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Phantastische Geschichten aus aller Welt
Viele dieser Geschichten kommen aus anderen Kulturkreisen. Manche kommen aus Büchern, andere aus dem Internet, manche wurden mir von jemand erzählt. Wenn keine Quelle angegeben, habe ich sie vor längerer Zeit irgendwo im Ausland aus Büchern oder auch mündlich aufgeschnappt, und sie aus meinem Gedächtnis ins Deutsche übersetzt. Viel Spass beim Lesen - Georg Keppler
Geburt
Wenn der Geist sich wandelt, verwandelt sich auch der Körper. In dem Zeitalter, das nun allmählich zu Ende geht, war der Körper ein Haus. In dem Zeitalter, das vor uns liegt, wird er zu einem Tempel. Er hat die Energien unseres körperlichen Lebens beherbergt, und jetzt beginnt er, die Energien unserer Erleuchtung zu beherbergen. Diese Veränderung wird von Meditation bewirkt. Diese Veränderung wird von Gebeten bewirkt. Und wenn Sex im Bewusstsein wahrer und zärtlicher Liebe vollzogen wird, dann bewirkt auch er diese Veränderung.
Liebe heilt den Körper. Sehen sie sich an, wie eine Frau nach einer Nacht aussieht, die sie mit einem Mann verbracht hat, den sie liebt und der auch sie liebt. Auch am Körper eines Mannes ist zuweilen ein Unterschied spürbar, aber der Körper einer Frau verwandelt sich im wahrsten Sinne des Wortes - so sehr, wie der eines Mannes es wohl nie tut. Ihre Brüste, ihre Haut und vor allem ihr Gesicht strahlen nun Sinnlichkeit aus. An den Tagen, die ihren schönsten Nächten folgen, schweben Männer wie Frauen ein Stück über dem Boden. (..)
Auf diesem Planeten leisten wir mehr Widerstand gegen die Freude als gegen den Krieg. Ständig missachten wir den Ruf unserer Seelen, verleugnen das Lied von der Freiheit, das in jedem Herzen gesungen wird, und unterdrücken die Wertschätzung und Liebe, die wir füreinander haben. Verzauberung weht uns an wie eine duftende Brise, und wir haben nur Angst vor ihren berauschenden Substanzen. Doch egal, ob es uns recht ist oder nicht: Etwas Neues bricht sich Bahn. Wir können es bekämpfen oder begierig aufnehmen. Es ist wie eine Geburt. Die Harmonie der Erde macht sich bereit. Die Zervix des Astralleibes deht sich. Tränen treten uns in die Augen. Es kommt, es kommt! Wir bringen etwas zur Welt, das mehr ist, als ein Kind. Endlich wird unser wahres Selbst geboren.
aus: Verzauberte Liebe von Marianne Williamson, Seite 163
Fruchtbarkeit
Ein Mann und seine Frau suchten bei einem erfahrenen Arzt um Rat, da sie keine Kinder produzieren konnten. Nachdem er beide untersucht hatte, wandte sich der Arzt an den Ehemann und sagte: "Der Grund für die Unfrachtbarkeit liegt bei Ihrer Frau. Leider sind sie jedoch zu spät gekommen. Es tut mit leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihre Frau nur noch etwa drei Monate zu leben hat, und ich nichts weiter für Sie tun kann. "
Das geschockte Ehepaar kehrte ratlos nach Hause zurück. Ein wenig länger als drei Monate später kehrten sie zurück. Mühsam seine Aufgebrachtheit kontrollierend sagte der Mann: "Ihre Vorhersage ist nicht eingetroffen. Meine Frau ist nicht gestorben, ganz im Gegenteil, sie ist gesünder als zuvor!" Der Doktor nickte zufrieden mit dem Kopf und erwiderte: "Ja, genauso sollte es sein. Ihre Frau war nie todkrank. Aber sie war zu schwergewichtig, wodurch sie unfruchtbar wurde. Als ich sie untersuchte, wurde mir klar, dass sie sich an keine Diätanweisungen halten würde, da sie ihren Appetit nicht kontrollieren kann. Deshalb entschloss ich mich dazu, ihr einen schweren geistigen Schock zu verabreichen, der ihr den Appetit verschlagen sollte. Wie ich sehe, hat das gut funktioniert, denn sie hat tüchtig abgenommen. Bitte gehen sie jetzt nach Hause und probieren Sie noch einmal." Die Frau wurde prompt schwanger.
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Besonders gute Meditation
In einem Meditationszentrum lebte eine Katze. Sie war in denkbar schlechtem Zustand angekommen und mehr als dankbar für die Gelegenheit zur Selbstbedienung an den vegetarischen Überbleibseln hinter der Küche. Als sie trotz aller Vorsicht ihrerseits eines Tages erwischt worden war und statt der erwarteten Schläge freundliche Worte empfing, hatte sie beschlossen zu bleiben. Sie gab bald danach das Mäusejagen auf. Es war weder notwendig, noch passte es zur Umgebung. Sie fügte sich so nahtlos in die Gegebenheiten ein, dass sie bald auch innerhalb des Hauses willkommen war.
In diesem Zentrum fand jeden Sonntag eine grosse Meditationsveranstaltung statt, in deren Rahmen leckere Milchsüssigkeiten unter dem Altar aufbewahrt wurden, die am Ende der Veranstaltungen von allen gemeinsam verzehrt wurden. Jedesmal fand man eine deutlich sichtbare Lücke auf dem Tablett mit Süssigkeiten, das vor der Meditation noch unversehrt gewesen war. Dieses und jenes Süssmaul wurden verdächtigt, doch konnte niemandem etwas nachgewiesen werden, bis eines Tages bei einem Meditierenden der Druck auf die Blase derartig stieg, dass er sich gezwungen sah, lautlos die Toilette aufzusuchen. Bei seiner ebenso leisen Rückkehr erblickte er eine Bewegung unter dem abgedeckten Altar und sah bald darauf die Katze mit zufriedenem Gesichtausdruck darunter hervorkommen.
Jetzt, da die Diebin bekannt war, versuchte man sie mit allen Mitteln aus dem Raum fernzuhalten. Da aber bei der Meditation alle die Augen zu hatten, und die Katze sich besser auskannte als alle anderen, fand sie immer wieder einen Weg, sich ihren Anteil vorzeitig zu sichern. Schliesslich blieb nichts anderes übrig, als sie vor jeder Meditation zu fesseln. Der damit betraute ältere Mann verstarb nach vielen Jahren ohne seinen jungen Nachfolger über die Hintergründe der Fesselung aufgeklärt zu haben. Als bald danach auch die Katze verstarb, wurde eine Nachfolgerin angeschafft, die von dem eifrigen jungen Mann genauso gewissenhaft gefesselt wurde, obwohl sie mit Süssigkeiten überhaupt nichts im Sinn hatte. Die wenigen älteren Mitglieder, die mit dem ursprünglichen Problem noch vertraut waren, schwiegen aus den verschiedensten Gründen. Von nun an ging es jeder neuen Katze genauso wie ihren Vorgängerinnen - das Fesseln war zur Tradition geworden.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte das Zentrum einen Ruf als besonders guter Meditationsort. Um das Warum und Wieso zu erforschen, fand sich eines Tages ein junger Student ein, der Doktor werden wollte. Er blieb viele Monate im Zentrum und untersuchte systematisch Dies und Jenes. Schliesslich kam er zu dem Schluss, dass die Fesselung der Katze das einzig Greifbare war, was dieses Zentrum von anderen unterschied. Im folgenden konzentrierte er seine Bemühungen auf dieses Phenomen und erhielt seinen Dokter mit "summa cum laude" mittels einer Schrift mit dem Titel "Über die qualitativen Effekte der physischen Restriktion caniner Störfaktoren bei kontemplativen Kollektivübungen".
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Denk daran!
Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin.
Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. "Wirklich?", hörte man flüstern .. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen", waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.
Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam gefallen und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den Sarg trugen, zu ihr: "Waren Sie Marks Mathe Lehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen." Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen.
"Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben" ,sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch". Chucks Frau sagte: "Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben."
"Ich habe meine auch noch", sagte Marilyn. "Sie ist in meinem Tagebuch.." Dann griff Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Vicki und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden. (Diese Geschichte wurde mit als eine Kettenmail zugesendet)
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Zwei Wölfe
Ein Junge, wütend auf seinen Freund, der ihm Unrecht getan hatte, kam zu seinem Großvater. Der Großvater sprach zu ihm: "Ich will dir eine Geschichte erzählen: Auch ich war wutentbrannt auf die, die mich verletzt hatten und ihre Taten nicht bereuten. Doch die Wut legt sich und sie tut deinem Feind nicht weh. Es ist, wie wenn du Gift schlucken und hoffen würdest, daß dein Feind daran stirbt.
Ich habe oft mit diesen Gefühlen gekämpft. Es ist, als ob ich zwei Wölfe in mir hätte. Einer ist gut und harmlos. Er lebt in Harmonie mit allem um ihn herum. Er ist nicht beleidigt, wenn keine Beleidigung beabsichtigt war. Er kämpft nur, wenn er das Recht hat zu kämpfen, und dann kämpft er ritterlich.
Doch der andere Wolf ist voller Wut. Der kleinste Anlaß genügt für einen Wutanfall. Er kämpft gegen alle, jeder Zeit, und ohne Grund. Er kann nicht denken, weil er so wütend ist. Seine Wut ist hilflos, denn sie wird nichts verändern. Manchmal ist es schwierig, mit diesen zwei Wölfen in mir zu leben, denn beide versuchen, meinen Geist zu beherrschen."
Der Junge blickte in die Augen seines Großvaters und fragte: "Welcher gewinnt, Großvater?"
Der Großvater lächelte sanft und sagte: "Der, den ich füttere."
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Der Dritte im Bett
Ich kenne Ehen, die nicht im Alltagstrott erstickt zu sein scheinen. Doch oft nehme ich eine unsichtbare Gefängnismauer um verheiratete Paare wahr. Ihr Blick wird allmählich stumpfer, ihr Gang bekommt etwas Resignierendes und ihnen ist eine ruhige, wenn auch oft unbewusste Verzweiflung anzumerken. Natürlich muss die Ehe kein Gefängnis sein: Letzendlich wird sie immer das sein, was zwei Menschen aus ihr machen. Aber ich sehe, wie sehr unsere Gesellschaft sich in das einengende Modell der "glücklichen" Ehe verstrickt hat, das im Grunde ein Modell der ehelichen Schuld ist. Du musst heute abend zu Hause sein; du bist verpflichtet, hier und nur hier deinen Körper zu lassen; du musst deine ganze Zuneigung mir geben; du musst dir die Erfahrungen versagen, die dich ausserhalb dieses kleinen Kreises führen würden, in dem wir leben; und du musst so tun, als würdest du das alles wirklich wollen. Und das Wichtigste: Du musst dich schuldig fühlen, wenn du andere Gefühle hegst. Und du musst mir zugestehen, dass ich das Recht habe, empört zu sein, wenn ich finde, dass du dich nicht daran hälst.
Ich weiss nicht, warum wir uns alle noch immer so viel vormachen: Das alte Modell der Ehe funktioniert ganz offensichtlich nicht mehr - wie eindeutig aus unserer Scheidungsstatistik hervorgeht. Die Seele strebt nach einem neuen Ausdruck ihrer selbst und ohne Freiheit gibt es keine Entwicklung. Wir werfen mit dem Wort Verpflichtung um uns, als käme es direkt von Gott - was nicht der Fall ist. Und wenn es so wäre, wozu hätte er uns wohl verpflichtet? Dem Körper des anderen treu zu bleiben? Das glaube ich nicht. Ich denke, wir haben auf dieser Erde die Aufgabe, uns der Offenbarung der göttlichen Wahrheit zu verpflichten, die durch unsere Lebenserfahrungen strömt. Das ist keine Entschuldigung für Masslosigkeit, für ein Sichgehenlassen, noch ist es ein Freibrief dafür, alles zu tun, was einem in den Sinn kommt. Ganz im Gegenteil - ich denke, wir sollten uns verpflichten, so gut und rechtschaffen zu leben, wie wir es vermögen. Ich denke, wir sollten uns zur grösstmöglichen Integrität verpflichten, derer wir fähig sind. Ich denke, wir sollten uns verpflichten, Verantwortung für unser eigenes Handeln zu übernehmen. Ich denke, wir sollten uns verpflichten, die Stimme Gottes in uns zu hören und seinen Weisungen so gut wie möglich zu folgen. Und ich denke, wir sollten uns zu der Wahrheit einer Beziehung verpflichten, die ganz organisch aus der Beziehung selbst hervorgeht.
Einer der Gründe, warum Affären oft leichter zu handhaben sind als Ehen, ist, dass die Gesellschaft sich nicht mehr die Mühe macht, sich eine Meinung darüber zu bilden, wie eine Affäre aussehen sollte. Über das Thema Ehe hat die Gesellschaft praktisch eine Art Leitfaden geschrieben, eine allgemein akzeptierte Ansammlung von Regeln, die den Richtlinien eines Wirtschaftssystems gleichkommt; denn dabei geht es nicht um das, was unseren Seelen (oder wenigstens unseren Familien) gut tut, sondern vielmehr darum, was einer bestimmten ökonomischen Ordnung Vorteile bringt. Dieser Leitfaden hat genauso viel dazu beigetragen, gute Beziehungen zu zerstören, wie aufzubauen. Mir scheint, Verheiratete sollten versuchen zu vergessen, wie eine Ehe aussehen sollte.
Ich traue der Freiheit mehr als Regeln. Ich glaube, dass verbotene Früchte immer verlockend sind. Ich denke, dass das Herz gut und verantwortungsbewusst und fürsorgend ist, wenn es für sich selbst entscheiden kann und seine eigenen Sehnsüchte respektiert werden. Und ich denke, es ist niemals gut, anderen Menschen zu sagen, was sie zu tun haben.
Verheiratete Menschen können daran arbeiten, Verzauberung und Romantik in ihrer Ehe zu bewahren. Aber eine Frau, die ohne Trauschein mit einem Mann zusammenlebt, kann aus diesem Mann nicht ihren Ehemann machen, weil er es eben nicht ist. Kein Zweifel, etwas ändert sich, wenn Menschen heiraten. Der Einsatz ist höher, das Risiko ist grösser - und nicht nur aus den naheliegenden Gründen. Wenn wir durch die Tür gehen, auf der "verheiratet" steht, vollzieht sich ein psychischer Wandel: Bei diesem aussergewöhnlich bedeutsamen Übergangsritus wird der erhabene Geist angewiesen, sich in den Geist und das Herz eines anderen Menschen hineinzuentwickeln. Von einer ätherischen Ebene aus betrachtet, werden zwei buchstäblich eins. Auf der Ebene unserer feinstofflichen Körper - die aus einer Energie bestehen, die wir erst jetzt wissenschaftlich zu verstehen beginnen - können wir uns mit einem anderen Menschen ebenso verbinden, wie ein Arm mit dem Rumpf verbunden ist. Vesucht man einen Arm aus seiner Gelenkpfanne zu ziehen, so wäre das ungeheuer schmerzhaft. Eine Scheidung kann - in emotionaler Hinsicht - ganauso qualvoll sein (wie übrigens jeder Bruch einer festen Beziehung). Aber die Ehe stellt eine andere Wirklichkeitsebene, eine viel stärkere Verbindung dar, ungeachtet dessen, wie viel Liebe die beiden Partner wirklich füreinander empfinden. Denn solange Menschen verheiratet sind, besteht ein machtvoller Bund, durch den spirituelles Wasser zwischen ihnen hin- und herfliesst - gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst. Sie haben gemeinsam einen heiligen Raum betreten, ganz gleich, ob sie ihn nun auch so behandeln oder nicht.
Ob verheiratet oder nicht, der Schlüssel zur potentiellen Verzauberung in der Intimität ist das Element von Gottes Liebe, die Chance, einen mystischen Dritten einzuladen, mit uns zu leben. Er wird, wenn wir ihn dazu einladen, einwilligen, sich an unseren Tisch zu setzen und sich neben uns ins Bett zu legen. Es ist dann tatsächlich der heilige Geist.
(aus: Verzauberte Liebe von Marianne Williamson, Seite 150ff)
Großartige Fragen & Bitten von kleinen Leuten
Lieber Gott, bitte erschaffe mehr Ferien zwischen Weihnachten und Ostern. Dazwischen gibt es jetzt nichts Gutes. - Amanda
Lieber Gott, danke für den kleinen Bruder, aber was ich wollte, war ein kleiner Hund. Ich habe bis jetzt noch niemals um etwas gebeten. Du kanst das nachschauen. - Joyce
Lieber Herr Gott, ich wünsche mir, es wäre nicht so einfach, dass Menschen kaputt gehen. Ich bekam drei Stiche und eine Impfung. - Janet
Lieber Gott, ist es wahr, dass mein Vater nicht in den Himmel kommt, wenn er seine Golf-Wörter zuhause benutzt? - Anita
Lieber Gott, ich wette, dass es schwierig für dich ist, alle auf der ganzen Welt zu lieben. In unserer Familie sind wir nur zu viert, und ich schaffe nicht mal das. - Nancy
Lieber Gott, die Geschichte von Noah gefällt mir am besten. Du hast wirklich gute Geschichten erfunden. Mir gefällt auch, auf dem Wasser laufen. - Glenn
Lieber Gott, mein Grossvater sagt, dass du da warst, als er geboren wurde. Wie weit reichst du zurück? - Liebe, Dennis
Lieber Gott, ziehst du Linien um die Länder? Wenn du es nicht tust, wer dann? - Nathan
Lieber Gott, war es Absicht, dass die Giraffen so aussehen oder ist das ein Zufall? - Norma
Lieber Gott, wie kommt es, dass du in den alten Tagen all diese Wunder vollbracht hast und jetzt keine mehr machst? Billy
Lieber Gott, vielleicht hätten Kain und Abel sich gegenseitig das Leben nicht so schwer gemacht, wenn sie eigene Zimmer gehabt hätten. Zwischen mir und meinem Bruder klappt das gut. - Larry
Lieber Gott, ich warte ständig auf den Frühling, aber bis jetzt ist er nicht gekommen. Was ist los? Vergiss es nicht. - Mark
Lieber Gott, mein Bruder erzählte mir, wie du geboren wurdest, aber es hört sich einfach nicht richtig an. Was sagst du dazu? - Marsha
Lieber Gott, ist Pater Coe ein Freund von dir, oder kennst du ihn nur geschäftlich? -
Donny
Lieber Gott, wie du die Sterne immer an die richtigen Stellen bekommst, ist grossartig. Warum kannst du das nicht mit dem Mond? - Jeff
Lieber Gott, ich dachte, dass orange und violett nicht zusammenpassen, bis ich den Sonnenuntergang gesehen habe, den du am Dienstagabend gemacht hast. Das war echt cool. - Thomas
(aus: Kryon marshmallow messages via internet)
SAMSKARA
Ein reicher Mann war davon besessen, sein Leben perfekt gestalten zu wollen. Er begann mit dem Erbauen eines geräumigen Hauses, dass zehn Generationen inmitten eines grossen, paradisischen Gartens beherbergen sollte. Mit grosser Gewissenhaftigkeit überwachte er jedes einzelne Detail der Arbeiten, genauso wie er es bei der Renovierung seiner Geschäftsräume in der Stadt gemacht hatte. Bei der ersten Gelegenheit zog er mit seiner schönen Frau und ihrem Baby in einige notdürftig eingerichtete Räume ein, während die Bauarbeiten noch in vollem Gange waren.
Eines Morgens, während sie das Frühstück auf der Veranda einnahmen, erblickte er einen Mönch, der einen kurzen Moment am Gartentor stehen geblieben war, um Haus, Garten und Besitzer mit einem mysteriösen Lächeln zu mustern. Irgendwie ging ihm der Gesichtsausdruck des Mönches sehr nahe und er wollte einem Impuls folgend mit dem Mönch sprechen. Aber bis er die ferne Gartenpforte erreicht hatte, war von dem Mönch nichts mehr zu sehen.
Kurz darauf begab er sich zu seinem Geschäft in der Innenstadt. Auf einem alles beherrschenden Platz gleich am Eingang hinter dem Ladentisch sitzend, überwachte er sowohl die zahlreichen Angestellten wie auch die Kundschaft, und schaltete sich direkt nur in die Bedienung der allerwichtigsten Kunden ein. Um die Mittagszeit kam ein grober Geselle mit einer Ziege im Schlepptau am Laden vorbei. Irgendwie brach die Ziege los, rannte blitzschnell in den Laden des reichen Mannes, um den Ladentisch herum und versteckte sich zitternd unter seinem Stuhl. Der Eigentümer verlangte die sofortige Herausgabe seiner Ziege. Der reiche Mann, geschmeichelt vom Vertrauen der schutzsuchenden Ziege und im Bewusstsein des ihr drohenden Schicksals, erwiderte: "Du führst die Ziege zum Schlachthof, stimmt's? Vielleicht kann ich dir einen Weg ersparen, indem ich dir die Ziege abkaufe." "Das soll mir recht sein, solange ihr den gleichen Preis bezahlt." Der reiche Mann, gewöhnt an harte Feilscherei, konnte sich aber nicht damit abfinden, dass der Eigentümer der Ziege vom anfänglich geforderten (moderaten) Preis nicht abweichen wollte. Da sie sich nicht einigen konnten, zog der grobe Geselle bald die jämmerlich blökende Ziege mit sich fort. In diesem Moment lief derselbe Mönch, dessen Mimik ihn am Morgen so beunruhigt hatte, am Laden vorbei, zeigte sein mysteriöses Lächeln und verschwand. Bis der reiche Mann um seinen massiven Schalter herum die Strasse erreicht hatte, war der Mönch bereits in der Menge verschwunden.
Während des Abendessens auf der Veranda seines Hauses begab sich die Frau des reichen Mannes in die Küche, wo sie einen Gang der Mahlzeit vergessen hatte. Da sie das Baby nicht mit in die Küche tragen wollte, reichte sie es ihrem Gatten. Während sie untewegs war, überkam das Kind der Drang zum Wasserlassen. Der Vater, der die Anzeichen nicht rechtzeitig zu deuten vermochte, wurde überrascht. Etwas Urin floss sogar auf einen Teil der Mahlzeit auf seinem Teller. Als die Mutter zurückkam, überreichte er ihr unwirsch das Baby. "Aber er ist doch nur ein Kind und weiss es nicht besser." sagte die Mutter mit einem belustigten Lächeln. "Schiebe einfach den verdorbenen Teil des Essens zur Seite und bediene dich neu. Wir haben doch genug." Im gleichen Moment traf ihn wieder das mysteriöse Lächeln des vom Gartentor heraufschauenden Mönches.
Diesmal erreichte er die Strasse gerade noch rechtzeitig um zu sehen, hinter welcher Ecke der Mönch abbog, folgte, holte ihn ein und sprach ihn an: "Entschuldigen sie bitte, ehrwürdiger Vater, dürfte ich ihnen ein paar Fragen stellen?" Der Mönch nickte lediglich. "Heute Morgen sind sie an meinem Haus vorbeigelaufen und heute Mittag an meinem Laden in der Stadt. Das stimmt doch, oder?" Der Mönch nickte wieder. "Und jedesmal haben sie die Situation verstanden und dann gelächelt. Könnten sie mir bitte den Grund für ihr Lächeln nennen, denn es erscheint mir sehr wichtig?" Der Mönch sah ihm ernst in die Augen und erwiderte: "Vielleicht ist es wichtig, aber nicht alles was wichtig ist, ist auch angenehm."
"Bitte lasst das meine Sorge sein!" bat der reiche Mann, "Ich werde ihnen nicht die Verantwortung für die Wirkung ihrer Worte zuschieben." Der Mönch blickte noch einmal forschend in das Gesicht des reichen Mannes und, zufrieden mit der dort abgelesenen Ernsthaftigkeit, meinte er: "Da ihr daruf besteht, bin ich einverstanden. Ich möchte sie aber nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich nicht um etwas leicht hinzunehmendes handelt!" Da der reiche Mann sich nicht abweisen liess, setzten sie sich unter einen Baum und der Mönch fing an zu reden: "Als ich diesen Morgen an ihrem Haus vorbeilief, habe ich verstanden, wie wichtig dieses Haus, das über hundert Jahre halten soll, für euch ist. Doch ihre eigene Lebenspanne nähert sich ihrem Ende. Es verbleiben nur noch 30 Tage. Als Mönch birgt die Vergänglichkeit allen Lebens für mich keinen Schrecken, und ich kann mir erlauben, den kosmischen Humor in den Widersprüchen des Lebens zu sehen. Deshalb musste ich lächeln. Ich hoffe, sie verstehen, dass ich nicht über sie lachte, wohl aber über die Situation."
Es verstrich ein langer Moment Schweigsamkeit, bevor der reiche Mann antwortete: "Was ihr erzählt, ist tatsächlich ein schwerer Schock für mich. Doch fühle ich, dass es für mich leichter wäre, meinem Schicksal mit offenen Augen entgegenzugehen. Bitte fahrt fort." Der Mönch nahm seine Erzählung wieder auf: "Ihren Laden habt ihr von eurem Vater geerbt, nicht wahr? Obwohl ihr das Geschäft gewissenhaft führt, wurde es eigentlich von eurem Vater aufgebaut. Euer Vater selbst hat in seinem vergangenen Leben eine Reihe ernsthafter Fehler begangen, die dazu führten, dass er diesmal in Gestalt einer Ziege auf die Welt kam. Auf dem Weg zum Schlachthaus erkannte er plötzlich seinen Laden und hoffte sein Leben dadurch zu retten, dass er bei seinem Sohn Schutz suchte. Euer Mitgefühl regte sich zwar, doch wegen eurer Berufsehre konntet ihr den eigentlich fairen Preis, der zur Rettung eures Vaters geführt hätte, nicht entrichten. Der kosmische Humor in der Situation brachte mich erneut zum Lächeln."
Der reiche Mann, der zuvor erschüttert ausgesehen hatte, wurde nun traurig. Er nahm sich jedoch zusammen und sagte mit Würde: "Auch wenn es sehr schmerzt, danke ich ihnen dafür, dass sie meine Augen geöffnet haben. Bitte teilen sie mir auch mit, was sie heute Abend lächeln liess." Der Mönch blickte ihn voller Mitgefühl an und fuhr fort: "In eurem letzten Leben hattet ihr einen seht guten Freund. Sie beide teilten alles in ihrem Leben, bis sie sich beide in das gleiche Mädchen verliebten. Aus einem ihnen unbekannten Grund entschied sie sich für ihn, und die beiden planten ihre Hochzeit. Sie haben ihn heimlich umgebracht und nach einiger Zeit das Mädchen geheiratet. Diesmal wurde sie als eure Frau wiedergeboren und er als euer beider Sohn. Sie amüsieren sich miteinander und ihr könnt gar nichts dagegen tun. Er saugt an ihrer Brust und pinkelt auf euren Teller. Danach lachen sie miteinander. So müsst ihr, unwissend wie damals ihre Frau, dafür bezahlen, dass ihr die beiden im vorangegangenen Leben gewaltsam getrennt habt. Ich musste lächeln, denn vor die Wahl gestellt, das Leben entweder als irdisches Drama oder als göttliche Komödie zu betrachten, habe ich die letztere Sichtweise gewählt."
Der Gesichtsausdruck des reichen Mannes war gefasst und entschlossen geworden, während er sagte: "Nachdem mir nun all diese Umstände bekannt wurden, und ich bin mir sicher, dass ihr die Wahrheit gesagt habt, würde ich noch gerne euren Ratschlag hören, wie ich die mir verbleibenden Tage am besten nutzen kann. Meine eigenen Lebenserfahrungen legen mir keinen zufriedenstellenden Entschluss nahe. Ich bin bereit alles zu tun, um eurem Ratschlag zu folgen." Der Mönch sagte anerkennend: "Sie sollten die verbleibenden Tage damit verbringen, dem Kosmischen Geist zu dienen. Was das im Einzelnen bedeutet, kann ich nicht sagen. Doch werde ich euch lehren, den Anweisungen Gottes selber zuzuhören. Geht nach Hause, wascht euch, legt saubere Kleidung an und kommt zurück. - Ihr kennt doch sicher den Spruch: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Damit habt ihr heute angefangen."
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Die "unwillige" Rose
Ein junger Mann wählte sich zum Hobby die Rosenzucht und kultivierte es im Laufe der Jahre zur Meisterschaft. Nur eine einzige Rosensorte versagte ihm den vollständigen Erfolg. Er gab aber nicht auf und entschloss sich nach Jahren vergeblicher Bemühungen, den einzigen Experten um Rat zu fragen, der mehr wusste als er selbst. Dies war des Königs Gärtner, ein alter Mann, den er nicht einfach stören wollte. So schrieb er einen höflichen Brief, in dem er das Problem schilderte. Des Königs Gärtner erkannte im Brief sofort den Experten und antwortete, dass er das Problem nur erkennen und Rat nur geben könne, wenn er den Garten vor Ort sähe, dass es daher keinen Sinn mache, wenn sich der junge Mann zu ihm begebe, und er angesichts der offensichtlichen Expertise gerne die Unbequemlichkeit der Reise auf sich nehmen würde, um bei dieser Gelegenheit den zweitschönsten Rosengarten des Landes zu sehen.
Man einigte sich auf ein Datum und der alte Herr reiste zur festgelegten Zeit an. Auf dem Weg durch des jungen Mannes Garten kamen sie auch an der Stelle vorbei, die für die widerspenstige Rose vorgesehen war. Der Alte nickte und sagte. "Jetzt verstehe ich das Problem. Diese Rose ist aussergewöhnlich, indem sie einen Nordhang bevorzugt. Ihr habt aber keinen Nordhang in eurem ganzen Garten und könnt deshalb die Rose nicht zum Blühen bringen. - Was sehe ich denn hier? Was für ein hübsches Blümchen, das an der für die Rose vorgesehenen Stelle wächst!" "Ach das - das ist nur ein Unkraut." erwiderte der junge Mann, " Ich habe schon alles mögliche versucht, es los zu werden. Nichts scheint zu wirken. Je mehr ich mich bemühe, umso stärker wächst es." Der Alte schüttelte daraufhin milde mit dem Kopf: "Aber seht doch welch zarte Farben und welch feinen Duft die Blüten haben - eine wahre Zierde für jeden Garten und sie wächst ganz von alleine. Warum fangt ihr nicht damit an, diese Blume zu lieben?"
Cyber-LOVE
ANRUFER: Hi, ich hab hier ein neues Programm, das würde ich gern auf meinem persönlichen Rechner installieren. Es heißt "Liebe". Was soll ich denn da als Erstes machen?
HOTLINE: Auf ihrer Festplatte gibt es eine Partition HERZ. Haben Sie die?
ANRUFER: Ach so, das ist der Trick! Ich hab's immer auf der Hauptpartition KOPF versucht. Ich probier das mal... Mist, HERZ ist aber ziemlich voll!
HOTLINE: Machen Sie den Taskmanager auf und gucken sie unter Prozesse nach.
ANRUFER: alte_verletzungen.exe, groll.com, geiz.com, ablehnung.exe, lauter so ein Zeug. Vor allem hass.exe - boah, das krallt sich fast den ganzen Speicher!
HOTLINE: Kein Problem. "LIEBE" wird vieles davon automatisch aus ihrem Betriebssystem raus hauen. Manches bleibt zwar im Hintergrund aktiv, wird aber keine anderen Programme stören. alte_verletzungen.exe und geiz.com müssen Sie aber selber vollständig löschen!
ANRUFER: Das hat mich Jahrzehnte gekostet, all diese Komponenten dafür zu sammeln! Muss das wirklich raus?
HOTLINE:Ja, das ist unumgänglich. Gehen Sie ins Startmenü und suchen Sie Zubehör/Verzeihung. Das lassen Sie so oft laufen, bis geiz.com und alte_verletzungen.exe raus sind.
ANRUFER: Na gut, wenn's sein muss. "LIEBE" ist mir einfach so sehr empfohlen worden, das Ding will ich unbedingt haben! Oje, "Error 490 - Programm läuft nicht auf internen Komponenten". Was soll denn das?
HOTLINE: Ein altbekanntes Problem. Es bedeutet, dass ''LIEBE" für externe HERZEN konfiguriert ist, aber auf Ihrem eigenen ist es noch nicht gelaufen. Das ist eine von diesen ganz komplizierten Sachen. Ich sag's mal so: Sie müssen zunächst ihr eigenes Gerät lieben, bevor es andere lieben kann!
ANRUFER: Hä?
HOTLINE: Können Sie den Ordner Selbstakzeptanz finden?
ANRUFER: Ja, hab ich!
HOTLINE: Wunderbar, klicken Sie auf die folgenden Dateien und kopieren Sie die in den Ordner MEIN HERZ, und zwar: selbstvergebung.doc, selbstschätzung.doc und güte.txt. Außerdem bitte selbstbeurteilung.exe aus allen Ordnern löschen!
ANRUFER: Wow, LIEBE installiert sich schon!
HOTLINE: Das ist gut. Nun sollte eine Nachricht auftauchen, dass sich LIEBE immer wieder selbst lädt, solange ihre HERZ- Festplatte läuft. Sehen Sie die?
ANRUFER: Seh' ich. Ist die Installation nun abgeschlossen?
HOTLINE: Ja, aber denken Sie daran, das Sie nur die Basisversion installiert haben. Sie müssen sich mit anderen HERZEN vernetzen für die Upgrades.
ANRUFER: Klasse, mein HERZ lädt gerade eine wunderschöne Melodie. Auf dem Bildschirm läuft laecheln.mpeg. wärme.exe, friede.exe und zufriedenheit.doc sind jetzt im Speicher!
HOTLINE: Fein, damit ist LIEBE installiert und läuft ab sofort!
ANRUFER: Jetzt brauchen Sie sicher meine Kontonummer, stimmt's?
HOTLINE: lachend: Nein, LIEBE ist Freeware! Geben Sie das Programm bitte an jeden weiter, den Sie treffen. Die Leute verbreiten es weiter und ich wette, dass Sie dann von den vielen neuen Modulen noch mehr zurückbekommen!
ANRUFER: Gebongt, will ich gerne machen. Vielen Dank für die Hilfe!
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Freude wählen
Es war einmal eine Frau, die wachte morgens auf und schaute in den Spiegel und bemerkte, dass sie nur drei Haare auf ihrem Kopf hatte. "In Ordnung," sagte sie, "ich glaube, ich werde mein Haar heute flechten." Gesagt, getan - und sie verbrachte einen wundervollen Tag.
Am nächsten Tag wachte sie auf, sah in den Spiegel und entdeckte, dass sie nur noch zwei Haare auf dem Kopf hatte. "Hmmm," sagte sie, "ich denke ich sollte heute einen Mittelscheitel tragen." Gesagt, getan - und sie verbrachte einen grossartigen Tag.
Am nächsten Tag wachte sie auf, sah in den Spiegel und entdeckte, dass sie nur noch ein Haar auf dem Kopf hatte. "Aha," sagte sie, "heute werde ich einen Pferdeschwanz tragen." Gesagt, getan - und sie verbrachte einen sehr spassigen Tag.
Am nächsten Tag wachte sie auf, sah in den Spiegel und entdeckte, dass sie kein einziges Haar mehr auf ihrem Kopf hatte. "Wunderbar," rief sie aus, "ich brauche heute meine Haare nicht zu frisieren!"
(aus: Kryon Marschmallow Messages, Internet via Susan St. Fey)
Neutralität
Ein alter Mann besass eine kleine Herde wohlgepflegter Stuten. Eines Tages gesellte sich ein starker, wilder Hengst dazu, blieb bei der Herde und wurde sogar zahm. Die Leute im Dorf sagten: "Alter Mann, was hast Du für ein Glück. Jetzt hast Du den schönsten und stärksten Hengst in weitem Umkreis und er hat Dich keinen Pfennig gekostet." Der Alte aber erwiderte: "Ob Glück oder Unglück, das wird sich erst zeigen. Das einzige, was ich weiss, dass der Hengst stark und wild ist."
Bald darauf durchbrach der Hengst den Zaun und führte die Herde fort. Die Leute sagten: "Oh je, alter Mann, was für ein Pech Du hast. Der Hengst hat Dir Deine ganze Herde entführt. Wovon willst Du jetzt leben?" Der Alte brummte unwillig: "Was redet ihr von Glück oder Unglück. Ich weiss nur, dass der Hengst mit meiner Herde fort ist. Was daraus wird, muss sich noch zeigen."
Am nächsten Tag kamen des Königs Soldaten und requirierten alle Reitpferde im Dorf. Kurz nachdem sie weiterzogen, kam der Hengst mit der Herde wieder zurück. "Wie recht Du hattest, alter Mann!", riefen die Leute, "Was für ein Glück, dass der Hengst die Herde entführte. Jetzt bist Du der einzige, der noch Reitpferde hat." Der Alte schüttelte den Kopf und sagte: "Was weiss ich von Glück und Unglück. Der Hengst hat meine Stuten zurückgebracht und was daraus wird, muss sich noch weisen."
Wenig später wurde sein einziger Sohn beim Versuch, den Hengst einzureiten, abgeworfen und brach sich ein Bein. "Welch schlimmes Schicksal, alter Mann!" riefen die Dorfbewohner, "Dein einziger Sohn hat sich das Bein gebrochen und wird vielleich nie wieder richtig laufen." Der Alte aber sagte: "Was soll das Gerede von schlimm und gut? Fest steht nur, dass sich mein Sohn ein Bein gebrochen hat."
In den folgenden Wochen brach ein Krieg aus und alle wehrfähigen Männer ausser seinem Sohn, der immer noch schwer humpelte, wurden als Soldaten eingezogen. "Was Du für ein Glück hast Du, alter Mann!" sagten die Leute, "Alle unsere Söhne sind im Krieg, während Deiner schon wieder etwas im Feld arbeiten kann." - Ihr könnt Euch sicherlich denken, was der alte Mann antwortete, und wie sich die Geschichte noch eine ganze Weile fortsetzen liesse. Aber das muss ja nicht sein.
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt

Schulden
"Was den Stein der Weisen betrifft - er ist zerstört worden."
"Zerstört?" sagte Harry ausdruckslos. "Aber ihr Freund - Nicolas Flamel -"
"Oh, du weisst über Nicolas Bescheid?" sagte Dumbledore erfreut. "Du hast deine Sache gründlich gemacht, oder? Also, Nicolas und ich hatten eine kleine Unterhaltung und stimmten darin überein, dass es so am Besten ist."
"Aber das bedeutet, dass er und seine Frau sterben werden, oder nicht?"
"Sie haben genug Elexier auf Vorrat, um ihre Angelegenheiten zu ordnen, und dann, ja, sie werden sterben." Dumbledore lächelte über den Ausdruck der Verwunderung in Harry's Gesicht. "Ich bin mir sicher, dass es für jemanden so jung wie dich schwer zu fassen ist, aber für Nicolas und Penelle ist es wahrhaftig, wie nach einem sehr, sehr langen Tag, ins Bett zu gehen. Letztendlich ist der Tod für einen gut durchorganisierten Geist nichts weiter als das nächste grosse Abenteuer. Weisst du, der Stein war in Wirklichkeit keine derart wundervolle Sache. So viel Geld und ein so langes Leben, wie man sich wünscht! Die beiden Dinge, die die meisten Menschen allen anderen Dingen vorziehen würden - das Problem dabei ist, dass die Menschen eine Vorliebe dafür haben, sich genau das auszusuchen, was für sie am schlimmsten ist. "
Harry lag da und fand keine Worte. Dumbledore summte vor sich hin und schaute zur Decke. "Sir?" sagte Harry. "Ich habe nachgedacht ... Sir - selbst wenn der Stein nicht mehr da ist, Vol- ... Ich meine Du-weisst-schon-wer - "
"Nenne ihn Voldemort, Harry. Benutze immer den richtigen Namen für alles. Angst vor dem Namen vergrössert die Angst vor der Sache selber."
"Ja, Sir. Nun, Voldemort wird auf anderen Wegen versuchen zurückzukommen?" Ich meine, er ist nicht verschwunden, oder?"
"Nein, Harry, er ist nicht verschwunden. Er ist noch immer irgendwo da draussen und sucht vermutlich nach einem anderen Körper, den er mit jemand teilen kann ... da er nicht wirklich am Leben ist, kann er nicht getötet werden. Er überliess Quirrell dem Tod; er zeigt seinen Gefolgsleuten gegenüber genau so wenig Gnade wie gegenüber seinen Feinden. Wie dem auch sei, Harry, obwohl du seine Rückkehr an die Macht vielleicht nur verzögert hast, wird es beim nächstenmal lediglich jemand brauchen, der bereit ist, einen Kampf zu führen, der aussichtslos erscheint, - und wenn er wieder aufgehalten wird und wieder, dann könnte es sein, dass er niemals an die Macht kommt."
Harry nickte, aber hörte sofort damit auf, weil sein Kopf davon schmerzte. Dann sagte er: "Sir, es gibt noch eine Reihe anderer Dinge, die ich gerne wissen würde, falls sie sie mir mitteilen würden ... Dinge, über die ich die Wahrheit wissen möchte ..."
"Die Wahrheit." Dumbledore seufzte. "Sie ist eine wunderschöne und eine schreckliche Sache und sollte deshalb mit grösster Vorsicht behandelt werden. Trotzdem werde ich deine Fragen beantworten, solange ich keinen sehr guten Grund habe, es nicht zu tun, und ich bitte dich um Verzeihung für diesen Fall. Ich werde selbstverständlich nicht lügen."
"Also ... Voldemort sagte, dass er meine Mutter nur getötet habe, weil sie versuchte, ihn daran zu hindern, mich umzubringen. Aber warum wollte er mich überhaupt umbringen?"
Dumbledore seufzte dieses Mal sehr tief. "Leider kann ich dir die erste Frage, die du mir stellst, nicht beantworten. Heute nicht. Jetzt nicht. Du wirst es eines Tage wissen ... schlag es dir für jetzt aus dem Kopf, Harry. Wenn du älter bist ... ich weiss, du hasst es, das zu hören ... wenn du bereit bist, dann wirst du es wissen."
Und Harry wusste, dass argumentieren ihm nicht helfen würde. "Aber warum konnte Quirrell mich nicht anfassen?"
"Deine Mutter starb, um dich zu retten. Wenn es etwas gibt, was Voldemort nicht verstehen kann, dann ist es Liebe. Er hat nicht verstanden, dass eine Liebe, so machtvoll wie die deiner Mutter, ihren eigenen Stempel hinterlässt. Keine Narbe, kein sichtbares Zeichen ... so innig geliebt worden zu sein, gewährt uns einen immerwährenden Schutz. Er steckt in deiner Haut. Quirrell, der voll von Hass, Neid und Ambitionen seinen Körper mit Voldemort geteilt hat, konnte dich aus diesem Grunde nicht berühren. Es waren für ihn Höllenqualen, eine Person anzufassen, die von etwas so Gutem geprägt wurde."
Dumbledore interessierte sich nun sehr für einen Vogel auf dem Fensterbrett, was Harry Zeit gab, seine Augen am Bettuch abzutrocknen. Als er seine Stimme wiederfand, sagte Harry, "Und der Unsichtbarkeits-Umhang - wissen sie, wer ihn mir gesandt hat?"
"Ah - dein Vater hat ihn in meinen Besitz gegeben, und ich dachte mir, dass du ihn mögen würdest." Dumbledore's Augen funkelten. "Nützliche Sache ... dein Vater, als er hier war, benutzte ihn hauptsächlich, um ungesehen in die Küche zu gelangen und Essen zu stehlen."
"Und da ist noch etwas anderes ..."
"Schiess los."
"Quirrell und Snape -"
"Professor Snape, Harry."
"Ja, er - Quirrell sagte, er hasse mich, weil er meinen Vater hasste. Ist das wahr?"
"Also, sie haben sich gegenseitig wirklich verabscheut. Nicht unähnlich dem zwischen dir und Malfoy. Und dann tat dein Vater etwas, was ihm Snape niemals vergeben konnte."
"Was?"
"Er rettete ihm das Leben."
"Was?"
"Ja ..." sagte Dumbledore verträumt. "Witzig, wie der Geist von Menschen arbeitet, oder? Professor Snape konnte es nicht ertragen, in der Schuld deines Vaters zu stehen ... Ich glaube, er hat dieses Jahr so hart daran gearbeitet, dich zu schützen, weil er hoffte, damit die Schuld gegenüber deinem Vater auszugleichen. Danach hätte er sich wieder in Frieden damit beschäftigen können, die Erinnerung an deinen Vater zu hassen ..."
Harry versuchte das zu verstehen, aber es verursachte Hämmern in seinem Kopf, und so hörte er damit auf. "Und, Sir, da gibt es noch eine weitere Sache .."
"Nur diese eine?"
"Wie habe ich den Stein aus dem Spiegel heraus bekommen?"
"Oh, da bin ich froh, dass du das fragst. Es war eine meiner glorreicheren Ideen, und unter uns, das heisst schon etwas. Sieh, nur jemand, der den Stein finden wollte - ihn finden, aber ihn nicht benutzen - war in der Lage, ihn zu bekommen, sonst hätte er sich nur dabei gesehen, wie er Gold macht oder das Elexier des Lebens trinkt. Mein Gehirn überrascht sogar manchmal mich ... Jetzt aber genug der Fragen. Ich schlage vor, du fängst mit ein paar von diesen Süssigkeiten an. Ah! Berti Bott's Alle-Geschmacksrichtungen-Bohnen! Ich war unglücklich genug, in meiner Jugend über eine Erbrochenes-Geschmack zu stolpern, und seitdem habe ich meine Vorliebe dafür verloren - aber ich denke, ich bin mit diesem leckeren Toffee-Geschmack auf der sicheren Seite, oder?" Er lächelte und steckte sich die goldenbraune Bohne in den Mund. Dann würgte er und sagte, "Oh, nein, Ohrwachs!"
aus: Harry Potter - The Philosopher's Stone, Seite 214f
DAS EINHORN MIT DEM GOLDENEN HORN
Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte in einem schönen Wald ein Einhorn. In diesem Wald wuchsen viele Tannen, aber auch Buchen und Eichen. Das Einhorn war weiss, hatte goldene Hufe und eine wehende weisse Mähne. Auch der lange Schweif war ganz weiss, und auf seiner Stirn leuchtete ein goldenes Horn. Am allerliebsten ass dieses wunderschöne Einhorn saftige, rote Äpfel. Sie waren sozusagen seine Lieblingsspeise. Leider gab es im Wald keinen einzigen Apfelbaum.
In der Nähe des Waldes war ein Schloss. In diesem lebte ein König mit seiner Tochter. Die Prinzessin war ein fröhliches Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen. Ihre Lieblingsspeise bestand auch aus roten, saftigen Äpfeln. Im Schlossgarten war ein Apfelbaum extra für die Prinzessin angepflanzt worden, und der Gärtner pflegte ihn sehr. Er hatte weit ausladende Äste und trug jeden Sommer die herrlichsten roten Äpfel, die man sich vorstellen kann. An den Stamm des Apfelbaumes hatte der Gärtner eine goldene Leiter gelehnt, damit die Prinzessin sich auch selbst Äpfel pflücken konnte.
Eines Tages kam das Einhorn an der Schlossmauer vorbei, als ihm der Duft von reifen Äpfeln in die Nase stieg. Es schnupperte und stellte sich mit den Hufen an der Mauer hoch. Die Prinzessin sass gerade im Apfelbaum und sah plötzlich etwas, das wie ein goldener Stab aussah. Neugierig stieg sie von ihrem Baum und lehnte die goldene Leiter an die Schlossmauer und machte sich daran, die Leiter hinauf zu steigen. Währendessen stieg auch das Einhorn auf der anderen Seite hoch. Sie kamen gleichzeitig oben an und erschreckten sich beide. Die Prinzessin fasste sich zuerst und reichte dem Einhorn einen von ihren Äpfeln auf der Hand. Da konnte es nicht widerstehen, schnappte sich den Apfel und stieg hinab. Auf der anderen Seite hörte die Prinzessin ein grosses "Schmatz, Schmatz!" Das Einhorn kam gleich wieder hoch und wollte noch mehr haben. Da sagte die Prinzessin: "Wenn du mich reiten lässt, dann bekommst du zwei Äpfel!" Das Einhorn schaute sie fragend an, und ehe es sich versah, sprang die Prinzessin auf seinen Rücken. Das weisse Einhorn erschrak und rannte so schnell es konnte in den Wald. Die Prinzessin hatte grosse Mühe, sich selbst und die zwei Äpfel festzuhalten. Das Einhorn raste durch den Wald und hielt an einer wunderschönen Blumenwiese mit Glockenblumen und weissen Sternblumen an. Dort wohnte es nämlich. Es warf die Prinzessin auf die Wiese und schaute sich entrüstet um. Die Prinzessin beruhigte das Einhorn und gab ihm die zwei versprochenen Äpfel. Es frass sie freudig auf und gallopierte davon.
Jetzt stand die Prinzessin ganz allein auf der Blumenwiese und wusste nicht mehr, wie sie nach Hause kommen sollte. In ihrer Verzweiflung fing sie an zu weinen. Da tauchte das Einhorn zwischen den Bäumen wieder auf. Es konnte es einfach nicht ertragen, wenn jemand weinte. So trabte es auf die Prinzessin zu und zeigte mit dem Kopf auf seinen Rücken. Das hiess so viel wie: "Kommm, steig schon auf." Die Prinzessin schwang sich auf den Rücken des Einhorns und hielt sich an der Mähne fest, und schon raste es wieder los. Diesmal musste sie zum Glück keine Äpfel mehr festhalten. Das Einhorn brachte sie sicher zu der Schlossmauer zurück, hinter der man den Apfelbaum mit den roten Äpfeln herausragen sehen konnte. Die Prinzessin bedankte sich ganz herzlich bei dem lieben Einhorn und umarmte es zum Abschied. Sie durfte sogar auf seinen Rücken steigen, um auf die Schlossmauer zu gelangen. "Warte, zur Belohnung bekommst du noch einen Apfel von mir." rief sie ihrem neuen Freund zu. Schnell holte sie noch einen und warf ihn dem Einhorn zu, das den Apfel geschickt auffing. "Das reicht aber jetzt." sagte sie zu ihm. "Sonst bekommst du noch Bauchweh. Besuch mich mal wieder, wenn du magst." Dann machte die Prinzessin sich auf den Weg in das Schloss, und das Einhorn gallopierte zurück in den Wald.
Im Schloss war die Prinzessin bereits vermisst worden. Es herrschte grosse Aufregung, denn während sie fort gewesen war, hatte Prinz Kasimir um ihre Hand angehalten und der König hielt das für eine gute Idee. Immerhin hatte er einige Schulden bei ihm, und diese wollte ihm der Prinz allesamt nach der Hochzeit erlassen. Er besass auch viele Ländereien und machte einen ganz anständigen Eindruck. Der Prinzessin gefiel das überhaupt nicht. Jedesmal, wenn sie den Prinzen in letzter Zeit gesehen hatte, war er ihr unsympathisch gewesen. Auf sie wirkte er eingebildet und herrisch, und sie wollte ihn auf gar keinen Fall heiraten. Aber ihr Vater hatte kein grosses Verständnis dafür. Er meinte immer noch, dass sie grosses Glück hätte, wenn sie diesen Mann heiraten würde.
Am Abend konnte die Prinzessin nicht einschlafen. Sie setzte sich in ihrem Bett auf und faltete die Hände: "Lieber Gott," sagte sie, " ich mag diesen Kasimir nicht. Hast du nicht eine Idee. Bitte hilf mir und zeig mir die bessere Lösung." Danach fühlte sie sich besser und schlief in dem Vertrauen ein, dass sich irgend etwas ereignen würde. In dieser Nacht hatte sie einen Traum. Das freundliche Einhorn, das sie heute kennengelernt hatte, brachte sie in den Wald zu einer Hütte. Dort rauschte ein kleiner Bach. Dann wachte die Prinzessin auf. Das war ja eine gute Idee, dachte sie. Schnell sprang sie aus dem Bett und packte ein paar warme Sachen und etwas zu essen in ein Bündel. Mittlerweile war es schon früher Morgen geworden und die Sonne würde gleich aufgehen. Im Schloss war noch alles still, so dass sie unbemerkt hinaus schleichen konnte. Sie packte noch schnell ein paar von ihren Lieblingsäpfeln in ihr Bündel. Anschliessend stellte sie die goldene Leiter an die Mauer und stieg so wie am vorigen Tag hinauf. Dann liess sie die Leiter vorsichtig zum Baum zurück gleiten, damit niemand merkte, wohin sie gegangen war. Langsam liess sie sich an einem Seil die Mauer herunter und nahm auch dieses mit. Nun schaute sie sich um. Da lag die grosse weite Welt vor ihr. Sie war noch nie alleine fort gewesen. Wie sollte sie da draussen zurecht kommen? Aber dann dachte sie an diese Heirat, die ihr gar nicht gefiel, und lieber wollte sie ihre Zukunft selber in die Hand nehmen.
Mitten in diese Gedanken hinein hörte sie ein Wiehern. Sie drehte sich um und sah das wunderschöne Einhorn mit dem goldenen Horn. Da hüpfte ihr Herz vor Freude. "Du bist wirklich zurück gekommen! Ich dachte schon, das wäre alles nur ein Traum, aber jetzt bist du wirklich da. Das Einhorn kam vorsichtig näher und schnupperte an ihrem Bündel. Natürlich hatte es die Äpfel gerochen. Die Prinzessin gab ihm gleich einen und streichelte es. Dann erzählte sie ihm die ganze Geschichte und beinahe hätte sie wieder angefangen zu weinen. Das Einhorn begriff schnell, zeigte wieder auf seinen Rücken und ritt mit ihr durch den schönen Wald. Die Prinzessin genoss diesmal den Ritt besonders. Sie hatte das Gefühl, dass das Einhorn ihr bester Freund geworden war. Die Sonne ging inzwischen auf und die Vögel im Wald begannen ihr Morgenkonzert. Die Prinzessin war noch sehr müde und so schlief sie auf dem Rücken des Einhorns ein. Es lief und lief ganz weit und weckte sie dann mit einem Wiehern. Sie befand sich an der Waldhütte neben dem Bach, von dem sie die letzte Nacht geträumt hatte. "Lieber Gott," rief die Prinzessin, "gibt es so etwas wirklich. Ich danke dir." Sie stieg ab, liebkoste das Einhorn und gab ihm noch einen Apfel aus dem Gepäck. Das Einhorn verabschiedete sich mit einem Wiehern, stieg einmal, drehte sich und galloppierte in den Wald. Aber diesmal hatte die Prinzessin keine Angst. Sie wusste, dass es sicher bald wiederkommen würde. So schaute sie sich erstmal in der Hütte um. Sie holte Wasser vom Bach und wischte den Staub aus der Hütte, sie pflückte einen Blumenstrauss und stellte ihn auf den Tisch. Schon sah alles viel gemütlicher aus.
Inzwischen war das Einhorn in den Wald gegangen, um seine Lieblingskräuter zu fressen. Da hörte es Jagdhörner. "Oh, die Jäger kommen!" dachte es und rannte fort. Schon tauchten mehrere Jäger auf schnellen Pferden auf und stellten ihm nach. Aber das Einhorn war klug und flink und hatte sie bald abgehängt. Nur einer war ihm noch dicht auf den Fersen. Es wurde immer schneller und schneller und stürmte durch den Wald. Es schaute sich um, ob der Verfolger noch da war, und bemerkte zu spät einen Baum direkt vor sich. Es konnte nicht schnell genug bremsen uund blieb mit seinem Horn im Baumstamm hängen. Es wieherte und versuchte sich zu befreien. Dem Jäger tat das schöne Tier leid, und er versuchte, es zu befreien. Ganz vorsichtig ging er auf das Einhorn zu und legte ihm sein Seil um den Hals. "Ich tue dir nichts." sagte er mit sanfter Stimme. "Wenn ich dich da raus bekomme, lasse ich dich wieder frei. Du bist viel zu schön, um gefangen zu werden. Ich verspreche es dir." Für einen Augenblick hielt das Einhorn mit dem Aufbäumen und dem Wiehern inne und schaute dem Mann in die Augen. Es schien etwas zu denken, und liess sich dann ruhig mit dem Seil, das der Prinz an dem Sattel seines Pferdes befestigt hatte, herausziehen. Der Jäger freute sich und wollte gerade von seinem Pferd steigen, um es wie versprochen frei zu lassen. Da wieherte das Einhorn, stieg und rannte los. Dabei zog es seinen Befreier, der immer noch das Seil bei sich befestigt hatte, hinter sich her. "Das Einhorn ist verrückt!" dachte er. Er gab seinem Pferd die Sporen und ritt so im Schlepptau hinter dem Einhorn her. Schliesslich blieben sie stehen, und der junge Mann fand sich vor der Waldhütte an dem Bach wieder. "Was machst denn du für Sachen?" sagte er zu dem Einhorn. "Ich wollte dich doch freilassen. Was ich verspreche, das halte ich auch." Bei diesen Worten war er von seinem Pferd gestiegen, und nahm dem schnaubenden Einhorn das Seil ab. "Du kannst gehen!" sagte er. Aber das Einhorn schaute ihn nur an und wieherte ganz laut. Das hörte die Prinzessin und kam erfreut aus der Hütte.
"Da bist du ja wieder....", wollte sie gerade sagen, als sie sah, dass ihr vierbeiniger Freund gar nicht alleine war. Vornehm verneigte sich der junge Mann, als er die Prinzessin sah. So ein hübsches Mädchen hier allein in der Wildnis. "Was tut ihr hier?" fragte er erstaunt. Eigentlich wollte sie ja niemandem etwas von ihrer Flucht sagen, aber dieser Fremde erschien ihr vertrauenswürdig, und so erzählte sie ihm die ganze Geschichte. Das Einhorn weidete zufrieden vor der Hütte. Sein Plan schien aufzugehen. Es war der Meinung, dass seine kleine Freundin nicht ohne Schutz im Wald leben sollte. Als der junge Mann alles wusste, sagte er: "Komm mit in mein Königreich, dort bist du in Sicherheit." Es stellte sich heraus, dass er der Prinz des benachbarten Königreiches war, und bei der Jagd zufällig das Einhorn gesehen hatte. Die Prinzessin willigte ein und freute sich. Dieser Prinz war so liebenswert, und als sie losreiten wollten, verabschiedete sie sich von dem Einhorn. Dabei flüsterte sie ihm schelmisch ins Ohr: "Du hast nicht zufällig etwas mit dieser Sache zu tun?" Das Einhorn schaute sie mit grossen unschuldigen Auge an und wieherte.
So kam es, dass die Prinzessin mit dem Prinzen in sein Königreich ritt. Sie beschlossen bald zu heiraten, da sie sich gleich liebgewonnen hatten. Ihren Vater, den König, luden sie zur Hochzeit ein, und die Schulden bei Kasimir bezahlten sie aus der Schatzkammer des Prinzen. Dem König tat es inzwischen auch schon leid, dass er sein Kind zu einer Heirat zwingen wollte. Es gab eine prächtige Hochzeit. Als der Prinz und die Prinzessin in der blumengeschmückten Kutsche mit sechs weissen Pferden davor sassen und losfahren wollten, tauchte das weisse Einhorn mit dem goldenen Horn aus dem Wald auf. Es lief eine ganze Weile neben der Kutsche her und wieherte freudig. Die Prinzessin freute sich, dass es gekomen war und winkte ihm zu. Von Zeit zu Zeit kam es zu Besuch. Der Prinz hatte für seine junge Frau extra einen Apfelbaum mit roten Äpfeln pflanzen lassen, von dem das Einhorn immer wieder naschen durfte.
Geschichte von Susanne Weidmann
Synchronizität
Ein Freund schickte mir fast täglich eine e-mail. Eines Morgens erhielt ich eine von ihm, die lautete: "Immer diesselbe Botschaft: Ich bin dir ewig dankbar, dass wir einmal in derselben Stadt und zur selben Zeit ankamen."
An diesem Tag erhielt ich noch eine weitere e-mail von ihm, aber sie kam mir eher belanglos vor. Ich behielt sie nicht einmal im Gedächtnis. Einige Stunden nachdem er diese Zeilen geschrieben hatte, unternahm er eine Flugreise - und kurz darauf starb er an einem Herzinfarkt. Wir hatten nie die Möglichkeit, uns voneinander zu verabschieden. Später an diesem Tag sagte ich zu meiner Sekretärin. "Bitte drucken sie die letzten e-mails von Andrew aus. Ich möchte sie aufbewahren."
In jener Nacht hatte ich einen Traum. Darin klingelte das Telefon und ich hob ab, ohne mir etwas zu denken."Hier ist Andrew", sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung. Ich sah ihn in einem Sessel sitzen und in die Muschel sprechen. Obwohl dies seine einzigen Worte waren, verstand ich die Bedeutung des Traumes. Er hatte eine besondere Erlaubnis erhalten, mich anzurufen. Ich war von diesem Traum wie elektrisiert. Plötzlich erwachte ich, setzte mich in meinem Bett auf und rief." Oh mein Gott ...!" Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dem Tod in Berührung gekommen war.
Am nächsten Tag - oder vielleicht auch am übernächsten - sass ich an meinem Schreibtisch, telefonierte und blätterte dabei in meinen Aktenordnern. Dabei entdeckte ich den Ordner, auf dem "Andrew's letzte e-mail" stand. Als ich ihn öffnete, sah ich seine beiden letzten Nachrichten. Die zweite - die ich ursprünglich für unwichtig gehalten hatte - lautete: "Wo immer ich heute Nacht sein werde - ich werde versuchen, dich anzurufen."
aus: Verzauberte Liebe von Marianne Williamson, Seite 175
MIRANDAS ZAUBERGARTEN
In der Mitte eines sehr großen Ortes lebte ein kleines Mädchen mit dem Namen Miranda. Der einzige Ort, an dem sie spielen konnte, war ein Wohnblock. Da keine Kinder in der Nähe wohnten, verbrachte Miranda viele Stunden damit, zu den Pflanzen zu sprechen. Eines Tages sagte sie zu der Sonnenblume: "Ich wünschte, du würdest mir antworten. Mein Name ist Miranda, und ich wäre auch gerne eine Blume, die draussen im Garten wohnt. Wenn ich eine Blume wäre, würde ich mich mit allen Blumen in der Nähe anfreunden." Miranda spielte dann Sonnenblume. Zuerst stellte sie sich vor, wie die Sonne ihren Stiel erwärmte, dann wie der Wind ihre Blütenblätter in der Luft bewegte. Sie warf ihren Kopf zurück und lachte so, wie sie sich das Leben als Sonnenblume vorstellte.
Plötzlich spürte Miranda, wie sie ein goldenes Licht umrahmte. Es war, als würde eine Sonne direkt aus der Blume auf sie herunter strahlen. Dann meinte sie gar, die Sonnenblume würde zu ihr sprechen: "Wir würden gerne Freundschaft mit dir schliessen. Aber die Menschen haben uns nicht immer ganz gerecht behandelt." Und nur für den Fall, dass die Sonnenblume wirklich gesprochen hatte, antwortete Miranda: "Wie meinst du das?"
"Wir kommen aus dem Reich der Pflanzen," sagte die Sonnenblume. "Die Bewohner unserer Welt sind Bäume, Blumen, Gemüsepflanzen, Obstbäume, und Büsche. Bleiben die lieben Gedanken der Menschen aus, fühlen wir uns einsam."
"Heisst das, du fühlst wie ich?"
"Ja, oftmals fühlen wir so", antwortete die Sonnenblume. "Aber du scheinst anders zu sein, Miranda. Wir würden dich gerne besser kennenlernen." Miranda gefiel das sehr. Endlich hatte sie Freunde. Sie begann, durch den Garten zu tanzen, warf ihre Arme hoch und summte ein Lied. Sie beschloss, es den Sonnenblumenmarsch zu nennen.
In dieser Nacht träumte Miranda von einer wunderschönen Wiese, auf der wilde Blumen in leuchtenden Farben blühten. Die Sonnenblumen zogen in zahllosen Reihen an ihr vorüber und sangen das Lied, das sie am Tag gesummt hatte. "Wir sind die marschierenden Sonnenblumen, wir halten den Kopf stets ganz hoch. Wir tanzen und lachen und sind immer froh. Wir trinken das Licht, es scheint von oben herab, und zaubern Sonnenblumen daraus, um dir unsere Liebe zu zeigen. Komm, schliess' dich uns an. Wir beginnen nochmal von vorne."
Das fröhliche Orchester wurde von einer weisen Frau angeführt, die die Trommel schlug. Sie schaute Miranda tief in die Augen und sagte: "Ich habe auf dich gewartet. Ich bin die Hüterin der Erde. Ich lebe im Traumland, wo ein Regenbogen unsere beiden Welten miteinander verbindet. Ich hoffe, du besuchst uns bald wieder." Am nächsten Morgen kam Miranda wieder in den Garten und setzte sich neben die Sonnenblume. Sie schloss die Augen und träumte vor sich hin. Der Tagtraum endete plötzlich, als die Sonnenblume laut und deutlich sagte: "Hallo, wir sind die Devas dieses Gartens."
"Bist du eine Elfe?", fragte Miranda.
"Wir sind mit dem Elfenreich verwandt, aber wir leben in den Pflanzen. Um zu fahren, braucht ein Auto in deiner Welt Benzin. In unserer Welt brauchen die Pflanzen Lebenskraft, um zu wachsen. Diese Lebenskraft stellen wir zur Verfügung. Pass auf, ich will dir zeigen, was ich meine." Spiralen goldenen Lichtes, gebildet aus kleinen grünen Punkten, entströmten der Sonnenblume und umrahmten die ganze Pflanze. Langsam öffneten sich ihre Blätter, und die Blüten kamen zum Vorschein. Als sie nahe genug waren, um Miranda zu berühren, hüllte die Sonnenblume das Mädchen mit leuchtenden Strahlen ein. In diesem Moment spürte Miranda zum ersten Mal richtige Freude. Ihr Herz schlug schneller, ihr Mund wurde feucht, und Tränen liefen über ihre Wangen. Sie traute ihren Augen kaum, aber sie sah einen Schein um jede der Pflanzen. "Sehe ich doppelt?" fragte Miranda.
"Miranda, jetzt siehst du unsere unsichtbare Welt. Wir möchten dich gern zur Ehrenbürgerin unseres Pflanzenreiches machen. Wenn du uns ein besonderes Versprechen gibst, werden wir unsere Fähigkeiten mit dir teilen."
"Was für ein Versprechen?" fragte Miranda.
"Versprich uns, uns dabei zu helfen, einen Zaubergarten anzulegen." antwortete die Sonnenblume.
"Ich verspreche es"
In der folgenden Nacht fragte sich Miranda, wie sie ihr Versprechen würde halten können. Als sie ihren Kopf auf ihr Kissen legte, dachte sie: "Was kann ich tun, um meinen Freunden zu helfen?" Sie dachte immerzu über diese Frage nach, bis sie endlich der Schlaf überfiel. Dann hatte Miranda einen Traum, den sie häufig träumte. Sie hatte sich im Wald verlaufen, und es stürmte heftig. Ein riesiger Bär verfolgte sie. Ihr Herz schlug so laut wie der krachende Donner. Der kräftige Regen, der aus dunklen Wolken vom Himmel schüttete, hatte ihre Kleider völlig durchnäßt. Ihr war kalt, und sie hatte Angst.
Miranda schaute verzweifelt umher, um einen Platz zu finden, an dem sie sich verstecken konnte. Aber sie konnte nichts entdecken. Endlich erblickte sie in der Ferne ein Licht. Während sie darauf zurannte, hörte sie ein lautes Brüllen neben sich. Der Bär war ganz nahe! Sie drehte sich um, sah zurück und stolperte dabei über einen Baumstumpf. Sie versuchte wieder aufzustehen, aber es war bereits zu spät. Der riesige Schatten des Bären bedeckte alles um sie herum. Miranda nahm allen Mut zusammen und sah dem riesigen Bären direkt in die Augen. Sofort löste sich der furchtbare Bär in nichts auf. An seiner Stelle stand die Hüterin der Erde. Die alte Frau lächelte: "Deine Tapferkeit soll nun belohnt werden. Halte deine Hand auf."
Die Hüterin der Erde öffnete ein kleines Säckchen und schüttete eine Hand voll farbiger Samen in Mirandas Hand. Sie waren rot, orange - farben, gelb, grün, blau, violett und weiss. "Weisst du, wofür die sind?" fragte sie.
"Für den Garten?" fragte Miranda.
"Ja," antwortete die Hüterin der Erde, "dies sind Zaubersamen aus dem Land der Träume. Wenn du ihnen jeden Tag Wasser und deine Liebe gibst, werden sie zu einem Zaubergarten heranreifen." Sie half Miranda, die Samen wieder vorsichtig in das Säckchen zurückzufüllen. Dann sagte sie: "Du bist sehr mutig, mein Kind. Du wirst mit dem Pflanzenreich zusammenarbeiten. Höre auf die Devas. Sie werden ganz leise zu dir sprechen. Bisweilen werden dir ihre Worte nur als Bilder und Gefühle erscheinen. Folge deinem Herzen und tue, was sie dir raten."
Am nächsten Morgen fiel ein heller Sonnenstrahl über Mirandas Bett und weckte sie. Sie öffnete ihre Augen und erblickte ein altes Ledersäckchen. Sie hob es auf und schaute, was es enthielt. Es war voller regenbogenfarbiger Samen. "Wie kommen die denn hier her?" fragte sie sich. Dann erinnerte sie sich an ihren Traum. Miranda sprang aus dem Bett und rannte nach draussen, wobei sie rief: "Schau, was mir die Hüterin der Erde geschenkt hat!"
Die Sonnenblume lächelte und sagte: "Wie schön, Miranda! Doch denke stets daran, dass dir die Samen nicht gehören. Du bist nur ihre Hüterin. Niemand kann etwas besitzen, das auf der Erde wächst." Und dann fügte sie noch hinzu: "Wir werden diesen Garten gemeinsam anlegen. Die Samen werden dir zeigen, wann es Zeit ist, sie zu säen."
Eine Woche später hatte Miranda eine Idee, wie sie die Samen pflanzen könnte. Sie beschloss, die Pflanzen in Form eines Schachbrettmusters anzuordnen. Sie nahm ihre kleine Schaufel und begann zu graben. Sie legte die Samen in ihr neues Heim und gab jedem noch einen Schluck Wasser dazu. "Wachst recht schön, kleine Samen," sagte sie, "und blüht bitte." Die Zeit verging wie im Sauseschritt, während Miranda sich um ihren Garten kümmerte. Eines Morgens sah sie aus ihrem Fenster und konnte winzige kleine Sprösslinge in der Erde entdecken. Kleine Blättchen tanzten im Wind. Noch voller Erstaunen über das neue Leben, das um sie herum entstand, rannte Miranda in den Garten. "Die Samen leben! Sie leben!" rief sie.
Während des nächsten Monats wurden die Pflanzen immer grösser, bis ein unerwarteter Besuch eintraf - Herr Maulwurf. Das kleine Pelztier grub überall im Garten Löcher. Miranda versuchte, Herrn Maulwurf mit ihren Händen zu fangen, aber er war zu geschwind. Hilflos musste sie zusehen, wie er die Osterglocken und die Iris ausgrub. Als Miranda am folgenden Abend zu Bett ging, überlegte sie, was sie wohl tun könnte, um den Garten zu retten. Etwas später wurde sie von einer strahlenden Sonne geweckt. Sie fand sich auf einem Weg aus goldenen Steinen wieder. Vor sich sah sie die sieben Farben des Regenbogens, der sich über der schönsten Brücke erhob, die sie je gesehen hatte. Die Farben waren durchsichtig, und sie wusste daher, dass die Brücke nicht massiv war. Trotzdem hatte sie keine Angst hinüberzugehen.
Rauchschwaden kündigten das Kommen der Hüterin der Erde an. "Miranda, was bist du für ein aussergewöhnliches Kind! Niemals zuvor hat jemand ohne Führer die Traumwelt betreten. Trotzdem bist du hier. Was kann ich für dich tun?"
"Herr Maulwurf hat alle Pflanzen im Zaubergarten ausgegraben!" weinte Miranda. "Kannst du mir sagen, was ich tun soll, damit er damit aufhört?"
"Natürlich, mein Kind!" antwortete die Hüterin der Erde. "Freunde dich zunächst einmal mit Herrn Maulwurf an. Dann schlage ihm vor, seine Grabarbeiten in ein anderes Gebiet zu verlegen. Am besten, du findest einen neuen Platz für ihn, der nur ihm gehört. Auf diese Weise bleibt er weiterhin dein Freund." Am nächsten Morgen suchte Miranda nach einer neuen Bleibe für Herrn Maulwurf. Schon bald fiel ihr ein ungenutztes Grundstück in der Nachbarschaft auf. Dort gab es einen kleinen Erdtunnel, der wundervoll für Herrn Maulwurf geeignet schien.
Miranda erzählte den Pflanzen von ihrem Traum, und alle wollten ihr dabei helfen, Herrn Maulwurf in sein neues Zuhause zu locken. Der Plan stand also fest. Miranda führte die Gartenkapelle, und gemeinsam spielten sie den Sonnenblumenmarsch. Die Pflanzen sangen in vollkommener Harmonie. Ja, der Gesang war so zauberhaft, dass Herr Maulwurf ihnen ganz schnell folgte. Wie der Rattenfänger von Hameln führte Miranda Herrn Maulwurf quer durch den Garten zu dem Erdtunnel. Der hatte solchen Spass dabei, dass er seinen Schwanz im Rhythmus der Musik schwenkte. Miranda führte ihn direkt zur Öffnung des Tunnels. Als er das Loch sah, war seine Neugier so gross, dass er sofort darin verschwand. Sein neues Zuhause gefiel Herrn Maulwurf sehr. Dort gab es ein Tunnelsystem, das nur darauf wartete, von ihm erkundet zu werden. Nun konnte er nach Herzenslust buddeln, ohne den Garten dabei zu zerstören.
Im Hochsommer waren die Sonnenblumen zehnmal grösser als Miranda! Der Eibisch, die Lilien und die Margeriten standen in voller Blüte, und das Farbenspiel war wunderbar. Ein Nachbar machte ein Foto von dem kleinen Mädchen neben ihren riesigen Sonnenblumen. Er zeigte das Foto einem Reporter der Stadtzeitung. Niemand wollte glauben, dass dies der Garten eines Kindes war. Der Reporter kam, um sie zu befragen. "Was ist dein Geheimnis, Miranda?" fragte er. "Wie hast du es fertig gebracht, dass die Sonnenblumen so gross sind?"
"Wir haben den Garten zusammen gepflanzt. Die Pflanzen wissen am besten, was sie für ihr Wachstum brauchen. Wenn du ihnen mit deinem inneren Ohr lauschst, kannst du ihre Stimmen hören. Die Blumen brauchen nur Liebe und Pflege." sagte die kleine Philosophin. Der Reporter kratzte sich hinter dem Ohr. "Nun Miranda, egal wie du deinen Garten zum Wachsen gebracht hast, es ist in der Tat ein Wunder!"
In diesem Moment formten sich zwei Regenbögen über Mirandas Zaubergarten. Der Reporter nahm schnell seinen Fotoapparat und machte ein Bild von dem doppelten Regenbogen über dem Garten. Am nächsten Tag erschien das Foto auf der Titelseite der Zeitung. Miranda wurde berühmt. Überall im Land berichteten Fernsehsender in den Nachrichten über den Zaubergarten. Kinder kamen aus allen Teilen der Stadt, um die kleine Gärtnerin zu treffen, die mit den Pflanzen sprechen konnte.
Mirandas Leben war nun so fruchtbar wie die Erde in ihrem Zaubergarten. Sie fand viele neue Freunde. Sie machte sie mit den Devas vertraut und stellte ihnen Herrn Maulwurf vor. In der ganzen Stadt folgten andere Kinder Mirandas Beispiel und legten ihre eigenen Zaubergärten an. Die Stadt erblühte. Mit Hilfe der vielen kleinen Gärtnerinnen und Gärtner wurde sie grüner und sauberer.
Verfasser unbekannt, übermittelt von Susanne Weidmann
Traumhafte Übersetzung
Im März 2006 fragte mich Susanne eines Morgens: "Kennst du eine mexikanische Indianerin?"
Ich hatte vor Jahren viele Monate in Mexico verbracht, und sagte: "Ja, ich kenne einige, wieso?".
Susanne: "Wie haben sie dich in Mexico genannt?"
Ich: "Jorge (das spanische J und hier auch das g werden wie das ch in dem Wort China ausgesprochen), und einige haben mich George (amerikanisch ausgesprochen: Dschordsch) genannt."
Susanne begann eine Indianerin zu beschreiben, die im Traum an sie herangetreten war, und namentlich nach jemand gefragt hatte. Susanne war sich nicht sicher, ob sie den Namen richtig verstanden hatte: "Es hörte sich an wie schordsch."
Nur zwei Personen in Mexico hatten mich schordsch - eine Mischung aus mexikanischer und amerikanische Aussprache - genannt: Maria Perez-Blum und ihre Tochter Rosa Blum-Wangemann. Ich war von der Familie Perez-Blum wie ein zusätzlicher Sohn aufgenommen worden und hatte dort in Mexico durch meine schönen Erfahrungen wieder Frieden mit der Möglichkeit des "familiären Zusammenlebens" finden können. Ich hatte ihn nämlich in Deutschland gründlich verloren. Mit einigen Mitgliedern dieser vielköpfigen Familie verbindet mich eine tiefe Seelenverwandschaft.
Ich hatte sofort das Gefühl, dass es Maria gewesen sein müsse, und beschrieb sie. Aber Susanne hatte die Person im Traum nicht sehr deutlich sehen können. "Ich soll dich von ihr grüssen und dir sagen, dass sie dich liebt!" richtete mir Susanne aus. Da ich wusste, dass Maria sehr krank war und ich das Gefühl hatte, sie habe sich von mir verabschiedet, schrieb ich im folgenden eine e-mail nach Mexico:
Nach der Schilderung von Susannes Traum, setze ich die e-mail fort mit: "Ich nehme an, das war Marias Abschiedsgruss an mich, den sie nicht selber überbringen konnte (da ich nicht sensibel genug bin). Ich nehme weiterhin an, dass es Zeit ist, euch allen mein Beileid auszusprechen. Maria war eine wundervolle Frau und ist jetzt ein noch wunderbareres Wesen. Ich fühle mich sehr geehrt, sie während ihres Aufenthaltes auf der Erde kennengelernt zu haben und auch darüber hinaus ihre Aufmerksamkeit zu erhalten."
Ich wusste schon immer, dass sie mich liebte, obwohl ich auch wusste (und mit ihr übereinstimmte), dass sie mich nicht mit einer ihrer Töchter verheiratet sehen wollte. Maria hatte ihre eigene stille Art, die Dinge zu durchschauen, ohne davon viel nach aussen zu bringen. Sie passte sich eher den Umständen an und sprach, da ich sie nicht hören konnte, zu Susanne. Trotzdem überrascht die Tiefe ihrer stillen Liebe und Fürsorge. Es ist etwas, zu dem man aufschauen kann, und Susannes Traum inspiriert mich, das in aller Ernsthaftigkeit zu tun.
Ich kann über Maria's Gehen keine Trauer empfinden. Viele Dinge, die sie belastet haben, belasten sie jetzt nicht mehr. Sie hat Lorenzo wiedergetroffen, und ich bin mir sicher, dass sie das gründlich feiern. Ich schliesse mich lieber dieser festlichen Stimmung an und ermutige euch, dasselbe zu tun.
Der Tod ist nicht, was er scheint. Ich weiss es (das macht mich vielleicht für viele zu einem unpassenden Ehemann), denn ich war sehr dicht daran. Es ist jenseits von Sorgen und Freuden, jenseits aller Gefühle, etwas, dem ich in Gelassenheit entgegenblicken kann, sobald ich erreicht habe, was zu erreichen ich hergekommen bin. Maria hat ihres erreicht. Sie wird nicht ruhen, wie Susannes Vision zeigt, aber sie ist in Frieden."
Wahre Geschichte von Georg Keppler
Vergebung
(...) "Ich weiss, was ich sein will! Ich weiss, was ich sein will!" rief die kleine Seele ganz aufgeregt. "Ich möchte Teil des Besonderen sein, dass man Vergebung nennt. Ist zu vergeben nicht etwas besonderes?"
"Oh ja!" versicherte Gott der kleinen Seele. "Das ist etwas ganz Besonderes!"
"In Ordnung!" sagte die kleine Seele. "Das ist es, was ich sein will. Ich möchte Vergebung sein. Ich möchte mich selbst als genau das erfahren."
"Gut," sagte Gott, "doch da gibt es noch eine Sache, die du wissen solltest."
Die kleine Seele wurde langsam etwas ungeduldig. Immer schien es irgendwelche Schwierigkeiten zu geben. "Was den noch?" stöhnte sie.
"Es gibt keinen, dem du vergeben müsstest."
"Keinen?" Die kleine Seele konnte kaum glauben, was Gott da sagte.
"Keinen!" wiederholte Gott. "Alles, was ich erschaffen habe, ist vollkommen. Es gibt in meiner Schöpfung keine einzige Seele, die weniger vollkommen wäre als du. Schau dich doch mal um."
Da sah die kleine Seele, dass viele Seelen sich um sie versammelt hatten. Sie waren von überall her aus dem Himmelreich gekommen. Es hatte sich nämlich herumgesprochen, dass die kleine Seele eine ganz besondere Unterhaltung mit Gott führte, und die Seelen wollten hören, worüber die beiden sprachen.
Als die kleine Seele die unzähligen andernen Seelen betrachtete, musste sie zugeben, dass Gott recht hatte. Keine von ihnen war weniger schön, weniger strahlend oder weniger vollkommen als sie selbst. Die anderen Seelen waren so wundervoll, ihr Licht srahlte so hell, dass die kleine Seele kaum hinsehen konnte.
"Wem willst du nun vergeben?" fragte Gott.
"Au weia, das wird aber wenig Spass machen!" brummte sie vor sich hin. "Ich möchte mich selbst als jemand erfahren, der vergibt. Ich hätte so gern gewusst, wie man sich mit diesem Teil des Besonderen fühlt." Und so lernte die kleine Seele, wie es sich anfühlt, traurig zu sein.
Doch da trat eine freundliche Seele aus der grossen Menge hervor. Sie sagte: "Sei nicht traurig, kleine Seele, ich kann dir helfen."
"Wirklich?" rief die kleine Seele. "Doch was kannst du für mich tun?"
"Ich kann dir jemand bringen, dem du vergeben kannst!"
"Oh wirklich?"
"Ja, ganz bestimmt," kicherte die freundliche Seele. "Ich kann in dein nächstes Erdenleben kommen und dir etwas antun, damit du mir vergeben kannst."
"Aber warum willst du das für mich tun?" fragte die kleine Seele. "Du bist doch ein vollkommenes Wesen. Deine Schwingungen sind so hoch, und dein Licht leuchtet so hell, dass ich es kaum anschauen kann! Du bist so licht, dass du auf den Sternen tanzen, und in Gedankenschnelle durch das Himmelreich sausen kannst. Was bringt dich bloss dazu, deine Schwingungen so zu veringern, dass dein Licht dunkel und dicht wird? Warum solltest du dich so schwer machen, dass du mir in meinem nächstne Leben etwas Böses antun kannst?"
"Ganz einfach!" sagte die freundliche Seele. "Weil ich dich lieb habe!"
Diese Antwort überraschte die kleine Seele. "Du brauchst nicht erstaunt zu sein," sagte die freundliche Seele. "Du hast dasselbe auch für mich getan. Weisst du es nicht mehr? Wir haben schon öfter miteinander getanzt, du und ich. Wir haben durch Äonen und alle Zeitalter hindurch an vielen Orten miteinander gespielt. Du hast es nur vergessen. Wir beide sind schon alles gewesen. Wir waren schon oben und waren schon unten, wir waren schon rechts und waren schon links. Wir waren hier und wir waren dort. Wir waren im jetzt und im später. Wir waren schon Mann und schon Frau, wir waren schon gut und schon schlecht - beide waren wir schon das Opfer, und beide waren wir der Schurke. So kommen wir immer wieder zusammen und helfen uns immer wieder, das auszudrücken, was wir wirklich sind. Und deshalb," erklärte die freundliche Seele weiter, "werde ich in dein nächstes Erdenleben kommen, und der Bösewicht sein. Ich werde dir etwas Schreckliches antun, und dann kannst du dich als jemand erfahren, der vergibt."
"Aber was wirst du tun?" fragte die kleine Seele nun doch etwas beunruhigt. "was wird denn so schrecklich sein?"
"Oh," sagte die freundliche Seele mit einem Lächeln, "uns wird schon etwas einfallen." Dann wurde die freundliche Seele sehr ernst und sagte mit leiser Stimme: "Weisst du, mit einer Sache hast du vollkommen recht gehabt."
"Mit was denn?" wollte die kleine Seele wissen.
"Ich muss meine Schwingungen sehr weit herunterfahren und sehr schwer werden, um diese Schreckliche Sache tun zu können. Ich muss so tun, als ob ich jemand wäre, der ich gar nicht bin. Und dafür muss ich dich um einen Gefallen bitten."
"Du kannst dir wünschen, was du willst!" rief die kleine Seele, sprang umher und sang: "Hurra, ich werde vergeben können! Ich werde vergeben können!" Da bemerkte die kleine Seele, dass die freundliche Seele sehr still geworden war. "Was ist? Was kann ich für dich tun?" fragte die kleine Seele. "Du bist wirklich ein Engel, wenn du diese Sache für mich tun willst!"
Da unterbrach Gott die Unterhaltung der beiden Seelen. "Natürlich ist diese freundliche Seele ein Engel! Jedes Wesen ist ein Engel! Erinnere dich daran, dass ich dir immer nur Engel schicke!"
Die kleine Seele wollte doch so gern den Wunsch der freundlichen Seele erfüllen und fragte nochmals: "Sag schon, was kann ich für dich tun?"
Die freundliche Seele antwortete: "In dem Moment, in dem wir aufeinandertreffen und ich dir das Schreckliche antue - in jenem Moment, in dem ich das Schlimmste tue, was du dir vorstellen kannst - also in diesem Moment ..."
"Ja?" fragte die kleine Seele, "ja?"
Die freundliche Seele wurde noch stiller. "....denke daran, wer ich wirklich bin!"
"Oh, das werd ich bestimmt!" rief die kleine Seele. "Das verspreche ich dir! Ich werde mich immer so an dich erinnern, wie ich dich jetzt hier sehe!" (...)
aus: "Ich bin das Licht" von Neale Donald Walsch
Dein Wille geschehe
Ein Mädchen von ungefähr zwanzig Jahren verliebte sich in einen gleichaltrigen Jungen ihres Dorfes. Im Verlauf ihrer Romanze war der körperliche Aspekt nicht ausgeklammert worden. Als die Folgen sichtbar wurden, sucht der junge Mann das Weite. Auf die Frage nach dem Vater erhielten die Eltern von dem verstörten und ratlosen Mädchen zunächst keine zufriedenstellende Antwort.
Ausserhalb des Dorfes, etwas abseits in einer kleinen Hütte lebte auch ein Einsiedler. Er baute an, was er zum Essen benötigte, verbrachte die restliche Zeit in spiritueller Selbstversenkung und hatte daher fast keinen Kontakt mit den Dorfbewohnern. Als zum gegebenen Zeitpunkt ein kleines Mädchen zur Welt kam, konnte die junge Mutter dem kombinierten Druck der Familie nach der Identität des Vaters nicht mehr widerstehen. Sie wusste sich nicht anders zu helfen, als den Einsiedler als Vater zu identifizieren.
Die gesamte Familie nebst Baby begab sich daraufhin zur Hütte des Einsiedlers. Der Vater klopfte aggressiv an die Tür und, als der Einsiedler die Tür öffnete, schob er ihm das Baby mit den Worten "Hier ist Deine Tochter!" in die Arme. Der Einsiedler sah sie alle einen Moment an, rief aus "Oh, tatsächlich!", drehte sich um und ging mit dem Baby auf dem Arm in die Hütte und schloss die Tür. Der verdutzten und zugleich erleichterten Familie blieb nichts übrig, als sich nach Hause zu begeben.
Nach einigen Jahren kehrte der wirkliche Vater in das Dorf zurück. Auf seiner Wanderschaft hatte er viele Erfahrungen gesammelt, die ihn zu dem Entschluss führten, nach Hause zu gehen und die Verantwortung für sein Benehmen zu übernehmen. Die junge Mutter kam mit ihm Überein, die Familie von der korrekten Version der Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Wie zuvor setzte sich die gesamte Familie in Richtung des Einsiedlers in Bewegung. Diesmal war das Klopfen eher zögernd, und dem Einsiedler stand eine verlegen auf den Boden blickende Familie gegenüber, als er die Tür öffnete. Der Vater drehte den Hut in seinen Händen und brachte drucksend hervor: "Ähhh, entschuldigen Sie bitte, lieber Herr, es bestand eine sehr unglückliche Fehlinformation bezüglich der Vaterschaft des Babies. Der wirkliche Vater steht hier neben mir. Mit Ihrer freundlichen Einwilligung würde er gerne die Verantwortung für die Erziehung des kleinen Mädchen von nun an übernehmen." Der Einsiedler schaute sie alle kurz an, warf einen liebenden Blick auf das kleine Mädchen an seiner Seite und, mit den Worten "Oh, tatsächlich!" legte er seine Hände auf die Schultern des kleinen Mädchens und schob es mit unsagbarer Freundlichkeit ganz langsam in Richtung der Familie. Dann drehte er sich um und schloss die Tür.
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Lebendige Schönheit
Ein Mann lebte ganz alleine, ohne irgendwelche von ihm abhängigen Familienangehörigen in materiell gesicherten Umständen. Er machte sich das Leben so bequem wie möglich, und da niemand sich für ihn interessierte, veränderten sich seine Angewohnheiten allmählich von arbeitssparend zu schmuddelig. Bald wurden Bäder immer seltener und der Kamm kam ganz ausser Gebrauch. Die Fensterscheiben waren schon vor geraumer Zeit blind vom Schmutz geworden, während der Fussboden immer stumpfer und verdreckter wurde. Innen schälten sich die Tapeten von den Wänden und aussen blätterten die Farben ab. Die Tür hing schief in einer Angel und alle Arten von Getier und Ungeziefer, von der Ziege bis zu Mäusen und von Kakerlaken bis zu Flöhen bewegten sich ungehindert ein und aus.
Bis jemand ihm eines Tages einen bunten Strauss wunderschöner Blumen schickte. Er steckte ihn in eine Vase mit unkenntlichen Farben und ging seines Weges. Als er das nächste Mal an der Vase vorbei lief, erhaschten die Blumen seinen Blick. Irgendwie sahen die leuchtenden Farben in der grauen Vase fehl am Platz aus. Also machte er die Vase sauber. Die Blumen und die Vase passten nun sehr gut zusammen, aber der Tisch störte das Bild empfindlich. Also rieb er brummend den Tisch ab. Durch den Spalt zwischen schief hängender Türe und Rahmen fiel ein Bündel Lichtstrahlen auf eine ganz bestimmte Weise auf Vase, Blumen und den nun sauberen Tisch. Er konnte diesen Kontrast mit der vergilbten Tapete und dem unkenntlichen Muster des Kachelfussbodens einfach nicht ertragen und machte sich sofort an die Arbeit. Als er zwei Tage später von dem nun glänzenden Boden aufstand, sah er sich dem blinden Spiegel gegenüber. Es dauerte einige Zeit, bis er die unter seinem Reiben langsam sichtbar werdende Gestalt als sein Spiegelbild erkannte. Darauf ging er geradewegs ins Badezimmer und verbrachte den Rest des Tages damit, das Badezimmer und sich selbst zum leuchten zu bringen.
Er konnte nicht ruhen, bis auch der lezte Gegenstand in seinem Haus und auf dem dazugehörigen Grundstück der Frische und Schönheit der Blumen gerecht wurden. -Zu seinen alten Gewohnheiten kehrte er nie mehr zurück. Wenn er sich einmal die liebevolle Berührung seines Herzens durch die Blumen nicht schnell genug vergegenwärtigen konnte, begab er sich in seinen Garten und schaute sich die frohen Farben der nun dort wachsenden Blumen an.
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Unerfüllbare Erwartung
„Hagrid” rief Hermine und schlug gegen die vordere Eingangstür. „Hagrid, es reicht! Wir wissen, dass du da drin bist. Es interessiert keinen von uns, ob deine Mutter eine Riesin war, Hagrid. Du darfst nicht zulassen, dass diese stinkende Frau Skeeter dir das antut. Hagrid, komm jetzt heraus, du bist doch bloss ...“
Die Tür öffnete sich. Hermine sagte „Höchst Z...!“ und unterbrach sich sehr abrupt, weil sie in ein Gesicht starrte - nicht in das von Hagrid, sondern in das von Albus Dumbledore. „Guten Tag,“ sagte er freundlich und lächelte auf sie herunter.
„Wir - äh - wir wollten Hagrid besuchen,“ sagte Hermine mit nun viel leiserer Stimme.
„Ja, so viel habe ich verstanden,“ sagte Dumbledore mit leuchtenden Augen. „Warum kommt ihr nicht herein?“
„Oh ... hmm .... OK,“ sagte Hermine.
Sie, Ron und Harry betraten die Hütte. Sobald Harry eintrat, stürzte sich Fang laut bellend auf ihn, und versuchte ihm die Ohren abzuschlecken. Harry wehrte ihn ab und schaute sich um. Hagrid sass an seinem Tisch, auf dem zwei grosse Becher mit Tee standen. Er sah ziemlich wüst aus. Sein Gesicht war befleckt, seine Augen geschwollen, und bezüglich seiner Haare war er in das andere Extrem verfallen. Weit entfernt von dem Versuch, es ordentlich aussehen zu lassen, machte es nun den Eindruck einer Perücke aus Drahtknäueln.
"Hallo Hagrid," sagte Harry.
Hagrid sah auf. "Grüss dich," sagte er mit matter Stimme.
"Ich glaube, wir brauchen mehr Tee," sagte Dumbledore, während er die Tür hinter Harry, Ron und Hermine schloss, seinen Zauberstab hervorzog und damit einen Kreis beschrieb, der mitten im Raum ein drehbares Teetablett samt einer vollen Kuchenplatte erscheinen liess. Dumbledore dirigierte mit Hilfe seines Zauberstabes das Tablett auf den Tisch, und alle nahmen Platz. Es gab eine kleine Pause, und dann sagte Dumbledore: "Hast du zufällig gehört, was Fräulein Granger gesagt hat, Hagrid?"
Hermine wurde leicht rot im Gesicht, aber Dumbledore lächelte sie an und fuhr fort: „Gemessen an der Art und Weise, wie sie deine Tür aufbrechen wollten, scheinen Hermine, Harry und Ron auf deine Bekanntschaft immer noch einigen Wert zu legen.“
"Natürlich wollen wir weiterhin deine Freunde bleiben!" sagte Harry und sah Hagrid fest an. "Nichts, was diese blöde Kuh - Entschuldigung, Professor ...", fügte er mit einem schnellen Blick auf Dumbledore hinzu.
"Ich bin vorübergehend taub geworden und habe nichts von dem verstanden, was du gerade gesagt hast, Harry," sagte Dumbledore Däumchen drehend und schaute an die Decke.
"Ähm - gut," sagte Harry betreten, "ich wollte nur sagen - Hagrid, wie kannst du glauben, dass es uns wichtig ist, was diese - Frau - über dich schreibt?"
Zwei dicke Tränen quollen aus Hagrids tiefschwarzen Augen und fielen langsam in seinen gekräuselten Bart.
"Das ist der lebende Beweis für das, was ich dir gesagt habe, Hagrid," sagte Dumbledore immer noch angestrengt an die Decke schauend, "ich habe dir die Briefe von zahllosen Eltern gezeigt, die sich an ihre alten Tage hier mit dir erinnern und mir auf unmissverständliche Weise mitteilen, dass sie nicht damit einverstanden wären, wenn ich dich feure."
„"Aber nicht alle," sagte Hagrid heiser, "nicht alle wollen, dass ich bleibe."
"Also wirklich, Hagrid, wenn du auf deine universelle Popularität warten möchtest, befürchte ich, dass du eine ziemlich lange Zeit in deiner Hütte bleiben musst," sagte Dumledore und blickte nun streng über seine halbmondförmigen Brillengläser hinweg auf Hagrid. "Seitdem ich hier Schulrektor geworden bin, gab es keine einzige Woche, in der nicht mindestens eine Eule mit einer Beschwerde über meine Art der Schulleitung eingetroffen ist. Aber was soll ich machen? Mich in meinem Büro verbarrikadieren und mich weigern, mit jemand zu sprechen?"
"Sie - sie sind kein halber Riese!" sagte Hagrid quäkend.
"Hagrid, schau dir meine Verwandtschaft an," sagte Harry aufgebracht. "Schau dir die Dursleys an!"
„Ein exzellenter Einwand,“ sagte Professor Dumbledore. "Mein eigener Bruder, Aberforth, wurde wegen der Ausübung unangemessener Zaubersprüche an einer Ziege strafrechtlich verfolgt. Es stand in allen Zeitungen, aber hat sich Aberforth versteckt? Nein, das hat er nicht! Er hielt sein Haupt erhoben und ging seinen Geschäften wie gewöhnlich nach! Ich muss allerdings gestehen, dass ich nicht ganz sicher bin, ob er lesen kann. Es mag also nicht Tapferkeit gewesen sein ... "
aus: Harry Potter - The Goblet of Fire, Seite 493f
MOJUD – Der Mann mit dem unerklärlichen Leben
(eine alte Sufi-Geschichte)
Es war einmal ein Mann namens Mojud. Er lebte in einer Stadt, wo er den Posten eines kleinen Beamten erlangt hatte, und es schien ganz so, als würde er das Ende seiner Tage als Inspektor für Masse und Gewichte verbringen. Eines Tages, als er durch die Gärten eines alten Gebäudes unweit seines Hauses spazierte, erschien ihm Khidr, der mystische Meister der Sufis, in schimmerndes Grün gehüllt. Khidr sagte: “Verheissungsvoller Mensch! Gib deine Arbeit auf und triff mich in drei Tagen am Flussufer.” Daraufhin verschwand er.
Beklommen ging Mojud zu seinem Vorgesetzten und sagte, er müsse gehen. Schon bald wussten alle Leute in der Stadt davon und sagten: “Armer Mojud! Er ist verrückt geworden.” Weil sich aber viele Bewerber für seine Stelle meldeten, hatten sie ihn schon bald vergessen.
Am festgesetzten Tag traf sich Mojud mit Khidr, der zu ihm sagte: “Zerreisse deine Kleider und stürze dich in den Fluss. Vielleicht wird dich jemand retten.” Mojud tat, wie ihm geheissen, wenngleich auch er sich fragte, ob er nicht verrückt geworden sei. Weil er aber schwimmen konnte, ertrank er nicht, sondern trieb lange dahin, bis ihn ein Fischer in sein Boot zog und meinte: “Du Narr! Die Strömung ist so stark – was soll das?” Mojud sagte: “Das weiss ich auch nicht.”
“Du bist verrückt”, sagte der Fischer, “aber ich nehme dich in meine Schilfhütte dort drüben am Flussufer mit, und wir werden sehen, was wir für dich tun können.” Als er jedoch bemerkte, dass Mojud gebildet war, lernte er von ihm Lesen und Schreiben. Dafür erhielt Mohjud sein Essen und half dem Fischer bei der Arbeit.
Nach ein paar Monaten erschien Khidr von neuem, diesmal am Fussende von Mojuds Bett, und sagte: “Steh jetzt auf und verlasse diesen Fischer. Es wird für dich gesorgt werden.” Mojud verliess die Hütte. Als Fischer gekleidet wanderte er umher, bis er zu einer Landstrasse gelangte. Als der Morgen dämmerte, sah er einen Bauer auf einem Esel, der zum Markt unterwegs war. “Suchst du Arbeit?” fragte der Bauer, “ich brauche nämlich jemanden, der mir hilft, ein paar Einkäufe nach Hause zu tragen.” Mojud folgte ihm. Er arbeitete fast zwei Jahre lang für den Bauern und lernte in dieser Zeit zwar manches über Landwirtschaft dazu, aber sonst nicht viel.
Eines Nachmittags, als er gerade Wolle bündelte, erschien ihm Khidr und sagte: “Gib diese Arbeit auf, geh in die Stadt Mossul und verwende deine Ersparnisse, um Fellhändler zu werden. Mojud gehorchte. In Mossul wurde er als Fellhändler bekannt, sah aber Khidr in den drei Jahren, während er seinen Handel betrieb, nicht wieder. Er hatte ein schönes Sümmchen Geld gespart und dachte schon daran, sich ein Haus zu kaufen, als Khidr erschien und sagte: “Gib mir das Geld, verlasse die Stadt, geh ins ferne Samarkand und verdinge dich dort bei einem Krämer.” Mojud tat, wie ihm geheissen.
Bald darauf zeigten sich unzweifelbare Anzeichen von Erleuchtung bei ihm. Er heilte Kranke, stand in seiner Freizeit seinen Mitmenschen im Laden zu Diensten, und sein Wissen um die Mysterien vertiefte sich immer mehr.Priester, Philosophen und andere Leute besuchten ihn und fragten: “Bei wem hast du studiert?”
“Das ist schwer zu sagen”, sagte Mojud. Seine Schüler fragten: “Wie hast du deine Laufbahn angefangen?” Er sagte: “Als kleiner Beamter.”
“Und du gabst deinen Posten auf, um dich der Selbstkasteiung hinzugeben?”
“Nein, ich gab ihn einfach auf.” Sie verstanden ihn nicht. Leute kamen zu ihm und wollten seine Lebensgeschichte aufschreiben. “Was hast du in deinem Leben getan?” fragten sie. “Ich sprang in einen Fluss, wurde Fischer, verliess dann mitten in der Nacht die Schilfhütte und arbeitete als Knecht bei einem Bauern. Ich bündelte gerade Wolle, als alles wieder anders wurde und ich nach Mossul ging, um Fellhändler zu werden. Dann wanderte ich nach Samarkand, wo ich für einen Krämer arbeitete. Und da bin ich jetzt.”
“Aber dieses unerklärliche Verhalten wirft kein Licht auf deine sonderbaren Gaben und dein beispielhaftes Tun”, sagten die Biographen. Und so erstellten die Biographen für Mojud eine wunderbare und aufregende Geschichte – denn alle Heiligen müssen ihre Geschichte haben, und die Geschichte muss sich nach dem Appetit der Zuhörer richten, nicht nach dem wirklichen Leben.
Und niemand darf unmittelbar von Khidr sprechen. Darum ist diese Geschichte auch nicht wahr. Sie ist das Gleichnis eines Lebens. Dies ist das wahre Leben eines der grössten Sufis.
(erzählt von OSHO in: Mojud Der Mann mit dem unerklärlichen Leben)
Polarität
"Deine Wirklichkeit ist anders als meine", sagtest du.
"Inwiefern?" fragte ich.
"Die Art und Weise, wie du die Beziehung siehst, ist so viel mystischer als meine eigene Sichtweise."
"Ich weiss nicht, ob ich das akzeptieren kann", sagte ich. " Ich könnte nicht sehen, was ich sehe, wenn du es nicht auch sehen würdest."
"Das stimmt", räumtest du ein.
"Um ehrlich zu sein, ich finde, du bist ein heimlicher Mystiker."
"Das ist wohl wahr", antwortetest du.
"Solltest du dich dann nicht dazu bekennen, wer du wirklich bist? Kennst du die Geschichte vom Adler und den Hühnern, in der der kleine Adler von den Hühnern aufgezogen wird und ihm niemand erzählt, dass er Flügel besitzt?"
"Ja", sagtest du, "die kenne ich. Joseph Campbell hat noch eine bessere erzählt. Eine Löwin, die trächtig war, stürzte sich, da sie Hunger hatte, auf eine Herde Lämmer. Aber ihr Leib war so schwer, dass der Aufprall sie tötete. Der kleine Löwe wurde geboren und dann inmitten der Lämmer aufgezogen. Nach einer Weile traf der Löwenvater Anstalten, die Lämmer anzugreifen, da er hungrig war. Plötzlich sah er einen kleinen Löwen unter ihnen und fragte ihn erstaunt: >Was tust du denn hier?<
>Bä-ä-ä-ä-ä<, antwortete der kleine Löwe.
Also nahm der ausgewachsene Löwe den kleinen Löwen beiseite, erklärte ihm, wer er war, und zwang ihn daraufhin, das Fleisch zu fressen, das Löwen gewöhnlich fressen. Zuerst musste der kleine Löwe würgen und es fiel ihm schwer, es hinunterzuschlucken. Aber schlussendlich erkannte er, dass dies seine eigentliche Nahrung war, die seiner Löwennatur entsprach.
Offenbar bedeutete dir diese Geschichte viel. Das merkte ich daran, wie du seufztest. Und später wurde mir klar, dass es auch meine Geschichte war. Bei mir ist die Sache umgekehrt: Ich bin ein Lamm, das unter Löwen aufwuchs. Beide versuchen wir nun, unser eigentliches Wesen zu verwirklichen, und erkennen ineinander einen geistigen Lehrer. Du fühlst dich gut, wenn du in meiner Nähe bist, denn in meiner Anwesenheit fühlst du dich wie ein Löwe. Und ich fühle mich gut, wenn ich in deiner Nähe bin, denn in deiner Anwesenheit fühle ich mich wie ein Lamm.
Aus deiner Wunde stammt die Medizin für meine Heilung und aus meiner Wunde stammt die Medizin für deine. Gott - in seiner unermesslichen Gnade und Schöpferkraft - gelingt es sogar, mit Hilfe der Dunkelheit mehr Licht zu schaffen.
Auf der höchsten Ebene unseres Daseins legt sich der Löwe neben das Lamm. Unsere Stärke und unsere Sanftheit, unsere Bestimmtheit und unsere Zartheit, unser männlicher Aspekt und unser weiblicher Aspekt, unsere Führerseite und unsere Anhängerseite, unser Yin und unser Yang, unsere Göttlichkeit und unsere Menschhaftigkeit - alle verschmelzen in Harmonie und Ausgewogenheit.
Und dann, wenn das Universum wirklich leuchtet ... legst du dich neben mich.
aus: Verzauberte Liebe von Marianne Williamson, ISBN 3-548-74290-4
Eigene Kraft
"Professor Dumbledore - gestern, während meiner Prüfung in Divination wurde Professor Trelawny plötzlich sehr, sehr seltsam."
"Wirklich?" sagte Dumbledore. "Äh - du meinst seltsamer als sonst?"
"Ja ... ihr Stimme wurde tief und ihre Augen rollten uns sie sagte ... sie sagte Voldemorts Diener sei dabei, zu ihm vor Mitternacht zurückzukehren ... sie sagte, der Diener würde ihm dabei helfen, wieder an die Macht zu kommen." Harry starrte Dumbledore an. "Und dann wurde sie wieder normal, und sie konnte sich an nichts von dem erinnern, was sie gesagt hatte. War es ... hat sie eine echte Vorhersage gemacht?"
Dumbledore sah mässig beeindruckt aus. "Weißt du, Harry, ich denke, dass es eine echte Vorhersage gewesen sein könnte," sagte er nachdenklich. "Wer hätte das gedacht? Das bringt die Summe ihrer echten Vorhersagen auf zwei. Ich sollte ihr eine Gehalterhöhung anbieten ..."
"Aber - .." Harrry schaute ihn entgeistert an. Wie konnte Dumbledore so unberührt bleiben? "Aber - ich verhinderte, dass Sirius und Professor Lupin Pettigrew umbrachten. Dadurch wird es meine Schuld, wenn Voldemort zurückkommt!"
"Nein," sagte Dumbledore ruhig. "Hat du aus deiner Erfahrung mit dem Zeit-Umkehrer nichts gelernt? Die Konsequenzen unserer Handlungen sind immer so kompliziert und so vielfältig, dass die Vorhersage der Zukunft in der Tat ein extrem schwieriges Geschäft ist ... Professor Trelawny, gesegnet sei sie, ist der lebende Beweiss dafür. Du hast sehr nobel gehandelt, indem du Pettigrew das Leben gerettet hast."
"Aber es hilft Voldemort zurück an die Macht zu kommen!"
"Pettigrew schuldet dir sein Leben. Du hast Voldemort einen Gehilfen geschickt, der in deiner Schuld steht. Wenn ein Zauberer einem anderen Zauberer das Leben rettet, erschafft das eine Bindung zwischen ihnen ... und ich müsste schon total falsch liegen, wenn Voldemort einen Diener haben will, der in der Schuld Harry Potters steht."
"Ich will keine Bindung mit Pettigrew!" sagte Harry. "Er hat meine Eltern verraten!"
"Das ist Magie in ihrer grössten Tiefesinnigkeit und in ihrer grössten Undurchdringlichkeit, Harry. Vertraue mir ... es mag eine Zeit kommen, in der du sehr froh darüber sein wirst, dass du Pettigrews Leben gerettet hast."
Harry konnte sich nicht vorstellen, wann das sein würde. Dumbledore sah aus, als wüsste er, was Harry dachte. "Ich kannte deinen Vater sehr gut, sowohl hier in Hogwarts als auch später, Harry," sagte er freundlich. "Er hätte Pettigrew auch gerettet, da bin ich mir sicher." Harry sah zu ihm auf. Dumbledore lachte nicht - er konnte sehen, dass Dumbledore ...
"In der letzten Nacht ... ich dachte, es sei mein Vater gewesen, der meinen Patronus beschworen hätte. Ich meine, als ich mich selber auf der anderen Seite des Sees sah ... dachte ich, ich hätte ihn gesehen."
"Ein Fehler, der einem einfach unterlaufen kann," sagte Dumbledore sanft. "Ich vermute, du bist es leid zu hören, aber du siehst James wirklich aussergewöhnlich ähnlich. Ausser deinen Augen ... du hast die Augen deiner Mutter."
Harry schüttelte den Kopf. "Es war dumm von mir zu denken, er sei es gewesen," murmelte er. "Ich meine, ich wusste, dass er tot war."
"Glaubst du, dass die Toten, dir wir geliebt haben, uns jemals wirklich verlassen? Glaubst du nicht, wir können sie in grosser Not klarer als zu ihren Lebzeiten ins Gedächtnis zurückrufen? Dein Vater lebt in dir, Harry, und das zeigt sich am deutlichsten, wenn du ihn brauchst. Wie sonst hättest du diesen besonderen Patronus hervorrufen können? Prongs ist gestern Nacht wieder geritten."
Es kostete Harry einen Moment, um zu verstehen, was Dumbledore gesagt hatte.
"Serius hat mir alles darüber erzählt, wie sie gestern Nacht zu Animagi wurden," sagte Dumbledore lächelnd. "Ein aussergewöhnliche Leistung - nicht zuletzt weil sie es vor mir verbergen konnten. Und dann erinnerte ich mich an die sehr ungewöhnliche Form, die dein Patronus annahm, als er während deines Quidditch Spiels gegen Ravenclaw auf Herrn Malfoy losstürmte. Du hast also deinen Vater letzte Nacht wirklich getroffen, du hast ihn in dir selbst gefunden." Dumbledore verliess das Büro und überliess Harry seinen sehr verwirrten Gedanken.
aus: Harry Potter, The Prisoner of Azkaban, Seite 458f
Empathie
Im Spätsommer erreichte ein Wandermönch ein wunderschönes Tal. Gleich am Eingang kam eine Gruppe schreiender, wild gestikulierender Dörfler auf ihn zugerannt. Nach einigem hin und her fand er heraus, dass eine schreckliches Monster in einem naheliegenden Feld liege und nur darauf warte jeden zu verschlingen, der sich zu nähern wage. Da der Mönch kein furchtsames Herz hatte, wurde er eher neugierig und konnte schliesslich einen der Dörfler überreden, ihn in die Nähe des Monsters zu führen. Nachdem er die letzten Schritte bis in Sichtweite allein zurückgelegt hatte, konnte er sein Lachen kaum verbeissen. Ein paar gewaltige Wassermelonen waren dort herangewachsen, und in ihrer Überreife schliesslich auf eine Weise aufgeplatzt, die an vielköpfiges Monster mit weit aufgerissenen, blutroten Mäulern erinnerte. Die Dörfler hatten offensichtlich noch nie zuvor Wassermelonen gesehen und waren vom blutigen Aussehen und den Geräuschen beim Aufplatzen genarrt worden.
Der Mönch lief zurück zu den Dörflern und fragte nach einem grossen Messer, um das Monster zu schlachten. Mit schreckensgeweiteten Augen stellten sie das verlangte Messer zur Verfügung und versammelten sich in einem sicheren Abstand, um das Spektakel zu beobachten. Der Mönch rannte auf die Wassermelonen zu und hatte sie im Nu zu Stücken zerhackt. Als die Dörfler dies sahen steckten Sie ihre Köpfe zur Beratung zusammen: "Habt ihr gesehen wie schnell dieser Kerl das schreckliche Monster umgebracht hat? Der muss selber noch zehnmal schlimmer sein. Wir sollten jetzt all usere Kräfte vereinen, und ihn aus dem Tal jagen, solange er noch vom Kampf mit dem Monster geschwächt ist. Sonst wird er uns später einen nach dem anderen umbringen." Aus dem Gefühl heraus, mit dem Rücken zur Wand zu stehen, nahm sich jeder einen Stock und ohne auch nur auf ein einziges Wort des Mönches zu hören, prügelten sie ihn fast zu Tode.
Im folgenden Jahr, etwa zur gleichen Zeit im Sommer, kam ein anderer Mönch im gleichen Tal an und wurde Zeuge der gleichen ängstlichen Verwirrung durch das wieder überreife "Monster". Da er mehr Lebenserfahrung besass, lachte er nicht und fragte auch nach keinem Messer. Nachdem er sich dem Monster auf Sichtweite genähert hatte und es als überreife Wassermelonen erkannt hatte, drehte er sich langsam und vorsichtig herum, kehrte auf Zehenspitzen zu den Dörflern zurück und sagte im Flüsterton: "Das ist wirklich das schlimmste Monster, das ich je gesehen habe. Lasst uns ins Dorf zurückgehen und harausfinden, wie wir in seiner Nähe überleben können."
Einige Jahre später schien das gleiche Dorf, das noch vor kurzem grau und verarmt war, in leuchtenden Farben und schäumte vor Aktivität. Das Dorf war mittlerweile berühmt für die Süsse seiner gigantischen Wassemelonen geworden und die Kaufleute aus der ganzen Umgebung überboten sich gegenseitig im Preis. Die Dorfschule, unter der Leitung des Mönches, verfügte über einen grossen Garten, in dem die Kinder schon im zartesten Alter lernten, wie man Wassermelonen anpflanzt, die man mit einem leichten Zwinckern in jedermanns Auge immer noch als "Monster" bezeichnete.
Geschichte aus dem Orient, Verfasser unbekannt
Kraft des Herzens
"Kannst du das sehen, Harry? Siehst du jetzt den Fehler in meinem brillianten Plan? Ich bin in eine Grube gefallen, die ich vorhergesehen habe, genau die Grube, die ich mir einredete vermeiden zu können, ja vermeiden zu müssen."
"Nein, ich ..."
"Ich war zu sehr um dich besorgt," sagte Dumbledore direkt. "Dein Wohlergehen war mir wichtiger als dein Wissen um die Wahrheit, dein Seelenfrieden wichtiger als mein Plan, dein Leben wichtiger als die Leben derer, die vielleicht sterben würden, falls mein Plan versagte. Mit anderen Worten, ich habe genau das getan, was Voldemort von uns Narren, die lieben, erwartet. Gibt es etwas zu meiner Verteidigung zu sagen?
Ich kann mir niemand vorstellen, der dich so gut beobachtet hat wie ich - ich habe dich genauer beobachtet, als du dir denken kannst - und der dir nicht auch hätte mehr Schmerzen ersparen wollen, als du ohnehin zu erleiden hattest. Was kümmerte es mich, dass namenlose Menschen und Kreaturen in der ungewissen Zukunft geschlachtet würden, wenn du nur gesund und glücklich im hier und jetzt leben konntest? Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich einmal so jemandem begegnen würde.
Du kamst in dein drittes Jahr [in Hogwarts]. Ich habe aus der Ferne zugeschaut, als du mit den Dementoren gerungen hast, als du Sirius fandest, als du erfuhrst wer er war und ihn in Sicherheit brachtest. Hätte ich es dir damals erzählen sollen, gerade nachdem du deinen Paten triumphierend aus den Klauen des Ministeriums befreit hattest? Doch dann, in deinem dreizehnten Jahr wurden meine Ausreden fadenscheinig. Du magst zwar jung sein, doch du hast deine Aussergewöhnlichkeit bewiesen. Mein Gewissen rührte sich, Harry. Ich wusste, dass die Zeit bald kommen würde ... doch dann kamst du letztes Jahr aus dem Labyrinth heraus, hattest Cedric Diggory gerade sterben sehen und warst dem Tod selber nur knapp entronnen ... und ich habe es dir nicht erzählt, obwohl ich wusste, dass jetzt, wo Voldemort zurückgekehrt war, ich es bald würde tun müssen. Weil du bewiesen hast, dass ich die Last schon früher hätte auf deine Schultern legen können, habe ich dich dann so lange gemieden. Meine einzige Entschuldigung ist: Ich habe dich mit mehr Schwierigkeiten ringen sehen, als jeden anderen Schüler, der jemals diese Schule besuchte, und ich konnte mich nicht dazu durchringen, dir noch eine weitere aufzubürden - die grösste von allen."
Harry wartete ab, doch Dumbledore sprach nicht weiter. "Ich verstehe immer noch nicht."
"Voldemort versuchte dich umzubringen, als du noch ein Kind warst, wegen einer kurz vor deiner Geburt gemachten Prophezeiung. Er wusste, dass diese Prophezeiung gemacht worden war, obwohl er ihren vollständigen Inhalt nicht kannte. Er versuchte, dich umzubringen, als du noch ein Baby warst, weil er glaubte, damit die Bedingungen der Prophezeiung zu erfüllen. Er fand zu seinem eigene Nachteil heraus, dass er sich geirrt hatte, denn der Fluch, der dich töten sollte, ging nach hinten los. Deswegen ist er seit der Rückkehr in seinen Körper, insbesondere nach deinem aussergewöhnlichen Entkommen im letzten Jahr, fest entschlossen, die Prophezeiung in ihrer Gesamtheit zu hören. Es ist die Waffe, die er seit seiner Rückkehr so beharrlich gesucht hat: Das Wissen, wir er dich zerstören kann.
Die Sonne war nun ganz aufgegangen. Dumbledores Büro wurde davon durchflutet. Die Vitrine mit dem Schwert von Godric Griffindor glänzte milchig weiss, die Bruchstücke der Instrumente, die Harry auf den Boden geworfen hatte, glitzerten wie Regentropfen, und hinter ihm machte das Phoenixbaby Fawkes sanft zwitschernde Geräusche in seinem Nest aus Asche. "Die Prophezeiung ist zerstört," sagte Harry mit leerem Ausdruck. "ich zog Neville gerade auf diese Bänke herauf, im - im Raum mit der Bogentür, und zeriss seine Kleider und die Prophezeiung fiel ..."
"Das was zerschellt ist, war nur eine Aufnahme von der Prophezeiung, die von der Abteilung für Mysterien aufbewahrt wurde. Doch die Prophezeiung wurde von jemand gehört, und dieser jemand hat die Möglichkeit, sich vollständig daran zu erinnern."
"Wer hat sie gehört?" fragte Harry, obwohl er glaubte, dass er die Antwort schon kannte.
"Ich habe sie gehört," sagte Dumbledore. "Vor sechzehn Jahren in einer kalten und nassen Nacht, in einem Zimmer über der Bar des Hog's Head Inn. Ich war dort, um einen Bewerber für die Stelle des Divinationslehrers zu treffen, obwohl es gegen meine Neigung war, das Fach Divination überhaupt weiter bestehen zu lassen. Wie dem auch sei, der Bewerber war die Ur-Ur-Enkelin einer sehr berühmten und begabten Seherin, und ich hielt es für allgemeine Höflichkeit, mich mit ihr zu treffen. Ich war enttäuscht. Mir erschien es, als habe sie nicht eine Spur dieser Gabe. Ich sagte ihr, wie ich hoffe sehr höflich, dass ich nicht glaube, dass sie für die Stelle geeignet sei, und wollte gerade gehen."
Dumbledore stand auf und lief an Harry vorbei zum schwarzen Schrank neben der Vogelstange von Fawkes. Er bückte sich, schob einen Riegel zurück und holte die niedrige Steinschale mit den um den Rand gravierten Runen heraus, in der Harry gesehen hatte, wie sein Vater Snape quälte. Dumbledore kam zum Schreibtisch zurück, stellte das Pensive darauf, und hob seinen Zauberstab an die eigenen Schläfen. Er zog silbrige hauchdünne, am Zauberstab hängende Gedankenfäden heraus, und deponierte sie in die Schale. Dann setzte er sich wieder hinter seinen Schreibtisch und beobachtet, wie seine Gedanken im Pensive für eine Weile kreisten und umhertrieben. Schliesslich erhob er seinen Zauberstab mit einem Seufzer und stiess die silbrige Substanz mit der Spitze mehrfach an.
Eine Figur erhob sich daraus, in Tücher eingehüllt, die Augen hinter dicken Brillengläsern ernorm vergrössert, und drehte sich langsam um sich selbst, mit den Füssen in der Schüssel. Aber als Sybill Trelawny sprach, war es nicht ihre gewohnte ätherisch-mystische Stimme, sondern die harten, heiseren Laute, die Harry sie einmal zuvor hatte benutzen hören: "Der Eine mit der Macht, den Dunklen Herrscher zu besiegen, kommt ... geboren wenn der siebte Monat ausklingt, geboren denen, die ihm dreimal zuvor Gehorsam verweigert haben,... und der Dunkle Herrscher wird ihn als Seinesgleichen zeichnen, doch er wird Kräfte haben, die der Dunkle Herrscher nicht kennt .. und einer der beiden wird durch die Hand des anderen sterben, denn keiner kann leben, während der andere überlebt ... der Eine mit der Macht, den Dunklen Herrscher zu besiegen, wird geboren werden, wenn der siebte Monat ausklingt ..." Die sich langsam drehende Professorin Trelawny sank in die silbrige Masse in der Schüssel zurück und verschwand.
Im Büro herrschte absolute Stille. Weder Dumbledore noch Harry, noch eines der Porträts machten ein Geräusch. Sogar Fawkes war still geworden. "Professor Dumbledore," sagte Harry sehr leise, denn Dumbledore starrte immer noch in das Pensive und schien komplett in seinen Gedanken verloren zu sein, "das .. bedeutet, es ... was hat das zu bedeuten?"
"Es bedeutet," sagte Dumbledore, "dass die Person mit der alleinigen Chance, Lord Valdemort endgültig zu besiegen, Ende Juli vor nahezu sechzehn Jahren geboren wurde. Dieser Junge wurde mit Eltern geboren, die Lord Voldemort schon dreimal Gehorsam verweigert hatten."
Harry fühlte sich, als würde ihn etwas einschnüren. Das Atmen fiel ihm wieder schwer. "Das bedeutet - ich?"
Dumbledore betrachtete ihn für eine Weile durch seine Brille. "Das merkwürdige dabei ist, Harry," sagte er sanft, "dass es möglicherweise gar nicht auf dich gemünzt war. Sybills Prophezeiung hätte auf zwei Zaubererjungen zutreffen könne, die beide Ende Juli jenes Jahres geboren wurden, deren beider Eltern Mitglieder im Orden des Phoenix waren und Lord Valdemort dreimal knapp entkommen waren. Der eine warst selbstverständlich du. Der andere war Neville Longbottom."
"Aber dann .. aber dann, warum war mein Name in der Prophezeiung und nicht Nevilles?"
"Die offizielle Aufnahme wurde neu benannt, und zwar nach dem Angriff von Lord Valdemort auf dich als Kind," sagte Dumbledore. "Es erschien dem Bewacher der Halle der Prophezeiung logisch, dass Voldemort nur versuchte hatte, dich zu töten, weil er wusste, dass du derjenige bist, von dem Sybill gesprochen hat."
"Dann - könnte es sein, dass ich es nicht bin?" sagte Harry.
"Ich fürchte," sagte Dumbledore langsam und sah dabei aus, als würde ihn jedes Wort Kraft kosten, "es gibt keinen Zweifel, dass du es bist."
"Aber sie haben gerade gesagt - Neville wurde auch Ende Juli geboren - und seine Mutter und sein Vater - .."
"Du vergisst den darauf folgenden Teil der Prophezeiung, die Eigenschaft zur eindeutigen Identifizierung des Jungen, nämlich, dass er Lord Voldemort besiegen könne ... Voldemort selber würde ihn als Seinesgleichen zeichnen. Und das tat er, Harry. Er wählte dich, nicht Neville. Er verursachte die Narbe, die sich als Segen und als Fluch herausgestellt hat."
"Aber vielleicht hat er den Falschen gewählt!" sagte Harry. "Vielleicht hat er die falsche Person gekennzeichnet!"
"Er wählte den Jungen, von dem er glaubte, dass er ihm am ehesten gefährlich werden könne." Sagte Dumbledore. "Und beachte, Harry, dass er nicht das reine Blut wählte (das nach seiner Ansicht die einzige Art von Zauberer ist, die es zu sein oder zu kennen sich lohnt), sondern das Halbblut, das er selber ist. Er hat sich in dir erkannt noch bevor er dich traf, und als er dich mit der Narbe zeichnete, tötete er dich nicht, wie es eigentlich seine Absicht war, sondern übertrug Kräfte und eine Zukunft, die dich in die Lage versetzten, ihm nicht nur einmal, sondern bis jetzt vier mal zu entkommen - etwas, das weder deine noch Nevilles Eltern jemals erreichten."
"Warum hat er es dann überhaupt getan?" sagte Harry, der sich kalt und taub fühlte. "Warum versuchte er, mich als Baby umzubringen? Er hätte warten sollen, bis wir älter waren und er sehen konnte, ob Neville oder ich gefährlicher für ihn würden, und dann denjenigen töten ..."
"Vielleicht wäre das tatsächlich eine praktischere Vorgehensweise gewesen," sagte Dumbledore, "ausser, dass Voldemorts Information über die Prophezeiung unvollständig war. Das Hogs Head Inn, von Sybill wegen des niedrigen Preises gewählt, hat seit langem eine, sollen wir sagen, interessantere Kundschaft angezogen, als das Three Broomsticks. Wie du und deine Freude zu eurem Leidwesen herausgefunden habt, und ich in jener Nacht zu meinem, handelt es sich um einen Ort, wo man niemals mit Sicherheit annehmen kann, dass niemand zuhört. Selbstverständlich hatte ich, als ich losging, um Sybill Trelawny zu treffen, es mir nicht einmal träumen lassen, dort etwas Interessantes zu hören. Mein - unser - einziges Stückchen Glück war, das der Lauscher schon nach den ersten Worten der Prophezeiung entdeckt und aus dem Gebäude geworfen wurde."
"Er hat also nur - .."
"Er hat nur den Anfang gehört, den Teil, der die Geburt eines Jungen Ende Juli von Eltern vorhersagte, die Voldemort dreimal den Gehorsam verweigert hatten. In Folge davon konnte er seinen Herrn nicht davor warnen, dass ein Angriff auf dich das Risiko birgt, Kräfte auf dich zu übertragen und dich als Seinesgleichen zu kennzeichnen. Also wusste Voldemort nicht, dass es gefährlich sein könnte, dich anzugreifen, dass es weiser sein könnte, abzuwarten und mehr herauszufinden. Er wusste nicht, du würdest Kräfte haben, die der Dunkle Herrscher nicht kennt -.."
"Aber das habe ich nicht!" sagte Harry mit zugeschnürter Kehle. "Ich habe keine Kräfte, die er nicht hat. Ich könnte nicht so kämpfen, wie er se heute Nacht getan hat. Ich kann keine Menschen zu willenlosen Werkzeugen machen - oder sie töten -.."
"Es gibt in der Abteilung für Mysterien einen Raum," unterbrach ihn Dumbledore, "der immer abgeschlossen ist. Er enthält eine Kraft, die zugleich wunderbarer als menschliche Intelligenz oder die Kräfte der Natur, und auch schrecklicher als der Tod ist. Es handelt sich gleichzeitig auch um das vielleicht am meisten mysteriöse Thema, das dort zum Studium bereit steht. Es ist diese Macht, die innerhalb dieses Raum gehalten wird und die du in solchem Ausmass in dir hast, die Lord Voldemort nicht kennt. Diese Macht hat dich heute Nacht in die Lage versetzt, Sirius zu retten. Sie hat dich auch davor bewahrt, zum Werkzeug Voldemorts zu werden, denn er konnte es nicht in einem Körper aushalten, der so sehr mit der Macht angefüllt war, die er hasst. Am Ende war es nicht wichtig, ob du deinen Geist verschlossen halten konntest. Dein Herz hat dich gerettet."
Harry schloss seine Augen. Wenn er nicht versucht hätte Sirius zu retten, wäre Sirius nicht gestorben ... Mehr, um den Moment hinauszuschieben, in dem er wieder an Sirius denken würde, fragte Harry, ohne wirklich die Antwort wissen zu wollen, "Das Ende der Prophezeiung ... es drehte sich um etwas ... keiner der beiden kann leben ...."
"... während der andere überlebt," sagte Dumbledore.
"Also," sagte Harry, der die Worte aus etwas wie einem bodenlosen Brunnen der Verzweiflung in seinem Inneren emporzog, "heisst das, dass .... dass einer von uns den anderen töten muss ... zu guter Letzt?"
"Ja," sagte Dumbledore. Lange Zeit sprach keiner von beiden. Irgendwo, weit hinter den Wänden des Büros konnte Harry den Klang von Stimmen hören, vielleicht Schüler, die zu einem frühen Frühstück in der Grossen Halle unterwegs waren. Es erschien ihm unmöglich, dass es noch Menschen auf der Erde geben konnte, die Appetit auf Essen hatten, lachen konnten, die weder wussten noch sich darum kümmerten, dass Sirius Black für immer gegangen war. Sirius schien schon eine Million Meilen weit weg zu sein; aber sogar jetzt noch glaubte ein Teil in Harry, dass er nur den Schleier zurückzuziehen bräuchte, um Sirius zu sehen, wie er ihn anschaut und grüsst, vielleicht mit seinem Lachen, das wie ein Bellen klang ....
"Ich habe das Gefühl, dass ich dir noch eine weitere Erklärung schulde, Harry," sagte Dumbledore zögernd. "Du hast dich vielleicht gewundert, dass ich dich niemals zum Präfekten vorgeschlagen habe? Ich muss zugeben ... dass ich eher dachte ... du hättest bereits mehr als genug Verpflichtungen, denen du nachgehst."
Harry sah auf und erblickte eine Träne, die Dumbledors Gesicht hinunter in seinen langen silbernen Bart floss.
aus: Harry Potter,The Orde of the Phoenix, Seite 739 ff
Der Einparkengel
Lasst uns für einen Moment annehmen, ihr befändet euch in eurem Fahrzeug und ihr kreist um den Block. Ihr betet: "Lieber Einpark-Engel, ich weiss nicht, wie du das hinkriegen kannst, aber ich brauche hier einen Parkplatz." Ihr kennt die Situation, oder? (Lachen) Plötzlich stösst ein Auto genau vor euch überraschend aus seiner Parklücke und praktisch während es noch wegfährt, nehmt ihr seinen Platz ein und sagt: "Vielen Dank, Einpark-Engel!" Ich möchte nochmals mit euch rekapitulieren, was gerade geschah, damit ihr nicht verwirrt seid. Einige stellen sich vor, das Ganze sei wie folgt abgelaufen. Eure Ankunft im Parkplatz-Suchen-Modus verändert die Energie im ganzen Block, und in irgendeiner Weise wird eine arme einkaufende Seele vom Einpark-Engel aus ihrer Tätigkeit gerissen und in ihr Auto verfrachtet, wo sie gezwungen wird, den Rückwärtsgang einzulegen und die Parklücke zu verlassen. Völlig durcheinander wird der Seele plötzlich klar, dass sie gar nicht die Absicht hatte zu gehen, es aber trotzdem getan hat. Was ist bloss geschehen? (Lachen) Und ihr fahrt in die Parklücke.
Wie 3D von euch! Selbstverständlich geschieht es nicht so, wie ich es gerade beschrieben habe. Nein, statt dessen ist es ein synchronisierter Tanz durch Raum und Zeit. Wisst ihr, wie komplex das ist? Denkt das nächst Mal daran, wenn ihr euren Parkplatz bekommt. Hier kommt das korrekte Szenario. Eure Ankunft fällt mit der Abfahrt von jemand anderem zusammen, und alles, was der Einpark-Engel zu tun hat, ist, sich um die Synchronizität des Tanzes zu kümmern. Ihr seid zur richtigen Zeit da, der Shopper fährt weg, und ihr fahrt in diese Parklücke. Ihr seid glücklich. Jeder gewinnt. Wie dem auch sei, eure vielen Anteile in den verschiedenen Orten zur gleichen Zeit sind daran beteiligt, genau wie die des Shoppers. Der Einpark-Engel ist in Wirklichkeit so etwas wie der Direktor einer immensen Verkehrsplanungssitzung, an der die vielen Anteile eures Selbst die ganze Zeit beteiligt sind.
Vergegenwärtigt euch für einen Moment die Komplexität und die Planung des Ganzen. Ihr habt ein Höheres Selbst und ihr habt darüber hinaus andere Anteile des Selbst ... alle wissend, wann ihr kommt und wann ihr geht, wann ihr beten werdet, und auch das Gleiche wissend über die andere Person, die einkauft. Habt ihr schon mal daran gedacht, dass die anderen Engel mit diesem Tanz einverstanden sein müssen? Das sind sie. Habt ihr euch jemals gefragt, ob euer gutes Glück die Mit-Schöpfung von jemand anderem sein könnte? Das ist es oft ... was die Synchronisation viel einfacher macht.
Da sitzt der Shopper also in seinem Auto und betet: "Lieber Gott, Parkplätze sind wirklich schwierig zu bekommen. Lass diesen an jemand vergeben werden, der ihn verdient hat, und der dich genauso liebt wie ich."
quellen von fotos, graphiken & bilder:
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