der Wille, der doch frei sollt sein
    nach uns’res Schöpfers Ordnung, seinem Wollen?
    Ist er denn frei, wenn and’re anders handeln.
    als ich es will, und ich sollt das nicht grollen?

    Mein Wille ist wahrhaftig keine Laune,
    entsprungen aus recht wirr- und irrig Walten.
    Er ist getragen auf dem Sehnsuchtsflügel
    und will aus sich heraus sein Feld gestalten.

    So treffen hier Extreme arg zusammen.
    Der eine will, der andre ist befangen.
    Ist denn das Schicksal unbarmherzig grausam?
    Sind wir so unausweichlich hart gefangen?

    So seien wir doch sanft in Gottes Frieden.
    Er gelte kein „Entweder-Oder“ mehr.
    Vielmehr „Sowohl-als-auch“, das sei die Lösung,
    gerecht die Ordnung Gottes, weit, ein Meer!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Liebeskräfte

    Ich denke nach und finde keine Ruhe;
    Die Liebe in der reinen geist’gen Form
    hätt doch die Eigenlieb als Gegenpol.
    Das sei so logisch, uns’res Wissens Norm.

    Desgleichen wird uns Luzifer als Böser
    zum Gegenpole Gottes stilisiert.
    Kann es denn sein, dass ein geschöpftes Wesen
    Unendlichkeit aus sich heraus gebiert?

    Polarität ist selbst ein Schöpfungsakt,
    für unser Sein ein Wachstumsstimulanz.
    Sie scheint uns nützlich und so unentbehrlich,
    obwohl ihr fehlt vor allem Toleranz.

    Die Angst, gedacht als Gegenpol zur Liebe
    vertieft der Gegensätze Ränkespiel.
    Sie hat der Knechtschaft Knute im Gepäck,
    behindert so des Geistes Wachstumsziel.

    Die Liebe selbst, aus unserm Gott entbunden,
    ist Freiheit, frei sein, aus der reinsten Kraft,
    womit der HerrGott konstruktiv aus Liebe,
    uns Kinder selbst aus sich geschöpfet hat.

    So steht die Liebe frei und mächtig da,
    lässt sich wohl kaum in Gegensätze zwingen
    und ist somit die einz’ge Wachstumskraft,
    die sicher uns den rechten Weg wird bringen.

    In sich trägt Liebe Kraft für Toleranz,
    die stets der Gegenpole Mitte findet,
    und somit zeigt sie uns den Weg ins Glück,
    zurück zum Quell, aus dem uns Gott begründet.

    Es liegt an uns, den rechten Weg zu gehn,
    den Weg heraus aus den polaren Mächten.
    Geleitet von solch reinster Gotteslieb
    sind wir geführt mit allen Liebeskräften.


    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    So andersartig

    Ein Mensch fühlt sich so unverstanden
    in jenem Umkreis seines Lebens.
    Er möchte gerne hilfreich sein
    und herzlich seine Liebe geben.

    Doch diese Menschen seiner Umwelt
    sind ja so anders im Verhalten.
    Was soll der Eine denn nun tun?
    Er kann sich nie so recht entfalten.

    Er wird gemieden und verkannt,
    recht oft als Schuldiger benannt.
    Weil er so andersartig denkt,
    man gern sein Tun ins Abseits lenkt.

    Und keinen wird es arglich stören,
    wenn dies zu seinem Absturz führt.
    Der Eine und Sein Anderssein,
    die haben immer nur gestört.

    Ein Kind kann solches schwer ertragen,
    und sein Gedenken ist oft fern.
    Vielleicht ist auch die Seele fort,
    dort fern auf ihrem Heimatstern?

    Doch letztlich lernt das Kind sich fügen
    in das verdrehte Weltenbild,
    das durch das Scheinsein des Normalen
    es hetzt und jagt, gerad wie ein Wild.

    Wie gnadvoll ist dann das Alleinsein,
    allein sein in der inn’ren Welt.
    Dort ist ein stiller Ort des Friedens,
    ein weites, unberührtes Feld.

    Dort kann der Mensch mit sich allein sein,
    natürlich sein in seinem Grunde.
    Er schweigt in sich und spürt und sinnt.
    Welch selten wunderbare Stunde!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Mitgefühl

    Mitgefühl und Mitempfinden,
    eine mächt'ge Kraft im Leben!
    Mitgefühl und Mitempfinden
    lässt uns gern aus Liebe streben.


    Mitgefühl und Mitempfinden
    weckt in unserm Herzen Triebe
    und ist somit auch die Quelle
    für die tät’ge Nächstenliebe.


    Mitgefühl und Mitempfinden
    lässt uns selber selbst erfühlen,
    wenn wir für den andern bitten,
    ohne nach dem Lohn zu schielen.


    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Sinnen

    Ich weiß nicht, was ist es?
    Ich kann es nicht fassen.
    Es hält mich in Atem.
    Ich kann es nicht lassen!

    Es strömt auf mich ein
    so sanft, doch lebendig.
    Ich bin nicht allein.
    Es ist bei mir ständig.

    So sitze ich da,
    im Sinnen versunken.
    Ich bin wie gelähmt,
    als wär ich betrunken.

    Und geh ich im Wald,
    alleine im Dunkeln,
    da ist es gleich da,
    und ich höre dies Munkeln:

    So geh doch in dich,
    in die Stille des Seins
    und prüfe dein Innres
    und sei dann ganz Mein!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Sylvester 2005


    Heut ist der letzte Tag des Jahres und die Gedanken geh’n zurück.
    Es war ein Jahr durchsetzt mit Leiden, doch aber auch mit Freud und Glück.

    Da kommt ein Kind uns in die Welt. Woanders aber litt man Not.
    Es wechselt zwischen Freud und Leid, Erwachen, Leben und dann Tod.

    Dies alles ist ein Wechselspiel nach einem großen, edlen Plan.
    Dies zu erkenn’ ist recht schwierig. Wem’s doch gelingt, hat wohl getan.

    So wichtig ist dabei Erkenntnis, geschöpft aus dem Erlebnisfeld.
    Doch dringt sie ein ins tiefste Inn’re, eröffnet sich die neue Welt.

    Sie lässt sich tragen von der Liebe, dem Licht aus der Unendlichkeit.
    Sie meidet alles, was extrem ist und macht somit die Herzen weit.

    Da heißt es nicht „Entweder - Oder“, das leidige Extremenspiel.
    „Sowohl - Als auch“ wird hier gefördert, erweckt zum neuen Lebensstil.

    Das heißt vereinfacht ausgedrückt; um mir das Böse zu vernichten,
    so ist es vielmehr angetan auf tät’ges Kämpfen zu verzichten.

    Denn auch das Arge hat vom Licht aus Gottes Lieb, zum Operieren.
    Um nun das Arge aufzulösen, sollt ich es lieber integrieren.

    So zeigt sich zart ein reines Wandeln, ein Wachsen in ein innigst Sein.
    Und wird das Tun der Arbeit selbstlos, erblüht daraus ein Edelstein.

    Doch draußen ist jetzt Winterszeit, an diesem letzten Tag im Jahr.
    Es schneit, es friert, es taut und stürmt, wie Lebensspiele. Ach wie wahr!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Demut

    So alles tragen wir in uns aus Gottes Schöpfungsstreben.
    Doch eines ist’s von alledem, das ward uns nicht gegeben.
    Zwar finden wir die Lieb in uns, verknüpft mit dem Erbarmen
    und dann die Weisheit, die Geduld, wie diese sich umarmen.

    Der Wille mit dem nöt’gen Ernst beflügelt uns beim Handeln.
    Des Vaters Wunsch in uns gelegt, sollt manches in uns wandeln.
    So ist die Ordnung fest gefügt in unser’m Lebensplan
    und handeln wir auch stets danach, dann ist es wohlgetan.

    Was uns nun fehlt im tiefsten Sinn, zum Ordnungsplanerfüllen,
    das ist die Demut mit dem Wunsch, Geheimes zu enthüllen.
    Die Demut ist im Geistessinn die Summe der Gefühle,
    hat nichts zu tun mit niedrem Sein im groäen Weltgewühle.

    Die Demut ist ein edelst Gut. Sie aktiviert die Liebe.
    Sie hilft uns wirken aus Gefühl, aus reinem Liebestriebe.
    Die Demut sieht den Andren stets in gleicher Augenhöhe.
    Ihr Streben ist im Widerstreit des Ausgleichs, Lebensnähe.

    Auf diesem edlen Fundament lässt sich die Lieb entfalten.
    Gemeinschaftlich im Ordnungsplan, so soll es sich gestalten,
    gestalten unser Leben selbst im Einklang mit dem Willen,
    der uns entspringt aus Gottes Lieb, der Sehnsucht Triebe stillen.

    So finden wir die Harmonie als eine Frucht der Demut
    aus uns gewachsen in die Lieb, ein Schatz, der in uns ruht.
    Das ist der Wahrheit Lichtgestalt, der Liebe lichte Frucht,
    die Sehnsucht nach verlornem Glück, von uns in uns gesucht.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Vertrauen


    Wem kann ich mich erschließen,
    wem schenken mein Vertrauen?
    Wo kann ich mich ergießen,
    auf wen kann ich stets bauen?
    Wo find ich neuen Morgen
    und lass mich auch mal gehen,
    ohn’ dass ich hätte Sorgen,
    man könnt mich nicht verstehn?

    Das find ich bei dem and’ren,
    der aus dem innig Trieb,
    ohn’ jeglich Wenn und Aber
    mir zeigt, ich hab dich lieb,
    der aus der Höh’ des Seins,
    getragen von der Liebe,
    mir zeigt in seinem Herzen,
    den reinsten Trieb der Triebe.

    Das find ich bei dem and’ren,
    der mir in Augenhöhe
    begegnet ohne Hadern
    und ohne Ach und Wehe.
    Und der mir sagt ganz einfach:
    „Ich trage dich in mir.
    Wachs du mit mir zusammen,
    mit mir zum großen Wir“!

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007



    Atlasprofilaxe

    Der erste Wirbel, gleich am Kopf gefügt,
    ist schon von Anfang an bei mir luxiert.
    Ich weiß rein nichts von dieses Umstands Ding
    und wundre mich, was so mit mir passiert.

    Da schwindet manchmal das Gefühl, es krampft.
    Die Glieder werden mir so lästig zittrig.
    Den Kopf durchzuckt es wellenartig, wacklig.
    Ein Abwärtstrend zeigt mir sich unerbittlich.

    Da knirscht es rau im Wirbel-Halsgefüge.
    Beim Aufstehn ist das Gleichgewicht gestört.
    Die Knie schmerzen und die Hüft beim Wandern.
    Das ist es, was mich immer mehr empört.

    Zu guter letzt ist schmerzhaft ausgerenkt
    des Halses Wirbel, was den Nerv entzündet,
    der alles lenkt mir rechts im Armbereich,
    ein Bote, der mir schlimme Zeiten kündet.

    Drei Wochen quäl ich mich damit herum,
    nichts tun für mich, als Schmerzen zu ertragen,
    die gnadenlos wie wildes Sturmgewitter,
    vor allem nachts beim Schlafenwollen plagen.

    Da wird mir jene Kunde übermittelt,
    der Atlas ist, luxiert, für uns der Grund,
    dass orthopädisch viele schlimmen Mängel
    nicht heilen können, werden nicht gesund.

    Ich lasse mir den Atlas sanft einrichten
    von ruhiger und befugter, kundig Hand.
    Den Hals kann ich nun sofort drehend wenden,
    wie dies mir lang schon nicht mehr war bekannt.

    Jetzt steh ich auf und fühle mich gehoben.
    Ich bin so frei, so leicht in meinem Sein.
    In mir erwacht ein tiefes, sehnend Hoffen;
    Bin ich ihn los, den lästig, schweren Stein?

    In Folge wird mein Handeln eigenartig.
    Beim Tanken nehme ich den falschen Sprit.
    Dies muss nun auch erst korrigieret werden,
    damit mein Auto weiter bleibet fit.

    Zu Hause will mein Herz nur holprig schlagen.
    Mir wird so heiß, mich schwindelt es beim Steh’n.
    Nur liegend kann ich dieses Sein ertragen
    im Wissen, dieses wird auch bald vergeh’n.

    Gern möchte ich die Augen endlich schließen
    zum tiefen, reinigenden Heilungsschlafen.
    Doch eine unbekannte, starke Kraft
    lässt mich nicht ein in diesen stillen Hafen.

    So lieg ich einfach, suchend diese Stille,
    die in mir wirkt, aus der Natürlichkeit.
    Ich spiele nunmehr keine künstlich Rolle,
    ein feiner Umstand, der mein Herz macht weit.

    Und in der Nacht erhoff ich tiefen Schlaf.
    Doch ist mein Traum von eigenartig Handeln.
    So Unbekanntes spielt in mir sich ab,
    und ich erleb in mir ein sanftes Wandeln.

    Da sind so freundlich, rege, fleißig Wesen,
    beschäftigt mit so winzig kleinen Teilen.
    Sie ordnen sie erneut in ein System,
    so unermüdlich, ohne zu verweilen.

    Ich bin erstaunt, kann dieses Tun nicht fassen.
    Wer lenkt so dieser Wesen ordnend Sinn?
    Doch als ich dann des Morgens Früh erwache,
    erleb ich bald in mir den Neubeginn.

    Ich stehe auf ohn alles früh’re Wanken,
    sofort im Gleichgewicht des äuß’ren Seins.
    Und auch die Zittrigkeit, des Kopfes Last,
    weicht schon zurück und das fast von allein.

    So hoffe ich auf stetig guten Fortgang
    der Heilung aus den Kräften der Natur,
    die durch den eingepasst, fixierten Atlas
    sich mir erschließt wie eine Wunderkur.

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007




    Düsternis

    So graulich die Tage und düster die Stimmung!
    Es legt sich so schwer auf die Seele, auf unser Gemüt.
    Vergangen die freien, die lockeren, lichtvollen Tage.
    Ein Sehnen bleibt nach Erneu’rung, doch alles verblüht.

    Im Inneren will sich die Stimmung gewaltsam verdüstern.
    Ich spüre es deutlich durch hackendes Rhythmusgestolper.
    Es drückt in den Kopf, es geht sich so kraftlos, so schwerlich.
    Das Herz pumpt das Blut, gestört nur, unwillig, mit Holpern.

    Es will und will sich die Stimmung mit Willen nicht ändern.
    Ich schlucke Magnesium, was sonst so beruhigend wirkt,
    dass alles im Rhythmus der Ordnung sich wieder bewege.
    Doch diesmal? Es will nicht! Was sich wohl dahinter verbirgt?

    Ich leg’ mich zum Schlafen und werde ganz inniglich stille.
    Gefaltet die Hände, erbitt’ ich des Vaters Huld.
    Er möge mir helfen, mich schützen, mich führen. Sein Wille
    Geschehe aus seiner Liebe, Gnad’ und Geduld.

    Und wie ich so sinne mit stillem und ruhigem Gedenken,
    da stellt sich die Ordnung in mir von selbst wieder ein.
    Das Stolpern schwindet. Ich danke dem Vater und spüre
    Aus Kindheitszeiten die Bitt’ "mein Herz mach rein".

    Ja, ja, "mein Herz mach rein", so schlichte Worte,
    und so sagt’ ich damals, zu weiten des Herzens Pforte:
    "Ich bin klein, mein Herz mach rein,
    soll niemand drin wohnen als Jesus allein"

    Amen

    Ernst Wolfram Göhler, Kreuth-Scharling, 21.02.2007




    Ehesäuseln

    Ehe die Ehe zur Ehe wurde, gab es den Adam als Androgynen.
    Als sich aus ihm bald die Eva entband, wurde verfügt, die Trennung zu sühnen.

    Hatten die beiden sich selbst doch entdeckt und auch das Wesen der Reproduktion.
    Dies aber sollte nach Gottes Willen später erkannt sein und doch nicht jetzt schon.

    Stürzt so der Mensch aus geistiger Höhe ab in das Leben der unsrigen Welt.
    Argnis umgibt uns, Kummer zernagt uns, Machtkampf um alles tobt wild, wie bestellt.

    Tiefer denn tief ist die Sehnsucht verankert, Liebe zu spüren, das Hochgefühl.
    Hitzig und heftig ergießt sich’s zur Wandlung. Bald aber wird es kühler denn kühl.

    Wenn es doch einmal zu halten wäre, jetzt, dieses innigste Hochgefühl!
    Doch das "Jetzt", sein unwahres Wandeln, stürzt uns herab in das wirrste Gewühl.

    So entsteht aus der Sehnsucht die Gier, Gier nach vereinsvoll-glücklichen Stunden,
    in Wiederholung, auch wonnetrunken, kurz nur erahnend das größere Wir.

    Bald ist der Überdruss Herr dieser Szene. Doch die Frau Selbstsucht denkt nur an sich.
    Missmut, Zerwürfnis, Qualen der Seelen, stehen den Paaren ganz schlecht zu Gesicht.

    Wo aber bleibt denn die Augenhöhe, gleich und gerecht sich gleichsam zu finden,
    um dann das Sehnen nach früherem Glücke zweisam zu tragen, „Sich“ selbst überwinden?


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Eheschicksal

    Ein Ehepaar will Eins stets sein,
    sich androgyn geeint verhalten.
    Die Sehnsucht nach verlornem Glück,
    heißt sie sich g’rade so entfalten.

    Die Sehnsucht nach verlornem Glück,
    ein Ahnen in der Menschen Seelen,
    rührt her aus Paradieses Zeit.
    Dies lässt sich nimmermehr verhehlen.

    So finden sich fürwahr die Paare,
    hier biologisch, dort im Geist.
    Es kann auch umgekehrt geschehen,
    wenn’s doch nur Eins-zu-sein verheißt.

    Doch häufigst platzen die Konflikte
    kopflastig ihnen in das Leben.
    Sie hauen, stechen, schreien, streiten,
    und keiner will sich frei ergeben.

    Da wird nun das Gericht bemüht.
    verdienstreich schlichtet es den Streit.
    Und nach dem Ungemach der Trennung,
    ist man zu neuem Streit bereit.

    Der dazu auserwählte Mensch
    war selber g’rad schon auf der Suche.
    Ein Irrtum bleibt’s wie schon zuvor,
    ein Spiel aus dem Tragödienbuche.

    Inzwischen hat man amputiert
    im geist’gen Sinn des Partners Bein.
    Der schlägt zurück auf gleiche Art
    und so fliegt hin und her der Stein.

    Zerfleischt, als Wrack kommt die Besinnung.
    Zerstört ist jene Harmonie,
    die für das innigliche Sein
    so nötig ist, für ihn und sie.

    Doch sollten sie ihn doch beschreiten,
    den Weg nach androgynem Sein,
    dann müssen sie sich gut selbst stützen,
    weil jeder nur noch hat ein Bein.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Ein Mensch

    Ein Mensch kam ohne Lieb zur Welt.
    Das musst du dir begreiflich machen.
    Er hatte trotzdem sehr viel Geld
    und andere begehrlich Sachen.

    Nun will er sich mal Liebe kaufen,
    doch solche aus des Herzens Grund.
    Die Schuhe sich schon abgelatscht,
    doch ohne einen einz’gen Fund.

    Er wird und wird trotz Geld nicht fündig,
    irrt so umher, manch Tag und Nacht.
    Sein Geld nimmt jeder gern und gründlich.
    Doch Liebe wird ihm nie gebracht.

    Verzweifelt hält er endlich inne,
    vertieft sich in sein inn’res Sein.
    Da ahnt er in sich eine Stimme,
    die zu ihm spricht, ganz zart und rein:

    „Du musst die Liebe in dir suchen“,
    sagt sie, „dort ist sie kostenlos.
    Das ist der Nahrung feinster Kuchen,
    der dir geschenkt fällt in den Schoß“.

    So kann ein Mensch sich selber finden,
    aus eigner Kraft, mit Herzensmut
    und so die Liebe an sich binden,
    des Menschen höchstes, heiligst’ Gut.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Eindruck

    In Wolken ist der Berg gehüllt. Ein Wind weht jetzt so hart und kalt.
    Noch Gestern war es klar und lau. Es wird wohl Winter mit Gewalt.

    Ich wandre ziellos durch die Straßen, lass mich im Strom der Menschen treiben,
    beschau ihr Quirlen auf dem Markte. Es scheint so wirr, kaum zu beschreiben.

    Mich zieht der Menschen Treiben an, beobachte das Tun der Leute
    und manchem Händler seh ich’s an, wie er so lauert auf die Beute.

    Als Fremder bin ich gleich erkannt, versteh ich doch nicht ihre Sprache.
    Und nach dem Einkauf find ich dann im Beutel mache faulige Tomate.

    Es ist doch nur ein kleiner Sieg, den jener Mensch bei mir errang.
    Für mich ist’s nicht wie früher Ärger. Ich spür nicht mehr den alten Drang.

    Doch meistens sind die Menschen nett, sind arglos, sanft und gar recht traulich.
    Sie gehen ihrem Tagwerk nach, für sie nicht immer so erbaulich.

    Ich setze meinen Weg nun fort, versinke in dem Lärm der Straße.
    Von Autos überfüllt die Stadt. Das ist wie eine arge Strafe.

    So gnadenlos sind zugeparkt die Wege für die eilend Leute.
    Sie müssen auf der Straße gehen. Für Autos eine leichte Beute.

    Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Dunkelheit bedeckt die Stadt.
    Der Wind legt sich nun auch zur Ruh. Die Menschen werden langsam matt.

    Sie streben ihrer Wohnstatt zu und hetzen durch verstopfte Straßen,
    wo Autos vorteilheischend, drängend ihr Abgas in die Lungen blasen.

    Nun, dieses Tun erinnert mich so sehr an meine Leipziger Zeit,
    als Smog-verpestet diese Stadt zerfiel, so weit das Auge reicht.

    Das ist mein Eindruck, mein Erleben. In Leipzig hat sich viel gewandelt.
    Und ich bin davon überzeugt, dass man in Sofia ähnlich handelt.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Einsicht

    Tagesausflug nach Dolna Banja am 03.12.2005

    Liegt auch Sofia im Nebel, zieht es uns ins weite Land,
    dort, wo Smog und städtisch Treiben sind so gut wie unbekannt.

    Und so fahren wir hinaus aus dem qualmenden Gewühle.
    Und als dann der Nebel schwindet, drängen sich hervor Gefühle.

    Ja, das ist ein feines Fühlen, durch die Weite angeregt
    und durch Berge so verinnigt, dass es unser Herz bewegt.

    Als wir dann das Ziel erreichen, lacht die Sonn’ vom blauen Zelt,
    wärmt jetzt im Dezember noch schwach um uns das kühle Feld.

    Und wir sitzen dann im Freien, essen von der kräft’gen Speise,
    die von uns schon vorbereitet wurde vor der heut’gen Reise.

    Jetzt nun gehen wir spazieren, und der Weg führt uns bergauf
    durch den Einschnitt eines Tales. Links davon des Baches Lauf.

    Tief geschnitten in das Tal sprudelt schnell ein Bach dahin,
    singt sein Lied, ein altes Lied, sicher schon von Anbeginn.

    Und wir stehen auf der Höhe, schauen auf ein friedlich Bild,
    fühlen eine sanfte Ruhe, die des Herzens Sehnen stillt.

    Endlich fließt der Atem frei, saugend aus der Luft die Kühle,
    und die Sinne schärfen sich, bis zum Hochpunkt der Gefühle.

    Doch, wie alles ist im Leben; Ist der Höhepunkt erklommen,
    drängt sogleich der Abstieg wieder. Und was haben wir gewonnen?

    Ja, wir schöpfen aus der Reinheit dieser göttlichen Natur
    stets Erkenntnis und Erfahrung, wahrlich eine Seelenkur.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Eleonora

    Ich warte voll Freude, voll Sehnsucht auf dich.
    Ich kann den Moment kaum erwarten.
    Ich male mir lebhaft dein liebes Gesicht
    beim Traubennaschen im Garten.

    Du kleines liebes, du herzlichstes Kind,
    dich tragen auf meinen Händen!
    Du lachst, bist schalkig und dann ganz geschwind,
    wirst du dich von mir wenden.

    Wir spielen, wir toben, wir essen, wir laufen!
    Du kommst schnell gerannt voller Freud
    und fliegst in die Arme, die ich nach dir strecke
    und wirbelst um mich wie betäubt.

    Glückselig zu leben, ein Kind zu sein,
    so unbeschwert, ungetrübt.
    Das soll dir, mein Enkel, dein Leben dir sein,
    so frei, so friedvoll, geliebt.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Erkenntnis

    Der Sommer ist dahingegangen.
    Der Herbst erglüht in Farbenpracht.
    Das Jahr neigt bald sich seinem Ende.
    Das Spiel der Zeit entflieht mit Macht.

    So geht dahin, was einst begonnen
    mit Frühlingswachen und –erblühn.
    Doch was hab ich daraus gewonnen,
    trotz fleißig Tuens und auch Mühn?

    Mir zeigt das Leben seine Seiten,
    mal angenehm, mal mehr mit Drang
    und lässt mich neue Wege schreiten.
    Erkenntnisreich, worum ich rang.

    Doch ist für mich die Zeit erst reif,
    wenn ich es aus mir selbst erkenne,
    dass ich erst nach den Früchten greif,
    wenn ich sie selbst mein Eigen nenne.

    Das heißt mit andern einfach Worten:
    Tu’ ich’s dem Anderen nur in Pflicht,
    dann hab ich nichts dabei gewonnen.
    Ich bin gefangen, im Gericht!



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Felix

    Du bist noch so klein und musst schon so leiden.
    Der Bauplan der Seele war nicht ganz exakt.
    Jetzt müssen die Eltern für dich gut entscheiden,
    das Übel zu bannen mit ärztlicher Kraft.

    Du bist aber trotzdem mit freudigem Lachen.
    Du mummelst, du krähst, bist sonst guter Dinge.
    Die Mama ist bei dir, beim Schlafen, beim Wachen.
    Sie schützt dich, egal, was der Tag auch bringe.

    Mein kleiner Liebling, hab du keine Schmerzen.
    Das Leben wird trotz alledem hart für dich sein.
    Es soll aber freudig erfüllt sein, voll Scherzen,
    aus einem Herzen, so goldig, so rein.

    Behüte dich Gott, du liebvolles Wesen.
    Behüte dich Gott, du lächelndes Kind.
    Und mögest du schnell von dem Übel genesen
    und bald für uns sein wie ein Wirbelwind.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Für Cornelia - Danke

    Der Kuchen sieht so schmackig aus,
    ein wahrer Magenseelenschmaus.
    Ich mag so gern, auch heimlich, naschen.
    Auch füllt ich gern damit die Taschen.

    Doch bei der großen Klebrigkeit
    meid ich den süßen Zeitvertreib.
    Mit diesen zuckrig süßen Sachen
    füll ich mir heute nicht mehr die Taschen.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Glückwunsch

    Am Heilig Abend, in dieser Nacht,
    ward Dir Dein Kind zum Geschenk gemacht.
    In Deinem Glauben, in diesem Vertrauen
    kannst Du auf die Gunst unsres Vaters sehr bauen.

    Ein herzlicher Gruß, ein Gott schütze Euch,
    soll all Eure Herzen so unendlich weiten
    und führen und lenken, für Ihn gern zu streiten
    der Gnade Weg durch das Leben bereiten.

    Wir grüßen Dich, kleine Rebecca, heute.
    Wir wünschen Dir Segen aus Gott-Vaters Reich.
    Er möge Dich schützen aus all Seiner Liebe,
    Dich hegen und leiten im Weltengetriebe.

    Und Du, großer Bruder, für Dich ist das Neue,
    die Schwester zu haben und darum erfreue
    Dich heut auch am Wachsen, dem neuen Bunde,
    ein Gottes-Geschenk aus der Heiligen Stunde.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Goldener Herbst

    Zwar stellt sich schon das Leben ein
    auf Welken, Sterben und Vergehn.
    Doch zeigt der Herbst mit Augenzwinkern,
    es kann doch auch mal anders gehn.

    Da ist die Luft so frühlingsmild.
    Die Sonne lacht mit klarem Schein.
    Es zeigen Blumen neues Blühn,
    wie’s doch im Frühling sollt nur sein.

    Die Blätter sind so bunt gefärbt,
    die Wiesen noch so frisch im Grün.
    Der Herbst lacht uns ins Angesicht,
    doch bald will dieses auch verglühn.

    So ist das auch mit unserm Leben,
    wie Jahreszeiten im Verlauf.
    Mag auch der Herbst nach Goldglanz streben!
    Der Winter kommt bestimmt herauf.

    Noch eines ist gewiss für uns,
    doch dies muss jeder selber finden:
    Wir leben nur im Sonnenschein,
    wenn alles sich auf Lieb wird gründen.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Ich bin Dein

    Ich trage Dich in meinem Herzen,
    in diesem edlen Kämmerlein.
    Es leuchtet dort gleich strahlend Kerzen
    und zeigt und sagt mir: Ich bin Dein.

    Ein Strahlen ist in meinem Herzen,
    erweckt in mir ein innig Leben,
    erwacht jetzt, wie des Frühlings Märzen
    und mahnt mich, gern zu Dir zu streben.

    Ein Frühling zeigt mir frische Triebe
    in meines Herzens Kämmerlein,
    und blühend gehn sie auf in Liebe,
    Dir kündend, ich bin immer Dein!

    Ich spür ein Zieh'n in meinem Herzen,
    in diesem edlen Kämmerlein,
    bereitend mir dort Sehnsuchtsschmerzen.
    Mir ist bewusst, ich bin ganz Dein.

    Ich spür ein Zieh'n in meinem Herzen,
    in diesem edlen Kämmerlein.
    Sie sind so stark, die Sehnsuchtsschmerzen.
    Ich bitte Dich, sei Du auch mein.

    Ich spür ein Zieh'n in meinem Herzen
    nach diesem großen, großen Lieben,
    das alles schafft und auch erhält,
    nach Gottes ew’gen Liebestrieben.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Ich bin ich

    Ich bin ich! Das mein ich wohl
    Ich bin ich! Für dich kling’ts hohl.
    Ich bin ich! Das ist kein Scherzen.
    Ich bin ich! Nimm’s dir zu Herzen!

    Ich bin ich! Mein freier Wille.
    Ich bin ich! Sei du nun stille.
    Ich bin ich! Erzieh’ mich nimmer.
    Ich bin ich! Doch lieb mich immer.

    Ich bitt’ dich, erhöre mich.
    Ich bitt’ dich, so lieb doch mich.
    Ich bitt’ dich, lass mich Ich sein,
    lass mich sein dein Edelstein!

    Find in mir, wonach dich sehnt.
    Find in mir, was nie vergeht
    Und schöpf aus meines Herzens Grund
    Und deine Seele sei gesund.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Liebesträume - Der Beginn

    Der Adam ward erschöpft dereinst als androgynes Wesen
    nach unsres Vaters Schöpfungsplan, nach Seinen Liebe-Thesen.
    Gott Vater hatte diesen Wunsch, nicht mehr allein zu sein,
    mit Kindern um sich, reich an Zahl, ein funkelnd’ Edelstein!

    So war der Adam bald gestellt ins paradiesisch Leben.
    Was Gott von Adam nun verlangt, war frei nach Reinheit streben.
    „Du sollst Mir nur gehorsam sein! Den Rest werd ich schon machen“,
    so sagt der Schöpfer, unser Gott und andre nette Sachen.

    In dieses Glückes Zustand nun, als androgynes Wesen,
    in Multidimensionalität sein Dasein zu genießen,
    da wurde er getrennt von sich, in gegensätzlich’ Pole.
    Als Mann und Weib nun lebten sie. War das zu ihrem Wohle?

    Sie sollten in der Ordnung ruhn, Gehorsam die Moral.
    Doch als die böse Schlange kam, war ihnen das egal.
    Sie fielen in das Loch der List, der weltlich’ Art der Liebe
    und kosteten bestimmt auch aus die and'ren trüben Triebe.

    Sie wurden gleich dafür bestraft, fürs eigenmächt’ge Handeln
    und seither müssen sie geplagt auf Erden elend wandeln.
    So wurde aus dem reinen Kind aus Gottes edler Liebe
    ein Menschenpaar, geplagt durch Leid aufgrund der weltlich’ Triebe.

    Recht niedrig lineares Denken, das ist der Rest vom Schatz
    aus paradiesisch hoher Zeit auf unserm Erdenplatz.
    Doch sehnend sehnt der Mensch sich nun nach dem verlor’nen Glück,
    die Sehnsucht nach der Macht der Liebe. Gib sie uns doch zurück!

    Ein Lichtblick ist das Angebot von unsres Schöpfers Seite:
    Die Nächstenliebe sei der Weg, zu enden diese Pleite.
    Die Nächstenlieb’, als Lernprozess, zu lernen jetzt das Lieben,
    das ist des Vaters Angebot aus seinem Liebe-Streben.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006



    Rentnerfreuden

    Rentner erwach zum Rentenempfangsgetümmel!
    Rentner erwach, beschreit’ den höchsten Himmel!
    Und denk daran, wie’s früher immer war,
    die Jagd nach Geld und heute ist’s in Bar.

    Verfaul die Zeit nicht mir im Federpfuhlgewühle.
    Verfein’re dich im Hinblick auf Gefühle.
    Gefühl erspür auch für den eignen Mann,
    der fleißig schafft, bis er dann nicht mehr kann.

    Und koche ihm auch unverbrannt sein kernig Süppchen,
    halt ihn gesund und pfleglich wie dein Püppchen,
    damit auch er zu seinen baldig Zeiten
    im Rentensein viel Freude kann verbreiten.

    Und denke auch an deine kleinen herzig Enkel,
    auch heute gern und ihre strammen Schenkel,
    wenn sie frisch lachend sich, um dich gleich scharen.
    Welch schöne Zeit zum täglich neu Erfahren.

    So wache auf du frisch gebacknes Rentnerwesen.
    Jetzt kannst du endlich ungestört genesen,
    was in den Jahren, die voller Nöte waren,
    dein Dasein engte, wie du’s selbst hast erfahren.

    Nun frisch, Frau Rentner, sei mir dergestalt willkommen.
    Hab ich die Wahl? Was sollte es mich frommen.
    Du Rentnerwesen, habe du nur acht,
    wie Lebensfreude jetzt erst recht erwacht.



    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Rückbesinnung

    Ein Glücksgefühl verrät heut mir,
    es steht nun Weihnacht vor der Tür,
    das Fest der Liebe und der Freude
    für Alt und Jung, für alle Leute.

    Das Glücksgefühl in mir nun sagt,
    es ist ein ganz besondrer Tag,
    ein Tag der Hoffnung auf die Liebe
    in unserm argen Weltgetriebe.

    Das Glücksgefühl verrät mir heute,
    dass arbeitsfreie Tage läuten,
    dass Stunden bleiben zum Erinnern
    an früheres Erlebnisschimmern.

    Gern lass’ ich mich zurück jetzt gleiten
    in meine frühen Kindheitszeiten,
    wenn Kerzen-leuchtend uns der Baum
    der Weihnacht stand im festlich’ Raum.

    Wie heimelig war diese Stimmung.
    Sie flammt mir auf in der Besinnung,
    wenn uns die Mutter in der Nacht
    der Christen Sehnen näher bracht’.

    Desgleich verstrahlt der Weihnachtsbaum
    sein Kerzenlicht im festlich’ Raum.
    Wir Kinder sind ganz Aug’ und Ohr
    und staunend geht der Blick empor.

    Jetzt sind schon Kerzen abgebrannt
    und wundersam erscheint die Wand
    und auch die Deck’ im Schattenspiel
    des blassen Lichts, welch Hochgefühl.

    Es ist ein Fühlen des Gemüts,
    der liebend Kraft, die in uns blüht,
    wenn Herzen sich zu Herzen finden
    und so sich liebend gern verbinden.

    Schon lang ist hin die Kindheitszeit.
    Doch ist die Weihnachtszeit bereit,
    ihr Licht erneut an uns zu spenden,
    damit nun Wir es selbst versenden.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Rückreise

    Finster ist es nun geworden,
    selbst hier oben, über Wolken.
    Und das Flugzeug summt sein Lied,
    stetig seiner Route folgend.

     Jetzt wird’s gerade durchgerüttelt,
    schlaglochreich, fast wie auf Straßen.
    Und es schüttelt, bebt und holpert
    mich so stark. Ich kann’s nicht fassen.

    Rückflug ist heut angesagt.
    Und von Sofia geht’s nach Hause.
    Morgen wartet schon der Job.
    Aus, vorbei die Arbeitspause.

    Gerne fliehn mir die Gedanken,
    weilen in vergangnen Tagen,
    wo ich ganz allein zu Fuß
    durch die Großstadt mich ließ tragen.

    So voll Vielfalt war der Eindruck
    von den Menschen, von der Stadt.
    Und so manches Mal versank ich
    in dem Trubel, nimmersatt.

    Und ich fühlte mich getragen
    von der Freundschaft, von dem Freund,
    seinem Dasein, seinen Sorgen.
    Davon hatt’ ich oft geträumt.

    Und die Finsternis umhüllt
    mich hier oben über Wolken.
    Und das Flugzeug summt sein Lied,
    holpernd seiner Route folgend.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Sehnsucht

    Nach dem Besteigen des Speikogels am 21.09.2005

    O lass mich in die Höhen steigen,
    dort, wo die Weite ist so nah
    und wo mir Wetterspiele zeigen,
    des Lebens Launen sind stets da.

    Es sind die hellen Sonnenflecken,
    die lautlos leuchten im Gestein
    und dann die grauen Nebelfetzen
    mit kühlen Winden im Verein.

    Da öffnet sich ein kleines Fenster
    und lässt den Horizont erglühn.
    Schnell weitet es sich in die Runde
    und will genauso schnell vergehn.

    Ein tiefes Sehnen füllt die Brust.
    Die Seele will die Fesseln sprengen,
    will sich aus sich heraus, voll Lust,
    so sehnend in die Freiheit drängen.

    Doch fest gehalten in dem Körper
    aus Fleisch und Blut, so gnadenlos,
    bleibt dies Sehnsucht im Gefängnis.
    O Liebe, sei du ihr ein Trost.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    So Weit

    Ich möcht so gerne bei dir sein, du meines Herzens Sehnsuchtsquelle,
    entfernen jeden Stolperstein, der störend liegt auf deiner Schwelle.

    Mich zieht die stärkste Kraft zu dir, die wir im Leben für uns kennen.
    Sie strahlt aus der Unendlichkeit. Ich brauch sie dir bestimmt nicht nennen.

    Als ich nun heut beim Wandern war durch den Sofioter Spätherbstwald,
    da drang sie stürmisch auf mich ein und das war diesmal dergestalt.:

    Zuerst erfüllt ein Sehnen mich aus einem inneren Gefühl.
    Dann fliegen die Gedanken fort aus störend weltlichem Gewühl.

    Sie sind so weit von hier entfernt und suchen dort nach ihrer Quelle.
    Sie kennen jene Gegend nicht, doch suchen sie die rechte Stelle.

    Und als ich dann mal mache Rast in dem Sofioter Spätherbstwald,
    da rauscht ein Bach durch das Gehölz, sich windend, wirbelnd, ohne Halt.

    Sein Wasser wirkt recht rein und klar und atmet so Natürlichkeit.
    In mir erweckt es Lebensfreud und diese macht mein Herz so weit.

    Und als dann auch die Sonne lacht und sich ihr Licht im Wasser bricht,
    da ist es ganz um mich gescheh’n; In mir schwingt jetzt nun dies Gedicht:

    Die Quelle in des Berges Höhn ergießt ihr Wasser in das Tal.
    Es springt, des sprüht, es rauscht und singt. Es sind der Tropfen ohne Zahl.

    Und wenn es auch beruhigend klingt, ihr Murmeln, Singen, selig Glück;
    Es strebt doch immer fort von hier und kehr doch nimmermehr zurück…


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Sofia

    Eingebettet zwischen Bergen, in des breiten Kessels Tal,
    liegt die Stadt, dereinst gegründet. Das war eine gute Wahl.

    Dort am Stadtrand, gerad im Süden, grüßen die Zweitausender
    des Witoscha, mich hier unten, ein auch hier mal Hausender.

    Jetzt nun, in des Herbstes Zeit, sind die Bäume ohne Blätter
    und die Stadt, gepresst ins Graukleid, trotzt dem widrig, dunstig Wetter.

    Will auch mal die Sonne scheinen, wärmen wie zur Frühlingszeit,
    bin ich mir doch recht im Klaren, jetzt bald gibt’s das Winterkleid.

    Und so geh ich durch die Straßen, lass in mir ein Bild erstehn,
    wie einst alles neu erstanden, vor dem üblichen Vergehn.

    Golden leuchtet mir die Kuppel von der Nevsky-Kathedrale.
    Doch im Inn’ren ist es düster. Das spürt ich schon manche Male.

    Ja, die Menschen, so im Glauben, wie sie einst hineingestellt;
    Voller Ehrfurcht beten sie, träumend von der bessren Welt.

    Und mich zieht es durch die Straßen, mitten ins Gewühl der Menge,
    wo ein Handeln, Kaufen, Quirlen pulst selbst durch die engste Enge.

    Frieden aber finde ich in den weiten Parkanlagen,
    wandle unter alten Bäumen und stell mir so manche Fragen:

    Warum zog es mich hierher, gerade so in diese Stadt,
    die doch, ehrlich mal geäußert, gar nichts so Besond’res hat?

    Ja, es ist das Band der Freundschaft aus der frühen Jugendzeit,
    und um dieses festzuhalten, ist mir auch kein Weg zu weit.

    Und so fliehn wir aus den Straßen, wandern durch die hohen Weiten
    dieser Berge, dort im Süden, spürn des Lebens andre Seiten.

    Unten, in es Kessels Tal, braust die Stadt und ihr Gedränge.
    Wir jedoch sind froh, so froh, froh entflohen dieser Enge.

    Jetzt erst kann das Herz sich weiten, fülln mit reiner Luft die Brust.
    Ist die Stadt für uns auch nötig, hier erst reift die reine Lust.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Sorgen

    So gern geh ich im Park spazieren, doch lieber wandre ich im Wald.
    Da lässt sich ja so leicht vergessen das hetzend Leben und Gewalt.

    Da findet meine Seele Ruh, erholt sich von der Welten Last.
    So tief empfinde ich die Freiheit in diesem himmlischen Palast.

    Ein Bach eilt seinen Weg daher, so hurtig, sprudelnd, frisch und rein.
    Und ich fühl mich so wohl geborgen in diesem herbstlich, friedlich Hain.

    Nun ins Quartier zurück gekehrt, erfüllt vom Wesen der Natur,
    erzähl ich meinem Freund voll Freud von dieser reinen Seelenkur.

    Mit Missmut schaut der Freund mich an und spricht mit sorgenvollen Worten:
    Du kennst nicht die Gefahr für dich, gerade an solch friedlich Orten.

    Es gibt hier doch genug Zigeuner, die gern die Wanderer berauben
    in unserm weiten Sofioter Holz. Das solltest du mir wirklich glauben.

    Und dann sind noch die Menschen dort, von Drogensucht so arg getrieben,
    die nur um etwas Geld zu stehlen Passanten plündern nach Belieben.

    Natürlich kann ich dies verstehn, vermeide nun solch stille Orte
    und sinne über manches nach und solche sorgenschweren Worte.

    Im Innern aber spür ich Dank, empfinden seine ehrlich Sorgen
    um mich, den Freund aus alter Zeit. Das strahlt für mich wie heller Morgen.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Tiefe

    In meinem tiefsten Innensein,
    im Lebenszentrum meines Herzens,
    empfinde ich, so stark, doch fein,
    ein seltsam Ziehen ohne Schmerzen.

    Es kommt aus einem kleinen Schrein,
    geheimnisvoll, doch hell und klar.
    Dort ist der Sitz der göttlich Liebe,
    ein Lebensborn so rein und wahr.

    Und wenn ich in der Brust verspür’
    dies seltsam Ziehen ohne Schmerzen,
    dann hat mich Gottes Lieb’ berührt
    im Lebenszentrum meines Herzens.

    So lass ich dieses Fühlen walten,
    bin dankbar für solch fein Empfinden,
    will gern das Leben so gestalten,
    dass Herzen sich aus Lieb verbinden.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Urgroßmutter

    Die Uhr tickt ruhig im Weltgetriebe.
    Die Zeit verfliegt in ihrem Takt.
    Wir leben hin in dem Gefüge
    und staunen, was die Liebe schafft.

    Da wurdest Du dereinst geboren
    in Deinen Lebenslauf hinein.
    Du lerntest gehen und bestehen,
    umschifftest manchen Stolperstein.

    Und dann bekommst Du Deine Kinder.
    Sie wachsen auf in dem Gefüge,
    was Du mit Hilfe Deines Gatten
    bereitetest aus Herzensliebe.

    So waren sie aus Euch begründet
    und lernten gehen ihre Wege.
    Ihr, als Begleiter ihres Seins
    gabt ihnen ihre rechte Pflege.

    Doch bald, so wie’s die Zeit uns bringt.
    erwächst aus ihnen neues Leben.
    Die Enkel kommen gern zu Euch,
    nach Eurer Herzensliebe strebend.

    So ist aus Euch, dem Elternpaar,
    ein Opa-Oma-Paar entstanden.
    Erinn’rung an das Elternsein
    vertieft in Euch die Liebesbanden.

    Jetzt sind bereits die Enkel groß.
    Studierend lernen sie fürs Leben
    und sind inzwischen selbst bereit,
    dem Leben friedvoll Leben geben.

    So ist der Paul zu Euch gekommen,
    ein Enkel mit dem „Ur“ davor.
    Es ist ein Glücksgefühl für alle,
    ein Jubelsang, ein selig Chor.

    Und Du, Du-Du, Du Urgroßmutter!
    Und stimmt es, dass Dein Herz sich weitet,
    dass Du mit Hilfe Deines Gatten
    doch alles tust, was Lieb verbreitet?


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Vergleich

    Mögen sich die Menschen wirklich?
    Sind sie lieber Spinnefeind?
    Können sie das Mögen lernen?
    Sind sie wirklich gern vereint?

    Will die eine Gruppe Frieden?
    Frieden aus des Herzens Tiefen?
    Oder lieber argwohnsüchtig,
    für sich sorgend alles prüfen?

    Raffen ist die eine Seite,
    geben wird vielleicht zur Qual.
    Nehmen liegt schon sanft dazwischen,
    der Entscheidung gold’ne Wahl.

    Gruppen haben sich formiert,
    scharen sich anbetungssüchtig
    um den auserwählten Guru,
    ihn claquerend, tüchtig, tüchtig.

    Ist man doch durchaus bequemlich,
    schließt sich gern der Meinung an,
    die das Wichtig, wichtig wichtigst,
    huldvoll dröhnt von Mann zu Mann.

    wo bleibt da das Integrieren,
    Wachsen für das Miteinander,
    wenn nur einer aus Gefallsucht,
    um sich grollt, gerad’ wie ein Panther?


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Vernetzt

    Es ist zum Schrein und Mäusemelken,
    weil diese Technik gar nicht will,
    angeblich hilfreich für den Nutzer
    Dies doof Gelalle. Seid doch still!

    Da meldet der Computer freundlichst,
    dein Codewort passt mit heute nicht.
    Und morgen ist es dann die Software,
    die spinnt und streikt, wie grausiglich.

    Der Drucker, übers Netz betrieben,
    hat auf Papierstau sich versteift.
    Doch im Gerät ist nichts zu sehen,
    und unsre Zeit verstreicht, verstreicht.

    Was gestern noch Routine war
    ist heut schon wieder ein Problem.
    Und keiner hat was dran geändert,
    wie üblich. Wer kann das verstehn?

    So wursteln wir uns durch den Tag
    mit Suchen, Warten und auch Lösen.
    Anstatt das Neuste zu entwickeln,
    soll’n wir die Zeit oft so verdösen.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Warten

    Warten kann mit Freuden sein, aber auch gewürzt mit Pein,
    unerträglich voller Schmerz, wohl für wahr, für uns kein Scherz.

    Abgehoben hat das Flugzeug viel zu spät mit mir in Ensheim.
    Nieder kommt’s in München eilig, viel zu spät. Und was soll jetzt sein?

    Hetzend jag ich durch die Gänge, schieb beiseite diese Menge,
    die mir zäh im Wege steht; Und die Zeit vergeht, vergeht.

    Endlich bin ich doch im Flieger, abgehetzt, erhitzt, doch Sieger.
    Jetzt, sogleich, wird es nun starten? Nichts passiert! Was soll das Warten?

    Ja, der Grund wird bald bekannt und der Schuldige genannt;
    Wieder Mal sind’s die Computer! Abgestürzt zum Leid der Nutzer.

    So sitz ich ganz einfach hier, und die Zeit vertreib ich mir
    schon zwei Stunden lang mit Dichten, um das Warten zu vernichten.

    Endlich wird es durchgefunkt, und man bringt es auf den Punkt;
    Jetzt gleich wird das Flugzeug starten. Endlich ist vorbei das Warten.

    Jetzt doch hat es abgehoben, lenkt den Flug nach Sofia.
    Und ich fühle mich so oben, selber über mich erhoben.

    Jetzt nun stößt es durch die Wolken, wird begrüßt vom Sonnenlicht,
    das so strahlend, hell verklärt mir zeigt, was das Herz begehrt.

    Jetzt schon zeigen sich die Alpen, schneebedeckt und kalt und kahl,
    und ich fühle mich erinnert an die Qualen meiner Wahl.

    Einst doch hatte ich beschlossen, auf der Erde Kind zu sein.
    Mit dem Ziel mein Ich zu schulen, wollt ich werden rein, ganz rein.

    Und nun sitz ich hier im Flugzeug, schaue in die weite Ferne.
    Hell die Sonne, licht die Seele. Ach, ich leb doch hier so gerne.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006





    Wasser und seine Entsprechung

    Das Leben fließt dahin wie Wasser, vom Ursprung bis ins weite Meer.
    Es tropft, es rinnt, es spritzt, es strömt, es stürzt und reißt, ist bald versöhnt.

    Als ich noch Kind war stand mein Haus am hohen Ufer eines Flusses,
    von dem das Wasser übers Wehr stark rauschend stürzt mit vollem Gusse.

    Im Frühling war’s mitunter arg, wenn Eis den Fluss gefangen hielt.
    Da klang es manchmal wie ein Schuss und dann war’s wieder wie verspielt.

    Im Sommer war dann Badezeit. Uns Kinder zog es gern ans Wehr,
    und trotz Verbot vor der Gefahr des Strudels eilten wir hierher.

    Erst als erlernt dann war das Schwimmen, der Umgang mit Gefahr vertraut,
    da haben wir vernünftig seiend vielmehr auf Sicherheit gebaut.

    Das Wasser passt sich allem an, umfließt den Stein in seiner Form,
    ist sanft und duldsam, demutsvoll, doch aufgepeitscht, die Kraft enorm.

    Ist das auch so mit unsern Seelen? Sind sie wie Wasser für die Welt
    des Geists, von uns gewollt, erträumt, gerade so, wie’s Gott gefällt?

    Ist das die Wahrheit unsres Lebens? Wie Wassertropfen Seelen sein?
    Zu füllen einst das Meer des Geistes? Aus Liebesdrang zum reinen Wein?

    Sind unsre Seelen auserkoren wie Badewasser zu fungieren?
    Auch sonst, was Wasser so vermag, für hohe Geister uns verlieren?

    Es heißt „Im Kleinen wie im Großen“. Entsprechung ist mit Wohlverhalten
    zu sehen. Und jeder sei nun angehalten, das Leben danach zu gestalten.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Winter

    So lang schon hat der Winter die Landschaft fest im Griff
    So lang schon ringt das Leben ums Sein mit jedem Kniff.

    Da stürmt und schneit es heftig. Die Kälte packt fest zu.
    Des Eises Kleid ist Fessel, zwingt alles sich zur Ruh.

    Es ist die Ruh der Stille, des Wartens auf die Zeit,
    dass alles neu erstehe im Lande weit und breit.

    Doch vorher gibt es Leiden, den Mangel und viel Not.
    So manches muä jetzt weichen vom Leben hin zum Tod.

    Das ist jedoch ein Wandel, bewirkt von der Natur,
    ein Weg zum neuen Rein-Sein, gleich einer Badekur.

    So wird das geistig Arme verdrängt aus allem Sein.
    Das Kranke muss so weichen, bevor es wird zu Stein.

    Es hindert gutes Wachsen, gesundes, reines Tun.
    Zur Reife in der Stille muss Neues vorerst ruhn.

    Gut ausgereift, gestärket, mit Kraft fürs neue Licht,
    so meldet sich das Leben mit strahlendem Gesicht.

    Es drängt, es wächst, es sprießet in Sehnsucht nach der Lieb,
    aus dem es einst geschöpfet, aus reinstem Himmelstrieb.

    So lässt sich hier erklären an diesem Winterbild,
    was geistig Wachstum fördert, was unser Sehnen stillt:

    Gehn wir erst in die Kälte und machen uns erst leer
    durchs Töten aller Süchte aus unserm Hemmnismeer.

    Dann schaffen wir uns Räume, befreit von Weltendreck,
    gereinigt und bereitet für einen edlen Zweck.

    Hier soll die Liebe wohnen aus Gottes Schöpfungs-Sein,
    das höchste der Gefühle, der klarste Edelstein.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Zum 60. Geburtstag

    Du, Du, Du Mascha-Kindchen, heute
    ist doch Dein 60. Geburtstag.
    Und warum drängelt diese Meute?
    sich so zu Dir? Weil man Dich mag!

    Das ist doch schön, wie wir Dir zeigen,
    dass Du uns heut’ so wichtig bist.
    Das Leben ist Erfolg und Pleiten
    doch auch Erhalten und Verzicht.

    Schon 60 Mal ist’s Dir geworden
    das Wechselspiel der Jahreszeiten;
    zum Teil verbracht im kühlen Norden
    zum Reifen und zum Herzeweiten.

    Doch heute und auch ander’n Tag’s
    beim Kochen und beim „uns Bewirten“
    stehst Du so prachtvoll Deinen „Mann“
    uns Licht zu geben, den Verirrten.

    Es wird nun Zeit zum „Rentner-Werden“
    ein neuer Abschnitt Deines Wandelns.
    Du hast genug bisher getan.
    Jetzt kommt die Zeit des Neuen Handelns.

    Und dazu sei Dir Gottes Segen
    stets hilfreich auf dem rechten Pfad
    Dir möge nie Gesundheit fehlen
    gesteppt, genäht sehr fest die Naht.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Zum ersten Advent - Für Dich

    So jede Faser in mir bebt,
    wenn ich nur Deinen Namen nenne.
    So jeder Pulsschlag in mir lebt
    für Dich, seit ich Dich näher kenne.

    Ich träume in der Nacht von Dir.
    Am Tag spür ich Dein Dasein immer.
    Es ist, als wärst Du hier bei mir,
    wie Licht bei mir in meinem Zimmer.

    Der Eindruck in mir ist so stark.
    Ich kann und will mich nicht mehr wehren.
    Der Eindruck dringt mir tief ins Mark,
    ein sehnsuchtsvolles Dich Begehren.

    Es ist die Liebe, die mich fand
    in meinem dumpfen Daseinsleben.
    Es ist die Liebe, die mich band
    an Dich; das lässt mein Herz erbeben.

    So sinne ich, bin ganz versunken
    in dieser Liebe Herzensdrang.
    Ich fühle mich fast wie betrunken
    von diesem göttlichen Gesang.

    Ich danke Dir, mein Himmlisch’ Vater.
    Ich bitte Dich, sei stets bei mir.
    Und wenn ich dann auch schwach sein sollte,
    so zieh mich doch ganz stark zu Dir.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 05.01.2006




    Zum Jahresende 2005

    Wenn sich das Jahr dem Ende neigt,
    wie schon so oft, seit grauer Zeit,
    dann halten wir recht gerne inne
    und lauschen auf die inn’re Stimme.

    Sie führt uns treulich, gern zurück,
    als Lebensnot und Lebensglück
    recht leidig-freudig mit uns rang
    und tief in uns’re Seelen drang.

    Was notvoll-leidig auf uns wirkte,
    nicht gerade uns’re Abwehr stärkte,
    das wird von uns zu gern verdrängt
    und somit von uns abgelenkt.

    Doch dann, wenn in uns heit’res Glück
    uns gerne schauen lässt zurück,
    dann öffnet sich das Herz so weit,
    die Welt umarmend, weit und breit.

    Im Neuen Jahr soll’s uns gelingen,
    das Leid zu wandeln, dass es bringe
    für uns ein sanftes, ruhiges Wandeln,
    im Einklang mit dem Herzen handeln.

    In uns verstärke sich der Wille,
    in Gottes Ruhe, Seiner Stille
    ein friedvoll Leben zu gestalten,
    um so Sein Erbe zu verwalten.


    Ernst Wolfram Göhler, Pirmasens, 15.12.2005


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