Erwartungs-Hygiene

Menschen können gut sein wenn Gutes von ihnen erwartet wird.

Irgendwann hatte ich die Tendenz entwickelt, das nächste Ei nur noch danach zu beurteilen, ob es meinem Gaumen die Meldung einer unbekannten Geschmacksnote entringen konnte. Aus meiner Freude über und Dankbarkeit für ein unerwartetes Geschenk des Himmels wurde zuerst Hoffnung, dann Erwartung, dann Kalkül und schließlich Sucht. Entlang des Weges haben meine Dankbarkeit und Freude abgnommen, während meine Erwartungen an kommende Geschenke immer spezifischer werden, und meine Enttäuschung gepaart mit Undankbarkeit in dem Maße zunahmen, wie meine Spezifikationen nicht erfüllt wurden. Schließlich stampfte ich zornig mit dem Fuß auf, wenn mir das bestellte Geschenk nicht termingerecht frei Haus geliefert wurde..
kannst du selbst die erwartungen erfüllen, die du an andere stellst? wenn nicht, könntest du deine erwartungen ändern. das nimmt druck weg, nicht zuletzt den druck, den du auf dich selber ausübst. denn als ehrliche haut versuchst du auch (vergeblich) das selber zu erfüllen, was du von anderen erwartest. hör auf, dir mit solchen unmöglichkeiten das leben künstlich kompliziert zu machen. und falls du dich dazu entschließen solltest, dieses drama weiter zu fahren, dann hör auf, dich darüber zu beschweren. du kannst es in zukunft anders tun, sonst niemand..

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Natürlich war es mir theoretisch klar, dass eine veränderte Zukunft einen veränderten Georg beinhalten muss. Aber dass ich in der Praxis die Veränderung nicht geschenkt bekomme, dass ich sie mir aus jeder einzelnen Pore herausschwitzen darf, das habe ich euphorisch und geflissentlich übersehen. Meine übliche Einstellung zum Kleingedruckten hatte sich durchgesetzt - erst lesen, wenn Probleme auftreten. Und wie beim meisten Kleingedruckten wird mein Problembewusstsein erst beim Lesen groß..
Die Erwartungen und Wünsche des Menschen sind die größten Faktoren seines Wohlergehens und seiner Problemen. In der Wissenschaft wird das Placebo - Effekt genannt und macht bei körperlichen Therapien und Medikamenten nachweißlich mindestens 40% des Erfolges oder Misserfolges aus, bei mentalen Therapien und Psychopharmaka mindestens 60%. Es ist deshalb ratsam, diesen Faktor in jeden Aspekt des Lebens mit einzubeziehen, und zwar so bewusst wie möglich. Denn wenn ich es nicht bewusst tue, dann tue ich es unbewusst. Oft verleihe ich unbewusst meine 40% an jemand anders..