Liebesgedichte

Jelaluddin Rumi
Persische Liebesgedichte und Liebeslieder sind oft in die Sufitradition eingebettet, wo trunkene Liebe für Gott und Liebe für die/den Geliebten sich in der Sprache zu treffen scheinen. Das berauschende Element dieser Liebe wird manchmal mit Wein und Trunkenheit versinnbildlicht. Einige der schönsten Beispiele stammen von Jelal'uddin Rumi (1207-1273).

Des Persischen nicht mächtig, habe ich die vorliegenden Gedichte aus dem Englischen übersetzt, und zwar aus:
  1. OPEN SECRET, Versions of Rumi, translated by John Mayne & Coleman Barks, Threshold Books, ISBN 0-939660-06-7
  2. UNSEEN RAIN, Quatrains of Rumi, translated by John Mayne & Coleman Barks, Threshold Books, ISBN 0-939660-16-4
Die Gedichte sind weder im Original noch in der Englischen Übersetzung betitelt. Die Reihenfolge der Gedichte ist hier willkürlich, hat am ehesten etwas mit meiner Reihenfolge der Übersetzung zu tun. Zu sagen wäre noch, dass Rumi mit Worte wie "der Freund" und "der Andere", usw., den Unsagbaren meint - Gott.



Die menschliche Form ist ein Gespenst aus Schmerz und Ablenkung,

manchmal reines Licht manchmal grausam,

das mit aller Macht versucht das Bild zu erweitern

das es von sich selbst so starr festhält.






Bleibe in der Begleitung von Liebenden.

Alle anderen Arten von Menschen wollen dir etwas zeigen.

Eine Krähe wird dich in eine leere Scheune führen,

ein Papagei zu Zucker.






Das Geheimnis wird nicht klarer indem man die Frage wiederholt,

noch kann man es durch den Besuch bestaunenswerter Orte erkaufen.

Solange du deine Augen und Wünsche nicht für fünfzig Jahre gezügelt hast

kannst du nicht anfangen über diese Verwirrung hinauszugehen.






Während ich mit dir Wein trinke und es mir immer wärmer und wärmer wird,

spiele ich mit dem Gedanken diesen Überzug aus Blättern und Staub abzugeben.

Dann schaue ich zum Fenster hinaus.






Sitze nicht so lange mit traurigen Freunden herum.

Wenn du in einen Garten gehst,

schaust du dann auf die Dornen oder auf die Blumen?

Verbringe mehr Zeit mit Rosen und Jasmin.






In der Nacht sinken wir mit solcher Anmut ineinander.

Wenn es hell ist wirfst du mich zurück wie du es mit deinem Haar tust.

Deine Augen sind dann trunken mit Gott, meine schauen dich an:

Ein Trunkenbold passt auf den anderen auf.






Wenn ich sterbe bahrt meinen Körper auf.

Vielleicht möchtest du meine Lippen küssen

die gerade anfangen zu verwesen?

Sei nicht erstaunt wenn ich die Augen Öffne.






Im Schmerz atme ich unbeschwerter.

Das verängstigte Kind rennt schreiend vom Haus weg. Ich höre die Freundlichkeit.

Unter neun Schichten der Illusion, bei jedem Licht, auf der Oberfläche jeden Gegenstandes,

sogar in der Erde selber sehe ich dein Gesicht.






Sieht der Sonnenuntergang manchmal so aus als würde die Sonne aufsteigen?

Weißt du wie sich eine treue Liebe anfühlt?

Du weinst. Du sagst dass du dich verbrannt hast.

Kennst du jemand der nicht vom Rauch vernebelt ist?






Heute wandere ich umher und verwandele meinen Schädel

in einen Becher für andere zum Wein trinken.

An diesem Ort sitzt irgendwo ein ruhiger und intelligenter Mensch

der nicht weiß was er gleich tun wird.






Wer blickt nach Innen - von Außen?

Wer findet sogar in zerütteten Gehirnen hunderte von Geheimnissen?

Schaue durch seine Augen was er sieht.

Wer ist es der dann durch seine Augen blickt?






Innerhalb der großen Mysterien des Seins

gehört uns eigentlich überhaupt nichts.

Was ist das für eine Lust zum Wettstreit die wir verspüren

bevor wir einer nach dem anderen durch das gleiche Tor gehen?






Falls dir ein wenig Geduld geblieben ist wissen wir was zu tun ist.

Falls du Schlaf liebst werden wir dich heraus reißen.

Falls du dich in einen Berg verwandelst werden wir dich abschmelzen.

Falls du zum Ozean werden solltest werden wir dich ausleeren.






Wir sind der Spiegel und das Gesicht darin.

Wir schmecken in diesem Moment der Ewigkeit den Geschmack der Ewigkeit.

Wir sind der Schmerz und das was den Schmerz heilt.

Wir sind das süße kühle Wasser und der Krug der es ausgießt.






Wir haben ein große Fass voller Wein aber keine Gläser.

Das ist uns recht.

Jeden Morgen erglühen wir und abends wieder.

Sie sagen dass es für uns keine Zukunft gibt.

Das stimmt und es ist uns recht.






Mit der Minute in der ich meine erste Liebesgeschichte hörte

begann ich nach dir zu suchen, nicht ahnend wie blind das war.

Liebende treffen sich nicht letztendlich irgendwo.

Sie sind ineinander, schon die ganze Zeit über.






Während des Tage habe ich mit dir gesungen.

In der Nacht haben wir im selben Bett geschlafen.

Ich war weder tags noch nachts bei Bewusstsein.

Ich dachte ich wüsste wer ich sei, doch ich war du!






Wir spazieren zusammen durch einen Garten.

Ich drehe mich für eine Minute weg

und du machst es wieder:

Hier ist mein Gesicht doch du schaust auf Blumen!






Mein Freund, unsere Nähe sieht so aus: Wo immer du

deinen Fuss hin setzt spürst du mich in der Festigkeit unter dir.

Wie gefällt dir diese Liebe?

Ich sehe deine Welt aber nicht dich.






Entfernt von einander wie Pole bin ich die Farbe des Sterbens

und du bist die Farbe des geboren Werdens.

Solange wir nicht ineinander atmen kann es keinen Garten geben.

Darum also wachsen Pflanzen und lachen unsere Augen aus

die sich auf etwas in der Ferne konzentrieren.






In dem Moment wo ich enttäuscht bin fühle ich Ermutigung.

Wenn ich am Ende bin, bin ich geheilt.

Wenn ich ruhig und fest wie der Boden bin

dann spreche ich mit den leisen Tönen des Donners zu allen.






Jemand der mit einem halben Laib Brot unter dem Arm

zu einem kleinen Ort geht der sich wie ein Nest um ihn schmiegt,

jemand der nicht mehr will, nach dem es niemanden anderen verlangt,

der ist ein Brief für jedermann. Du machst ihn auf, er sagt: Liebe!






In meinem Kopf herrscht eine seltsame Unruhe

wie von herum fliegenden Vögeln,

jedes Teilchen kreist um sich selber.

Ist der den ich liebe, überall?






Ich habe dich um einen Kuss gebeten. Du gabst mir sechs.

Wer Lehrer war ist nun Schüler.

Gute und großzügige Dinge nehmen in mir Form an

und die Luft ist klar.






Wir reden auf die eine Weise und wir reden auf eine andere.

Neben dem was wir wünschen und vor dessen Eintreten wir uns fürchten

sind wir von anderem Leben erfüllt,

so wie klare Steine Form in einem Gebirge annehmen.






Ich würde dich sehr gerne küssen.

Der Preis für das Küssen ist dein Leben!

Jetzt läuft meine Liebe auf mein Leben zu und ruft:

Was für eine Gelegenheit! Schlag ein!






Im Inneren ist ein Licht-Samenkorn.

Du füllst es mit deinem Licht oder es stirbt.

Ich bin in dieser lockigen Energie gefangen - deinem Haar!

Wer ruhig und vernünftig bleibt ist verrückt.






Denke nicht über einen guten Rat für mich nach.

Ich habe bereits das Schlimmste was passieren kann geschmeckt.

Obwohl sie mich irgendwo verschnürt und geknebelt einschließen,

können sie diese neue Liebe die ich habe nicht fesseln!






Ich spreche nicht laut,

ich spreche zu den Ohren deiner Seele.

Erinnere dich an das was ich gesagt habe

denn Morgen werde ich öffentlich verkünden

wovon ich heute Nacht spreche.






Die Brise bei Sonnenaufgang kann dir Geheimnisse erzählen. Falle nicht wieder in den Schlaf.

Wenn du etwas wirklich willst dann musst du es fordern. Falle nicht wieder in den Schlaf.

Menschen gehen aus und ein über die Türschwelle die beide Welten berührt.

Die Tür ist rund und offen. Falle nicht wieder in den Schlaf.






Wir haben es aufgegeben unseren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Statt dessen gibt es nur noch verrückte Liebesgedichte.

Diese Liebe ist überall,

unsere Augen und unsere Gefühle richten sich auf sie aus

und so tun es unsere Worte.






Über Jahre versuchte ich mich zu finden indem ich andere nachmachte.

Ich konnte nicht aus meinem Inneren entscheiden was zu tun wäre.

Unfähig zu schauen hörte ich wie mein Namen gerufen wurde

und folgte dann dem Ruf nach draußen.






Ich bin verrückt aber sie rufen immer wieder nach mir.

Niemand hier kennt mich und doch jagt mich keiner davon.

Meine Arbeit ist wach zu bleiben wie ein Nachtwächter.

Wenn sie betrunken genug sind und es spät genug ist erkennen sie mich,

sie sagen: "Das ist das Tageslicht."






Komm im Frühling in den Obstgarten.

Dort gibt es Licht und Wein und Geliebte in jeder Granatapfel Blüte.

Falls du nicht kommst sind diese Dinge unbedeutend.

Falls du kommst sind diese Dinge unbedeutend.






Wenn ich bei dir bin bleiben wir die ganze Nacht auf,

wenn ich nicht bei dir bin kann ich nicht schlafen.

Gelobt sei Gott für diese beiden Arten der Schlaflosigkeit

und den Unterschied zwischen ihnen






Glaubst du ich weiß was ich tue?

Dass ich für einen Atemzug oder für einen halben mir gehöre?

So gewiss wie ein Stift weiß was er schreibt

und ein Ball errät wohin er als nächstes rollt.






Seit wir uns begegnet sind ist ein Spiel im Gange.

Im Geheimen mache ich einen Zug und du erwiderst.

Du bist am gewinnen und denkst es sei lustig.

Doch blicke jetzt vom Brett auf und schaue wie ich unsichtbare Möbel

an diesen Ort gebracht habe damit wir hier leben können.






Jenseits der Vorstellungen von richtig und falsch gibt es ein Feld.

Ich treffe dich dort.

Wenn sich die Seele im Gras niederlegt ist die Welt zu voll um darüber zu reden.

Gedanken, Sprache, sogar die Worte "mit einander" ergeben keinen Sinn.






Die helle Perle im Zentrum macht alles anders,

meine Liebe hat jetzt keine Kanten mehr.

Ich habe sagen hören dass es ein Fenster gibt welches sich von Geist zu Geist öffnet.

Aber wenn es keine Wand gibt, wo ist der Bedarf für Fenster und Riegel?






Wir machen lange Reisen,

wir rätseln um die Bedeutung eines Bildes oder Buches,

wo doch das was wir sehen und verstehen wollen diese Welt ist.

Wir sind es!






Das Tageslicht voller kleiner wirbelnder Staubkörner

und das eine große Drehen unserer Seele

tanzen mit dir - ohne Füße tanzen sie.

Kannst du sie sehen während ich in dein Ohr flüstere?






Der Sufi öffnet dem Universum seine Hand

und gibt jeden Augenblick hin - gratis!

Anders wie jemand der auf der Straße für Geld zum Überleben bettelt,

bittet dich der Derwisch dir sein Leben zu geben.






Das Licht das du ausstrahlst entsprang keiner Lende.

Deine Gestalt begann nicht mit Sperma und Ovum.

Versuche nicht hinter Ärger eine Ausstrahlung zu verstecken

die nicht versteckt werden kann.






Tage sind Siebe um Spirit zu filtern,

sie enthüllen Unreinheiten.

Und doch offenbaren sie auch das Licht mancher

die ihr eigenes Strahlen in das Universum verströmen.






Dieses Geschenk des Freundes,

ein Kleid aus Haut und Adern, ein Lehrer im Innern,

trage es und werde zu einer Schule

mit einem großen Meister in der Nähe.






Ich tat so als würde ich springen

um heraus zu finden ob ich dort leben könnte.

Eines Tages muss ich wirklich dort ankommen

sonst bleibt nichts übrig was ankommen kann.






Du hast keine "schlechten" oder "guten" Tage,

du fühlst dich nicht manchmal großartig und manchmal dumm.

Es gibt kein Studieren, kein gelehrtes Denken das mit Liebe zu tun hat,

aber es gibt jede Menge Verschwörungen und geheimes Berühren

und Nächte an die du dich überhaupt nicht erinnern kannst.






Stell dir vor dass du wie ein Adler von der Kante der Klippe gleitest.

Stell dir vor dass du wie ein Tiger allein im Dschungel läufst.

Du bist am attraktivsten wenn du hinter Nahrung her bist.

Verbringe weniger Zeit mit Nachtigallen und Pfauen.

Die eine ist nur Stimme, der andere nur Farbe.






Sie versuchen zu erklären was du bist, spirituell oder sexuell?

Sie wundern sich über Salomon und seine vielen Frauen.

Im Körper der Welt, sagen sie, gibt es eine Seele und du bist das.

Doch in uns sind Wege die niemals jemand in Worte fassen wird.






Spät, allein, im Boot meines Selbst ohne Licht,

bei geschlossener Wolkendecke und kein Land in Sicht.

Ich versuche einfach an der Oberfläche zu bleiben und

bin doch schon eingetaucht und lebe im Ozean.






Heute wie an jedem anderen Tag wachen wir leer und ängstlich auf.

Öffne nicht die Tür zum Arbeitszimmer und fange zu lesen an, nimm' ein Musikinstrument,

auf das die Schönheit die wir lieben das ist was wir tun.

Es gibt Hunderte von Arten sich hin zu knien und den Boden zu küssen.






Manchmal fürchten wir die Vereinigung, manchmal die Trennung.

Du und ich, so sehr angezogen von den Begriffen du und ich

sollten leben als hatten wir diese Pronomen nie gehört.






Ich lebte am Rande des verrückt Seins,

Gründe wissen wollend und an eine Tür klopfend.

Sie öffnet sich.

Ich habe von Innen geklopft.






Das Geheimnis das du erzählt hast,

erzähle es noch mal.

Falls du dich weigerst fange ich an zu weinen.

Dann sagst du: "Schhh, höre jetzt zu, ich erzähle es noch mal."






Was ich am liebsten möchte ist,

aus dieser Persönlichkeit heraus springen

und dann abseits vom Sprung da sitzen.

Ich habe zu lange dort gelebt wo ich erreicht werden kann.






Wenn du Schranken errichtest bin ich frei,

wenn du tadelst bin ich geehrt.

Deine trennende Klinge ist Liebe,

dein Klagen Gesang.






Zuerst habe ich gesungen und Gedichte rezitiert

und die Nachbarn damit wach gehalten.

Doch nun, intensiver und ruhiger,

verschwindet der Rauch wo das Feuer auflodert.






Eines Tages wirst du mich vollständig aus mir herausnehmen.

Ich werde tun was die Engel nicht tun können.

Deine Wimper wird auf meiner Wange dieses Gedicht schreiben

an das noch nie gedacht wurde.






Die Nacht kehrt dahin zurück wo sie herkommt.

Jeder geht irgendwann nach Hause.

Nacht, wenn du dort ankommst,

dann richte ihnen aus wie sehr ich dich liebe.






Achte auf Präsenzen in Gedichten.

Lass' dich von ihnen dahin bringen wo sie wollen.

Folge diesen privaten Hinweisen

und verlasse nie das Grundstück.






Wer hat je solche Trunkenbolde gesehen?

Aufgebrochene Weinfässer, der Boden

und die mit Sternen übersäte Decke vollständig durchtränkt.

Und sieh' nur dieses volle Glas in meiner Hand.






Kein Intellektueller bestreitet dass du bist,

doch nicht einer gibt sich dem vollständig hin.

Es gibt keinen einzigen Ort an dem du nicht bist

und trotzdem keinen Ort an dem du gesehen wirst.






Wenn deine Liebe das Innerste erreicht

schießen Erdausbrüche und helle Fontänen in die Luft.

Das Universum wird ein einziges spirituelles Ding,

so einfach, wenn Liebe und Geist sich mischen.






In den Wirren der Liebe bringen sie immer die Besten um,

keinen von den Schwachen und Behinderten.

Laufe nicht vor diesem Sterben weg.

Wer nicht der Liebe wegen umgebracht wird ist Aas.






Hör zu falls du es aushalten kannst.

Vereinigung mit dem Freund bedeutet nicht zu sein wer du warst,

statt dessen Stille zu sein: ein Ort, ein Ausblick,

an dem Sprache Inneres Sehen ist.






Ich bin wieder bei mir selber.

Ich lief davon doch hier bin ich wieder, zurückgesegelt,

die Füße in der Luft, das Oberste zu unterst,

wie ein Heiliger wenn er nach dem Gebet die Augen öffnet:

Jetzt, der Raum, die Tischdecke, bekannte Gesichter.






Jemand der dich sieht und nicht laut herauslacht

oder in sich geht oder in Stücke zerspringt,

ist nichts weiter als der Zement und die Steine

seines eigenen Gefängnisses.






Du hast gesagt was du bist. Ich bin was ich bin.

Deine Handlungen in meinem Kopf,

mein Kopf hier in meinen Händen mit etwas das darin kreist.

Ich habe keinen Namen für etwas das so perfekt kreist.






Wozu dieser ganze Trauer und das blass werden?

Schau' mich nicht an.

Wie jedes Gesicht das fremdes Licht widerscheint

ist der Mond eine Quelle des Schmerzes.






Nachdem du die ganze Nacht mit mir zusammen warst

fragst du mich wie ich lebe wenn du nicht da bist.

Schlecht, verzweifelt, wie ein Fisch der versucht trockenen Sand zu atmen.

Du weinst und sagst: Aber das hast du dir selber ausgesucht!






Verloren in ihm dem alles egal zu sein scheint, fühle ich Schmerz.

Und selbst das ist willkommen von jenem Anderen der alles fordert was ich bin.

Auch wenn ich den Schmerz diesmal zurück halte als nicht der Rede wert

bleibt doch die kostbare Forderung.






Es gibt einen Kanal zwischen Stimme und Präsenz,

einen Weg auf dem Information fließt.

In disziplinierter Stille öffnet sich dieser Kanal,

mit umherschweifendem Gerede schließt er sich.






Unsere Augen sehen dich nicht, doch haben wir diese Entschuldigung:

Augen sehen Oberfläche, nicht Wirklichkeit,

obwohl wir an diesem wunderschönen Ort

die Hoffnung nicht verlieren.






Seit ich von dir weg bin

weiß ich nur wie man weint.

Wie eine Kerze ist Schmelzen was ich bin.

Wie eine Harfe ist jeder Ton von mir Musik.






Ich dachte an dich und warf

mein volles Weinglas an die Wand.

Jetzt bin ich weder betrunken noch nüchtern,

hüpfe hin und her, komplett verrückt.






Fange als Schöpfung an, werde zum Schöpfer,

warte an keinem Hindernis.

Warum sitzt du zufrieden bei einem Glas Wasser

in dieser mit frischen Essen gefüllten Küche?






Glücklich, nicht wegen etwas das geschieht,

warm, nicht durch ein Feuer oder ein heißes Bad,

leicht, zeige ich auf einer Waage Null an.






Heute Abend gibt es einen Singwettbewerb.

Jupiter, der Mond und ich,

die Freunde die ich gesucht habe.






Ich stehe auf, und dieses Eine das ich bin

verwandelt sich in hunderte die ich bin.

Sie sagen dass ich um dich kreise.

Unsinn, ich kreise um mich.






Ich kann meine Geheimnisse nicht benennen.

Zu jener Tür habe ich keinen Schlüssel.

Etwas lässt mich freudig sein

aber ich kann nicht sagen was.






Ein geheimnisvolles Drehen in uns

bringt das Universum zum Drehen,

der Kopf ohne Wissen um die Füße und die Füße zuerst.

Keinen von beiden kümmert das, sie drehen sich weiter.






Ihr da im Nachthimmel über dem Mond,

versucht mal auf feuchtem Boden zu laufen.

Ekstatische Sänger in heiligen Tavernen,

steht mit der Morgendammerung auf, versucht nicht zu schlafen.






Betrete barfuß den Erboden und mache ihn benommen,

schwanger mit Freude und Knospen.

Ein Frühlingsausbruch erhebt sich zu den Sternen,

der Mond beginnt sich zu wundern was los ist.






Sein ist nicht was es zu sein scheint,

noch ist es nicht-Sein.

Die Existenz der Welt

findet sich nicht in der Welt.






In diesem Moment kommt die Liebe um in mir zu ruhe:

Viele Wesen in einem Wesen,

in einem Korn Tausende von Garben,

im Nadelöhr eine sich drehende Nacht voller Sterne.






Mein Ego ist stur, oft betrunken, unhöflich,

meine Liebe sehr empfindsam, ungeduldig, verwirrt.

Bitte überbringe Botschaften vom Einen zum Anderen,

Antwort und Gegenantwort.






Mein Hut, mein Gewand, mein Kopf -

für weniger als einen Cent.

Mein Selbst, mein Name - nicht der Rede wert,

weniger als Nichts.






Gejagt und doch Jäger,

ohne Arbeit und doch ständig am arbeiten.

Möchtest du meinen Kopf, Freund?

Ich mache dir ein Geschenk.






Mut: eine Gazelle kehrt um und stellt sich einem Rudel Löwen.

Ein Gebäude das auf nacktem Felsen steht, steht.

Glaubst du dass meine Liebe zusammenbrechen wird

wenn du gehst?






Betrunkene fürchten die Polizei

doch die Polizisten sind selbst betrunken.

Leute in dieser Stadt lieben beide

wie verschiedene Schachfiguren.






Ich kann mich von jedem trennen

außer von dieser Präsenz im Innern.

Jeder kann Geschenke bringen.

Zeigt mir jemanden, der wegnimmt.






Keine bessere Liebe als Liebe ohne Ziel.

Keine zufrieden stellendere Arbeit als Arbeit ohne Zwecke.

Wenn du Tricks und Schlauheit aufgeben könntest

dann wäre das der schlauste Trick.






Wir brauchen keinen Wein um trunken zu werden,

oder Instrumente und Gesang um uns ekstatisch zu fühlen.

Keine Poeten, keine Stimmungsmacher, keine Lieder,

und doch springen wir ganz und gar wild herum.






Was ist das für ein Tag mit zwei Sonnen am Himmel?

Ein Tag wie kein anderer Tag,

dem Planeten mit kräftiger Stimme gegeben:

Hier habt ihr ihn, verliebte Wesen, euren Tag!






Der Freund kommt klatschend,

zugleich offensichtlich und schwer zu sehen,

ohne Angst und ohne Plan.

Ich bin wie ich bin weil dieser hier so ist.






Der Freund kommt in meinen Körper

nach der Mitte suchend,

sie nicht finden könnend zieht er eine Klinge

und schlägt irgendwo zu.






Ein Weinglas in der Hand falle ich hin,

komme wieder auf die Füße, schwindelig, aus dem Lot,

sinke dann zertrümmert nach unten,

nicht mehr an diesem Ort und doch hier,

stark und nüchtern immer noch stehend.






Heute Nacht ist die Nacht der Nächte,

bitten und wonach das Bitten verlangt,

Großzügigkeit und das Gegebene,

etwas gesagt und erwidert, mit Gott!






Eine Nacht angefüllt mit Reden das verletzt,

meine schlimmsten zurück-gehaltenen Geheimnisse:

Alles hat mit lieben und nicht lieben zu tun.

Diese Nacht wird vorüber gehen,

dann haben wir Arbeit zu tun.






Ich umkreise heute Nacht dein Nest um und um

bis zum Morgen wenn ein Lufthauch sagt "jetzt",

und der Freund hält wie ein Trinkgefäß erhoben

irgendeinen anonymen Schädel.






Ich bin mit dir angefüllt,

Haut, Blut, Knochen, Gehirn und Seele.

Da gibt es keinen Raum für Mangel an Vertrauen oder Vertrauen,

nichts in diesem Sein als dieses Sein.






Vergiss die Nuss nicht die so stolz auf ihre Schale ist.

Der Körper hat seine Wege nach Innen, die fünf Sinne.

Sie brechen auf und der Freund ist offenbart.

Breche den Freund auf, du wirst zum All-Einen.






Lauf weiter obwohl es keinen Ort zum Ankommen gibt.

Versuche nicht die Strecke zu durchschauen.

Das ist nichts für Menschen. Bewege dich innerlich,

aber bewege dich nicht so wie die Angst dich bewegt.