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| Chamäleon Teil 2 zum Teil 1 |
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Ich erzähle seine Geschichte nicht mit der Absicht, sein Leben biographisch zu dokumentieren. Dazu reicht weder das mir von ihm überlassene Material, noch unsere Erinnerungen, noch mein biographischer Forscherdrang. Ich habe nicht die Absicht, mich an die Schauplätze seines Lebens zu begeben oder in den Gedächtnissen seiner Verwandten und Bekannten nach Schnipseln zu suchen, die sich dann doch nicht verifizieren lassen.
Als ich Johannes zum ersten Mal nach seiner Rückkehr nach Deutschland traf, sah er völlig fehl am Platz aus, ein unglücklicher Exot im Exil, dessen einstmals schillerndes und nun verblasstes Gefieder weder aus der Umgebung hervorstach, noch sich darin einfügte. Wenn sie ihn heute treffen würden, sieht er auf den ersten Blick ganz normal aus. Falls er sie mag, bröckelt spätestens nach einer halben Stunde diese Fassade. Johannes ist definitiv nicht normal. Manchmal scheint er es darauf anzulegen, sein Gegenüber zu schockieren, und sei es nur, um jedem die Möglichkeit zu geben, ihn als Spinner abzutun. Darauf angesprochen, antwortete mir Johannes:
Im Frühjahr 2005 machte Johannes eine Rückführungtherapie, in deren Verlauf er zwar keine Bilder sah, doch sehr stark mit Gefühlen auf die intuitive Führung seiner Therapeutin reagierte.
Im zweiten Jahr nach seiner Rückkehr aus Asien ging Johannes in die Bibliothek, um sich eine Fotokopie mit dem Himmelsausschnitt um die Plejaden zu besorgen. Er wollte eine Information überprüfen, nach der eine solche Fotokopie unter elektrische Geräte gelegt, diese wirkungsvoll elektrisch entstöre. Mit Hilfe der Sternenkarte suchte er die Plejaden auch am Nachthimmel und fand sie prompt. Es war das Sternbild, das auf ihn von klein auf eine magische Anziehungskraft ausgeübt hatte.
"Als ich ungefähr 27 war und bei meinen sterbenden Vater wohnte, konnte ich manchmal nachts nicht schlafen. Ich pflegte zu lesen, manchmal die ganze Nacht durch. In einer dieser Nächte trat ich zufällig ans Fenster und blickte direkt in den vollen Mond. In der nächsten schlaflosen Nacht passierte das gleiche. Seitdem habe ich keinen Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Astrologie."
Gegen Ende der neunziger Jahre wurde Johannes alias Djagannathananda, aus Vietnam nach Vladivostok versetzt. Er hatte in Vietnam den bisherigen Höhepunkt seine Yogalehrerkarriere erlebt und trauerte diesem Erlebnis zunächst nach. Doch der ferne Osten der Sowjetunion und die Menschen dort hatten ihren eigenen Charme, besonders wenn sie sangen.
Der Guru von Johannes, Baba, war 1990 gestorben. Johannes empfand selbst keine Trauer, sondern das gleiche Gefühl von triumphierender Freude für den Hinübergegangenen, das er schon anlässlich des Todes seiner Mutter geheim gehalten hatte. Trotzdem teilte er zu seinem eigenen Erstaunen die Trauer anderer einschließlich Tränen. Es war vielleicht zum ersten Mal, dass Johannes bemerkte, wie die Gefühle anderer in ihm wirkten, und dass er keine Kontrolle darüber hatte noch haben wollte.
In seiner Studentenzeit hatte Johannes ein erschreckendes Erlebnis mit seiner Freundin Helga gehabt. Sie waren nach einer fast durchfeierten Nacht am nächsten Tag spazieren gegangen, und führten dabei ein intensives Gespräch. Nach einiger Zeit bildete sich ziemlich plötzlich eine Verbindung von Helgas Scheitelchakra (Fontanella) zu dem von Johannes. Diese Verbindung hatte etwa die Stärke einer Bratwurst, fühlte sich aber viel fester an, fast wie ein Kabel. Sie bildete sich über Augenkontakt und wurde von Johannes kontrolliert. Obwohl es sich extrem angenehm angefühlt hatte, unterbrach Johannes diese Verbindung immer wieder. Seine kontrollierende Position in der Verbindung jagte ihm einen tiefen Schrecken ein. Er hatte das Gefühl etwas Verbotenes zu tun. Das Verhältnis von Johannes zum Thema Hypnose ist auch heute noch sehr gespannt und von einer tiefen instinktiven Abneigung geprägt.